Maxim Emely­any­chev zählt zu den größ­ten Hoff­nun­gen der rus­si­schen Musik­sze­ne. Das heu­te 30 Jah­re jun­ge Mul­ti­ta­lent stu­dier­te Kla­vier, Cem­ba­lo, Barock­horn und Diri­gie­ren und gewann danach in allen Fächern inter­na­tio­na­le Prei­se. Seit 2016 lei­tet Maxim Emely­any­chev auch das renom­mier­te Barock­ensem­ble Il pomo d’oro. Für sein Diri­gen­ten-Debüt hat er sich zwei sin­fo­ni­sche Kron­ju­we­len aus­ge­sucht: Wer sich heu­te an Beet­ho­vens Eroi­ca her­an­traut, muss über Zau­ber­kräf­te ver­fü­gen, um das alte Schlacht­ross in ein Renn­pferd zu ver­wan­deln. Doch Emely­any­chev meis­tert die Ver­jün­gungs­kur mit jugend­li­cher Fri­sche und einer tän­ze­ri­schen Unbe­küm­mert­heit und Anmut, die alles heroi­sche Pathos, allen Tita­nis­mus, alle roman­ti­sche Bedeu­tungs­schwe­re, von ihm abfal­len lässt und es in die schlan­ken, spie­le­risch drän­gen­den Bewe­gungs­mus­ter einer klas­si­schen Sin­fo­nie zurück­führt. Mit his­to­risch ori­en­tier­ter, leicht­fü­ßi­ger Trans­pa­renz ver­wei­sen sei­ne hoch­mo­ti­vier­ten Nizhny Nov­go­rod Soloists wie­der auf die inne­re, struk­tu­rel­le Logik von Beet­ho­vens revo­lu­tio­nä­rer Satz­tech­nik, und ent­fa­chen mit rie­si­gen Atem­bö­gen eine sog­ar­ti­ge Strin­genz, die ganz ohne äuße­ren Druck die Musik selbst spre­chen lässt. Die Eroi­ca ent­le­digt sich hier alter Last und kann wie­der frei atmen. Mit ähn­lich fri­schem, drän­gen­dem Puls und tän­ze­ri­scher Beweg­lich­keit ent­staubt Emely­any­chev auch Brahms’ Haydn-Varia­tio­nen und durch­glüht sie mit jugend­li­chem Feu­er.

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Attila Csampai
Attila Csampai ist Chefrezensent bei crescendo. Als gebürtiger Budapester lebt er seit 1957 in München, und studierte hier Musikwissenschaft. Seit 1974 schreibt er Schallplattenkritiken in allen wichtigen Fachzeitschriften. Seine Essays, seine Werkkommentare und vor allem sein zahlreichen Musikbücher sind legendär. 32 Jahre lang war er Musikredakteur und Live-Moderator beim Bayerischen Rundfunk. Seine CD-Sammlung umfasst mehr als 30.000 Alben.

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