Tatjana Ruhland betritt mit den Flötenwerken von Carl Reinecke einen vergessenen Ort der Romantik.

Preis­trä­ger der Kate­go­rie: Kon­zert­ein­spie­lung | Musik 19. Jh.

Das Flö­ten­kon­zert von Carl Rei­ne­cke ist das Kon­zert, das Schu­mann nie schrieb.“ So sieht es die Flö­tis­tin Tat­ja­na Ruh­land. In ihrer mit dem OPUS KLASSIK aus­ge­zeich­ne­ten Auf­nah­me betritt sie, wie es ein Kri­ti­ker sag­te, „lost spaces“ der Musik: Orte, die lan­ge nicht besucht wur­den, an denen sich der roman­ti­sche Nebel nie­der­ge­las­sen hat und an denen Ruh­land nun nach neu­en Licht­strah­len sucht. Genau dafür bie­ten sich die Flö­ten­kon­zer­te von Carl Rei­ne­cke an. Der Musi­ker, der 1842 in Ham­burg gebo­ren wur­de, war in Leip­zig, in Paris, in Bre­men und Bres­lau tätig, traf die größ­ten Musi­ker sei­ner Zeit wie Hec­tor Ber­li­oz, Felix Men­dels­sohn Bar­thol­dy oder Robert Schu­mann. Rei­ne­cke stell­te sich bewusst in ihre Tra­di­ti­on: „Ich wür­de mich nicht weh­ren, wenn man mich einen Epi­go­nen nennt“, sag­te er ein­mal.
Gemein­sam mit dem Radio-Sin­fo­nie­or­ches­­­ter Stutt­gart unter Alex­an­der Lieb­reich inter­pre­tiert Ruh­land sei­ne Musik, die sie als „hoch­ro­man­tisch“ und „zu Her­zen gehend“ beschreibt, mit unge­still­ter Sehn­sucht, mit dunk­ler Freu­de am Abgrund und gleich­sam licht­durch­flu­tet. „Die beschei­de­ne, fein­sin­ni­ge Per­sön­lich­keit des Kom­po­nis­ten drückt sich beson­ders in sei­nen tief­grün­di­gen und vir­tuo­sen Wer­ken für die fili­gra­ne Quer­flö­te aus“, fin­det Rei­ne­cke. Und so hört sich ihre Inter­pre­ta­ti­on auch an: wie eine lei­den­schaft­li­che Lie­bes­er­klä­rung und das vor­sich­ti­ge, aber bestimm­te Betre­ten eines ver­lo­re­nen Ortes der ­Mu­­sikgeschichte, der in Zu­­kunft auch durch die­se Auf­nah­me si­­cherlich wie­der öf­­ter besucht wer­den wird.

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