Teodor Currentzis dirigiert sein Orchester MusicAeterna bei Beethovens Siebter Sinfonie. 

Wie die Eroica und die Fünfte verleitet vor allem auch Beethovens Siebte immer wieder dazu, bezüglich der revolutionären Aggression alles bisher Dagewesene übertreffen zu wollen – sozusagen Furtwängler, Toscanini und Carlos Kleiber an Testosteron zu überbieten. So auch hier. Dabei ist die Suche nach struktureller Intelligenz marginalisiert. Die Artikulation im Allegretto setzt zu pauschal auf die schweren Zeiten, und das Fugato wäre ohne vorherige Beschleunigung kraftvoller. Im Scherzo wird von vornherein so draufgehauen, dass dort, wo Beethoven zusätzliche Kraft fordert, keine Reserve mehr verfügbar ist. 

Teodor Currentzis
Erfreut im Finale: Teodor Currentzis
(Foto: © Julia Wesely)

Im Finale erfreut, dass Currentzis zwischendurch zugunsten der Transparenz der imitierenden Einsätze das pauschale Fortissimo zurücknimmt, doch wieder steht in der Durchführung keine zusätzliche Kraft für die Aufgipfelung des Höhepunkts zu Verfügung, da schon zuvor alles entäußert wurde. Im Kopfsatz, der rhythmisch herausforderndsten Angelegenheit, wird um die ternäre metrische Struktur gerungen, wobei Meister wie Rosbaud, Celibidache oder später auch Jansons unerreicht bleiben. Und auch hier kann der Höhepunkt nicht jene zusätzliche Kraft entfalten, die dem Ganzen bezwingenden dynamischen Zusammenhang verleihen würde.

Ludwig van Beethoven: „Symphony No. 7”, MusicAeterna, Teodor Currentzis (Sony)