The Power of the Arts fördert Kulturprojekte, die sich für eine offene Gesellschaft einsetzen. Zehn Projekte werden 2020 prämiert. 

Die Gewinner des Kulturförderpreises The Power of the Arts 2020 stehen fest. Aus 130 Einreichungen wählte die Jury zehn Projekte aus. Ausgezeichnet wurden Kulturprojekte, die einen Beitrag zur Integration, Inklusion und Diversität leisten.

Die Preisträgerprojekte

Ein Raum der Stille

Die Spiegelarche
Zwei übereinandergestapelte Container mitten auf einem Feld in Thüringen bilden die SPIEGELARCHE

Die SPIEGELARCHE im thüringischen Rastenberg-Roldisleben steht in einem Raum der Stille mitten auf dem Feld. Den Raum bilden zwei übereinandergestapelte Container, die außen verspiegelt wurden. Fünf Jahre lang steht sie Menschen für Kunstausstellungen und Installationen, interaktive soziale Projekte, Vorträge, Lesungen, Workshops und Konzerte zur Verfügung. Der Künstler Fabian Knecht bespielt die SPIEGELARCHE 2021 als erster. Sein Wunsch ist es, Besuchern einen neuen Blick auf die Umgebung und sich selbst zu erschließen.

Weitere Informationen zur SPIEGELARCHE unter: www.spiegelarche.de

Räume der Begegnung und Inspiration

Baynatna in Berlin
Leihbibliothek und Salon: Baynatna in Berlin
(Foto: Stephan Röhl)

Baynatna & FANN ist Projekt von Baynatna mit dem digitalen Kunst- und Kulturmagazin FANN. Baynatna in Berlin versteht sich als Leihbibliothek und Salon. Verliehen wird arabischsprachige, deutsche und englischsprachige Literatur. Mit FANN will sie Räume der Begegnung, der Kommunikation und der Inspiration für Künstler, Kulturschaffende und Wissenschaftler schaffen.

Weitere Informationen zu Baynatna unter: baynatna.de

Die eigene Geschichte erzählen

Soura Film Festival
Eine Plattform für Filmemacher vieler sexueller Orientierungen aus dem Nahen Osten und Nordafrika: das Soura Film Festival

Das Soura Film Festival in Berlin bietet lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen und intersexuellen Filmemachern aus dem Nahen Osten und Nordafrika, die Verfolgung oder Zensur erleben, eine Plattform. Auf dem Festival erhalten sie die Möglichkeit, ihre Geschichten zu erzählen.

Weitere Informationen zum Soura Film Fest unter: sourafilmfest.com

Die Vielfalt an Sexualität

Thikwa Werkstatt für Theater und Kunst
44 Künstler mit Behinderungen arbeiten in THIKWA, der Werkstatt für Theater und Kunst in Berlin

Das Projekt Sexability ist ein inklusives Film- & Aufklärungsprojekt der THIKWA WERKSTATT FÜR THEATER UND KUNST. 1995 als Modellversuch für geistige behinderte Menschen entstanden, ist THIKWA heute ein Kompetenzzentrum für Kunst, in dem 44 Künstler kontinuierlich und in Vollzeit mit arbeiten. Das Projekt Sexability befasst sich mit der Vielfalt an Sexualität aus der Sicht von Künstlern mit Behinderungen befasst. In einem künstlerischen Schaffensprozess von Menschen mit und ohne Behinderungen entsteht ein Animationsfilm, der auf sensible Art und Weise informiert, aufklärt und gesellschaftliche Tabus aufbricht.

Weitere Informationen zu THIKWA WERKSTATT FÜR THEATER UND KUNST unter: thikwawerkstatt.com

Barrierefreies Musizieren

Musiklusion
Ermöglicht Menschen mit Behinderung Teilhabe am Musizieren: Musiklusion

Mit Musiklusion – Digitale Partizipation entwickeln Menschen mit und ohne Behinderung in Tuttlingen kollaborative Musikvideos. 2015 auf Initiative des Musikers Andreas Brand an der Lebenshilfe Tuttlingen ins Leben gerufen, ermöglicht das Projekt mit Hilfe digitaler Medien einen barrierefreien Zugang zum aktiven Musizieren. 

Weitere Informationen zum Prokjekt Musiklusion unter: www.musiklusion.de

Inklusive Wege für die darstellenden Künste

Un-Label in Köln
Lotet die die künstlerischen Möglichkeiten von inklusiven Bühnenarbeiten aus: Un-Label

Das Programm Access Maker der Performing Arts Company Un-Label aus Köln stößt einen Qualifizierungsprozess an. Mit Hilfe von künstlerischen Workshops und Beratung durch Kulturschaffende mit und ohne Behinderung und vielfältigen kulturellen Hintergründen will es mehr Vielfalt in die Kulturinstitutionen bringen. Mehr als 100 Künstler mit und ohne Behinderung aus 13 europäischen Ländern loten die künstlerischen Möglichkeiten von inklusiven, spartenübergreifenden Bühnenarbeiten aus.

Weitere Informationen zu Un-Label unter: un-label.eu

Eine authentische Oper

Stuttgarter Kammerorchester
Jugendliche Straftäter bringen ihre Geschichten mit dem Stuttgarter Kammerorchester als Oper auf die Bühne.

Himmel über Adelsheim // eine Knastoper“ ist ein Projekt des Stuttgarter Kammerorchesters, der Dirigentin Anna-Sophie Brüning und dem Rapper Afrob Die Musiker erarbeiten mit jugendlichen Häftlingen der JVA Adelsheim ein Musiktheater. In ihren Texten erzählen die jugendlichen Gefangenen in poetischkraftvollen Versen Geschichten um die Themen Familie, Ehre, Liebe, Verbrechen, Enttäuschung, Diskriminierung, Gewalterfahrung und Freundschaft.

Weitere Informationen zum Projekt Himmel über Aldesheim unter: stuttgarter-kammerorchester.com

Weitere ausgezeichnete Projekte, die sich noch in Planung befinden:

MeetKinoMobil in Berlin soll jungen Frauen mit Flucht- und Migrationsbiografie über Kino und Filmworkshops in Gemeinschaftsunterkünften den Zugang zu Kunst und Kultur über das Medium Film öffnen.

Bei dem Projekt Nach:Denkmal in Hannover wollen zehn Künstler mit Migrations- und Fluchthintergrund mit Gegendenkmälern zu einem neuen Umgang mit Erinnerungskultur anregen.

Das zehnte Preisträgerprojekt wird zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben.

Die Jury des Preises

Um die von der Corona-Pandemie besonders betroffene Kulturszene zu unterstützen, hat The Power of the Arts in diesem Jahr insgesamt zehn Projekte prämiert statt wie bisher vier. Eine feierliche Preisverleihung findet aus Rücksicht auf den Infektionsschutz nicht statt.

The Power of the Arts ist eine Initiative der Philip Morris GmbH in Zusammenarbeit mit der International Giving Foundation des Deutschen Stiftungszentrums im Stifterverband, Netzwerk Junge Ohren e.V. und BOROS. Der Preis wird jährlich vergeben. Die Fördersumme beträgt 200 000 Euro. Bewerben können sich gemeinnützige Institutionen und Initiativen in Deutschland, die sich mit Hilfe der Kultur für soziale und kulturelle Gleichberechtigung aller Menschen und deren Verständigung einsetzen sowie strukturelle, soziale und kulturelle Barrieren abbauen.

Die Jury (Titelfoto des Beitrags), die die jährlichen Gewinner auswählt, besteht u.a. aus dem Leiter Kultur der Konrad-Adenauer-Stiftung Hans-Jörg Clement, dem Rapper Samy Deluxe, der Ballettdirektorin am Friedrichstadt-Palast in Berlin Alexandra Georgieva, der Publizistin und Aktivistin Kübra Gümüşay, der Autorin Lamya Kaddor, der Politikerin und Unternehmerin Diana Kinnert sowie der Schauspielerin, Autorin und Regisseurin Maryam Zaree.

Weitere Informationen zu dem Förderpreis The Power of the Arts unter: www.thepowerofthearts.de 

Foto Titelbild: The Power of the Arts

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Ruth Renée Reif
Das „flüchtige Ereignis“ in crescendo anzukündigen, ist die Aufgabe von Ruth Renée Reif: Als Erleben-Redakteurin spürt sie mit detektivischem Eifer packende, hören- und sehenswerte Veranstaltungen für uns auf. Ruth Renée Reif studierte in Wien Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und ist seit ihrer Promotion 1987 in München als freie Journalistin und Publizistin tätig. Zu ihren Veröffentlichungen zählen eine Biografie über die Sängerin Karan Armstrong, ein historisches Porträt der Stuttgarter Philharmoniker sowie zahlreiche Gespräche mit Musikern, Schriftstellern und Philosophen.