Als junger Student der Volkswirtschaft hörte Wassily Kandinsky in Moskau Wagners Lohengrin. „Ich konnte alle meine Farben sehen“, beschrieb er den Eindruck. „Es wurde mir bewusst, dass Malerei die gleiche Macht wie Musik besitzt.“ So war das Theater für ihn die höchste ästhetische Kunst, die idealerweise die bildenden Künste, Musik, Tanz und Dichtung vereinte. Zwischen 1908 und 1914 schrieb er fünf Bühnenkompositionen, Grüner Klang, Schwarz und Weiß, Schwarze Figur, Gelber Klang sowie die Farboper Violett, von der 1927 ein Abschnitt in der Zeitschrift Bauhaus erschien. Assoziativ verband er darin Bilderfolgen, wobei er das Wort stellenweise als reinen Klangwert zum Einsatz brachte. Die Elemente Farbe und Form, Text, Raum und Klang sowie Bewegung sollten gleichwertig zusammenwirken. Wie er sich das vorstellte, erläuterte er zehn Jahre später in dem Aufsatz Über die abstrakte Bühnensynthese.

Schreibt Musik zu Wassily Kandinskys 
Farboper „Violett“: Ali N. Askin
(© Florian Liedel).

Im Rahmen des Festivals Bühne TOTAL der Stiftung Bauhaus Dessau setzt die Regisseurin und Choreografin Arila Siegert das Werk mit Kerstin Schweer und Jörg Thieme szenisch um. Für die Musik von Ali N. Askin, die dabei zur Uraufführung gelangt, steht Sebastian Kennerknecht am Pult. 

Weitere Aufführung gibt es am 14. und 15. September 2019 sowie am 19., 20. und 21. Juni 2020.

Informationen: www.anhaltisches-theater.de  

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Ruth Renée Reif
Das „flüchtige Ereignis“ in crescendo anzukündigen, ist die Aufgabe von Ruth Renée Reif: Als Erleben-Redakteurin spürt sie mit detektivischem Eifer packende, hören- und sehenswerte Veranstaltungen für uns auf. Ruth Renée Reif studierte in Wien Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und ist seit ihrer Promotion 1987 in München als freie Journalistin und Publizistin tätig. Zu ihren Veröffentlichungen zählen eine Biografie über die Sängerin Karan Armstrong, ein historisches Porträt der Stuttgarter Philharmoniker sowie zahlreiche Gespräche mit Musikern, Schriftstellern und Philosophen.

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