Als Georg Friedrich Händel 1707 nach Rom kam, waren Opernaufführungen verboten. Nach einem Erdbeben hatte der Papst sie für überflüssigen Luxus erklärt. Doch weltliche Kantaten, kurze dramatische Szenen in kleiner Besetzung waren davon nicht betroffen. Also komponierte Händel kurzerhand in dieser Form. Seine Kantaten handeln von den ganz großen Gefühlen: Liebe in allen tragischen, dramatischen und glücklichen Facetten. Drei wunderbare Künstlerinnen haben sich in diese Werke vertieft: die Sängerinnen Sabine Devieilhe und Lea Desandre und die Cembalistin und Dirigentin Emmanuelle Haïm mit ihrem Barockensemble Le Concert d’Astrée. Gemeinsam ist ihnen eine Einspielung gelungen, die den Hörer sofort in den Bann der über 300 Jahre alten Musik zieht. Desandre zeigt besonders in der tragischen Rolle der Lucrezia, eine faszinierende Kraft und Flexibilität ihrer Stimme. Devieilhe, als die von ihrem Geliebten Rinaldo verlassene Zauberin Armida, ist ausdrucksstark suchend, sehnend. 

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Direkt nach ihrem Abi wirbelte Sina Kleinedler bereits als Praktikantin durch die crescendo-Redaktion. Ein Musikjournalismus- und Cellostudium in Dortmund und Hannover schlossen an. Heute gibt sie unter anderem regelmäßig Konzerteinführungen in der Philharmonie Köln. „In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst“ (Augustinus Aurelius), lautet ihre Devise.