Im Schat­ten des Sän­gers – das scheint das Schick­sal des Lied­be­glei­ters zu sein. „Bin ich zu laut?“, schmun­zel­te Gerald Moo­re, der lang­jäh­ri­ge Beglei­ter von Diet­rich Fischer-Dies­kau in sei­ner Bio­gra­fie, sekun­diert von Roger Vign­o­les’ Lied The Batt­le Hymn of the Accom­pa­nist (auf You­Tube zu sehen). Auch der legen­dä­re Her­mann Prey, mit dem Hel­muth Deutschs Kar­rie­re in den 1980er-Jah­ren begann, ver­stand sich als „Chef“, um ihm dann zu sagen: „Das klingt so däm­lich; mach doch was draus!“ Und Deutsch „mach­te“, erfass­te, wie ein Radar, jede Nuan­ce des Sän­gers, jede Emp­fin­dung und Bewe­gung, um ihn mit „sei­ner“ Stim­me wahr­haf­tig zu ergän­zen, im Wis­sen, dass die Gleich­be­rech­ti­gung zwi­schen Sän­ger und Beglei­ter kei­ne poli­tisch gesell­schaft­li­che, son­dern eine rein musi­ka­li­sche Fra­ge ist. Amü­sant lesen sich Deutschs ‚poli­tisch unkor­rek­te‘ Bemer­kung, er ken­ne kei­nen, der zeit­ge­nös­si­sche Musik ger­ne sin­ge, und kaum jeman­den, der sie mag, und ande­re Wahr­hei­ten.  

Hel­mut Deutsch: „Gesang auf Hän­den tra­gen. Mein Leben als Lied­be­glei­ter“ (Hen­schel)

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Teresa Pieschacón Raphael
„Bis zum Lorbeer versteig' ich mich nicht. G'fallen sollen meine Sachen!“ (J. N. Nestroy) findet Teresa Pieschacón Raphael. Sie hält es mit J. Pulitzers Devise: „Schreibe kurz – und sie werden es lesen. Schreibe klar – und sie werden es verstehen. Schreibe bildhaft – und sie werden es im Gedächtnis behalten.“ In Bogotá wuchs sie auf, in Tübingen und Wien studierte die Enkelin des Komponisten Günter Raphael (1903–1960) Musikwissenschaft und Philosophie und verfiel dem Journalismus. Sie lebt heute als freie Musik- und Kulturpublizistin in München. Ihre Reportagen, Interviews und Konzertprogrammhefte erscheinen in unterschiedlichsten Medien: vom ARTE Magazin bis zur Vogue, von Brigitte bis zur Wirtschaftswoche, vom Dortmunder Konzerthaus bis zu den Salzburger Festspielen… und seit über zehn Jahren bei crescendo.

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