Walter Felsenstein würzte Jacques Offenbachs „Barbe-Bleue“ mit satirischer Schärfe. 

Er ist eine Musiktheaterlegende: Der 1901 in Wien geborene Walter Felsenstein gründete 1947 die Komische Oper Berlin und war bis zu seinem Tod 1975 deren Intendant und Chefregisseur. In üblicherweise eigenen Übersetzungen und mit seinem speziellen Inszenierungsstil gelang es ihm dort, mit einem Stammensemble und gelegentlichen Gästen einen aufregend neuen, von den Ansprüchen und Möglichkeiten des Sprechtheaters mitbestimmten Begriff von Oper zu etablieren. 

Walter Felsenstein
Gründer der Komischen Oper Berlin: der Regisseur Walter Felsenstein

Einer der Dauerbrenner im Repertoire war Offenbachs Barbe-Bleue, der ab 1963 fast 30 Jahre lang an der Komischen zu erleben war: 1973 hat Felsenstein seine Inszenierung mit Hanns Nocker und Anny Schlemm für einen DEFA-Film adaptiert, der nun in glänzender Restaurierung vorliegt. Für Stimmfetischisten und Opéra-bouffe-Stilwächter mag das Ergebnis heute weniger geeignet sein, aber jedes Wort ist verständlich und mit jener satirischen Karl-Kraus-Schärfe getränkt, die seinerzeit auch das DDR-Publikum durch das historische Setting hindurch voll auf seine aktuellen Kosten kommen ließ. An Felsensteins hier behutsam-humorvollen Dekonstruktionen haben sich Generationen von Regietheater-Nachfolgern mit teils deutlich weniger Geschick und Geschmack bedient: „Mensch, is’ ja ulkig!“

Jacques Offenbach: „Barbe-Bleue“, Walter Felsenstein (Arthaus)

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