Das Werk Ludwig Beethovens auf 118 CDs, drei Blu-ray-Audio-CDs und zwei DVDs mit neun Booklets und umfangreichem Begleitbuch

Das Werk Ludwig Beethovens auf 118 CDs, drei Blu-ray-Audio-CDs und zwei DVDs mit neun Booklets und umfangreichem Begleitbuch

Einen ganzen Winter lang kann man sich mit den 123 Silber-Scheiben der Gesamtausgabe der Beethoven’schen Werke aus dem Hause Universal – und damit den Schätzen der Archive von Decca, Deutsche Grammophon und Philips aus den Jahren 1913 bis 2019 – beschäftigen und sich vergnügen, sie vergleichen, abwägen und werten. Allein drei Blu-ray-Audio-CDs enthalten, aufgenommen in den 1960er-Jahren, alle 32 Klaviersonaten (Wilhelm Kempff), die neun Sinfonien (Herbert von Karajan) und die 16 Streichquartette (Amadeus-Quartett).

Vertreten mit Aufnahmen von Beethovens Streichquartetten: das Takács Quartet
(Foto: © Amanda Tipton)

Dann sind da 118 CDs, auf denen jedes Opus mindestens einmal vertreten ist: Der Kenner fängt vielleicht mit Klavier-Raritäten an, als da sind jede Menge kaum bekannter, manchmal höchst kunstvoller, manchmal einfach herrlich launig-lustiger Variationszyklen, Bagatellen, frühe Sonatinen, Sonaten-Fragmente und Einzelstücke, darunter eine zweite Fassung (1822) von Für Elise (1810), oder auch Kontrapunktstudien des 24-jährigen Beethoven für seinen Lehrer Albrechtsberger, gespielt auf Fortepiano oder als Streichquartett. Es fehlen nur ein paar klitzekleine Klavier-Fragmente und rekonstruierte Skizzen. Erfasst in den Werkverzeichnissen von Willy Hess („Hess“) oder Giovanni Biamonti („Bia.“), sind sie freilich durchaus von musikwissenschaftlichem Interesse. Die Streichquartette sind gedrittelt: Emerson (1994/95), Takács (2003/4) und Hagen (1997–2004).

Zeigt seine pianistische Handschrift bei Beethovens Klaviersonaten: Maurizio Pollini
(Foto: © York Christoph Riccius/DG)

Hört man die Klaviersonaten chronologisch, erlebt man die unterschiedlichsten Pianisten-Handschriften, etwa die von Alfred Brendel, Emil Gilels, Claudio Arrau oder Mauricio Pollini. Warum wer grade mit welcher Sonate vertreten ist, erschließt sich nicht immer, aber da werden sich die Verantwortlichen der Plattenfirma und des Beethoven-Hauses Bonn schon was dabei gedacht haben. Von dort stammen auch zahlreiche der farbigen Abbildungen in einem großen, reich illustrierten Begleitbuch – neben den Booklets mit Einführungs- (und Gesangs-)Texten zu den einzelnen Werkgruppen. In einem Register am Ende des Buchs kann man über Gattung und Opus-Zahlen jedes noch so unbekannte Werk und die CD, auf der es enthalten ist, auffinden.

Hervorragende SängerInnen wie Dame Felicity Lott widmen sich Beethovens Volksliedbearbeitungen.  
(Foto: © Trevor Leighton)

Vielleicht hat man aber erst einmal Lust auf Vokalmusik – etwa auf die als Auftragswerke entstandenen, aber wunderbaren Bearbeitungen schottischer, walisischer oder irischer Volkslieder für Stimme und Klaviertrio! Da geben sich so hervorragende Sänger wie Felicity Lott, Catrin Wyn-Davies, Ann Murray, John Mark Ainsley, Christopher Maltman oder Thomas Allen die Klinke in die Hand. Oder man schaut, wie oft sich eine Lieblings-Symphonie findet, etwa die Fünfte: sechsmal! Mit Carlo Maria Giulini (1981) im Zyklus auf modernen Instrumenten, unter Carlos Kleiber im Zyklus mit den Wiener Philharmonikern (1974) oder mit seinem Vater Erich aus dem Jahr 1953, unter Gardiner live 1994 auf „Period Instruments“ (wie auch alle anderen Sinfonien) sowie mit den Berlinern unter Furtwängler (live 1943) und natürlich auf Blu-ray-Audio unter Karajan von 1962.

Solistin in Beethovens Violinkonzert: Anne-Sophie Mutter
(Foto: © Harald Hoffmann/DG)

Manches macht Lust auf mehr, etwa die rasanten, elektrisierenden Sinfonien eins, zwei und acht sowie diverse Ouvertüren unter Riccardo Chailly. Auch das Violinkonzert ist mehrfach vertreten – mit Wolfgang Schneiderhan, Vadim Repin, Anne-Sophie Mutter und Thomas Zehetmair.

Claudio Abbado leitet die Einspielung von Leonore mit Nina Stemme und Jonas Kaufmann
(Foto: © Cordula Groth)

Beethovens einzige Oper Fidelio von 1814 gibt es dreimal: als Urfassung der Leonore (1805) unter Gardiner von 1996, unter Claudio Abbado mit Jonas Kaufmann und Nina Stemme (2010), sowie als DVD von 1978 in der Regie von Otto Schenk aus der Wiener Staatsoper unter Leonard Bernstein mit Gundula Janowitz, René Kollo, Lucia Popp und Hans Sotin.

Jeder kennt die Musik zu Goethes Egmont, aber von der zu Die Ruinen von Athen, König Stephan oder Die Weihe des Hauses verirrt sich allenfalls die jeweilige Ouvertüre in ein Konzertprogramm. Hier kann man jede einzelne „Nummer“ hören. Die letzten 17 CDs bieten „legendäre Aufnahmen“ verschiedener Gattungen aus allen Epochen und solche auf Instrumenten der Zeit Beethovens, die ältesten exzellent digital restauriert.

Beethoven: „The New Complete Edition“
(Deutsche Grammophon / Universal)
www.amazon.de

Weitere Werkausgaben von Beethovens Musik: crescendo.de, crescendo.de, crescendo.de

 

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