Michelle Ryan, Stella An, Chor, Statisterie in "Babylon", Hessisches Staatstheater Wiesbaden 2022

News | 01.05.2022

Widmann-Oper „Babylon“ großer Wurf in Wies­baden

von Redaktion Nachrichten

1. Mai 2022

Stehende Ovationen erntete das Staats­theater Wies­baden am Sonn­tag­abend bei der Eröff­nung der Inter­na­tio­nalen Maifest­spiele. Sie galten in erster Linie Regis­seurin und Bühnen­bild­nerin Daniela Kerck, die im Verein mit der bild­starken Video­künst­lerin Astrid Steiner für die Oper „Babylon“ von äqui­va­lente Kunst­welten erschuf.

"Babylon"

„Babylon“

Woran in der Berliner Fassung 2019 und keine gerin­geren als La Fura dels Baus bei der Urauf­füh­rung 2012 in München auf höchstem Niveau schei­terten, war die klare Sicht aus zeit­ge­nös­si­scher Perspek­tive auf den Mythos des antiken Stoffes 570 Jahre vor Christus. Die beiden Künst­le­rinnen verlegten die drei­stün­dige Mammut­oper in den Transit-Bereich eines modernen Flug­ha­fens, der von spek­ta­kulär herein­bre­chenden Sint­flut-Wellen unter sich begraben wird.

Großen Jubel erntete auch das bestens dispo­nierte, größ­ten­teils haus­ei­gene, ausufernde Perso­nal­ta­bleau der Oper. Unter der Leitung von Albert Horne wurden ein Teil der 75 Musiker im Orches­ter­graben als Fern­or­chester im Neben­raum und zusätz­lich Harfen, Trom­peten und Percus­sion auf die Seiten­logen ausge­la­gert. Zusätz­lich zum Wies­ba­dener Opern-Chor sangen 22 Gast-Chor­so­listen, dazu sieben Septette, sieben Tänze­rinnen und zehn Solisten.

Otto Katz­ameier mit schwarz geflü­geltem Arm machte seine Rolle als „Schwester Tod“ zum spek­ta­kulär humor­vollen Ereignis, während Sarah Trau­bels Inanna mit über­wäl­ti­gender Sopran­wärme bestach und sich Andrea Bakers mahnender Euphrat-Gesang unaus­lösch­lich ins Gedächtnis brannte.

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Fotos: Karl und Monika Forster