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Szene aus Eugen Onegin

Sie feiern die Oper und sich selbst. Sie verehren Stimm-Göttinnen und Regie-Ikonen. Kaum eine andere Gruppe ist so meinungsbildend wie die der homosexuellen Musikfans. Warum ist das so? Unser Autor kennt sich in der Szene aus und versucht sich an einer Erklärung. 

Ein Thema der Opernwelt erhitzt die Gemüter offenbar mehr als jedes andere – und das, obwohl es, offen gesagt, eigentlich keines ist: Sind Schwule die besseren Opernkenner? Wenn man diese Frage im Freundeskreis anschneidet, fliegen einem aus aufgeregten Geistern diversester Lager die kuriosesten Argumente entgegen: „Heten gehen doch auch in die Oper!“ oder „Jaja, Schwule sind ohnehin die besseren Menschen!“ Dramaturgenfreunde wiederum begeben sich sofort in tiefere Ebenen der Interpretation und finden sofort einen direkten Zusammenhang zwischen dem Klischee einer Operndiva und einem der gleichgeschlechtlichen Liebe zugewandten Lebensstil. Bücher befassen sich umfassend mit dem Thema. Die Netzwerke schwuler Intendanten und Regisseure sind nicht nur in Fachkreisen bekannt. Unsere Freunde des Internetportals „Festspielforum“ haben der Frage sogar einen ganzen Thread gewidmet: Sind Schwule die besseren Opernkenner?

Obwohl das Thema immer wieder diskutiert wird, führt das kaum zu grundlegenden Analysen oder Reflexionen – es bleibt ein Mysterium. Auch, wenn einige Marketingstrategen von Plattenfirmen behaupten, dass ein Großteil des Erfolgs einer CD bereits dadurch entschieden wird, ob sie von schwulen Hörern angenommen wird oder nicht – nirgends ist die Mund-zu-Mund-Propaganda effektiver als in dieser Szene – wäre es mehr als anmaßend und völlig unsinnig zu behaupten, dass eine sexuelle Neigung an sich einen Menschen zu einem besseren Opernkenner mache und wir im Stande wären, unsere Theater in Deutschland allein mit gleichgeschlechtlich liebenden Menschen zu füllen. Davon sind wir weit entfernt – auch wenn diese Vorstellung dem einen oder anderen geneigten Leser wahrscheinlich sehnsüchtige Freudentränen in die Augen schießen lässt. Wir wollen da aber lieber mal hübsch realistisch bleiben. Den unangefochtenen Großteil der Operngänger macht immernoch ein heterosexuelles Publikum aus. Und das ist auch gut so.

Auffällig ist allerdings, und hier beginnt das auf den ersten Blick belanglose Thema durchaus interessant zu werden, dass die schwulen Operngänger offenbar aus der Masse der anonymen „Normalliebenden“ herausstechen. Offenbar sind es gerade die Begleiterscheinungen dieses scheinbar unnahbaren Themenkomplexes, die faszinieren. Da wir über Schwule in der Oper reden und nachdenken, scheinen sie auch auf irgendeine Weise präsenter zu sein als die übrigen Operngänger. Und das sind sie. Viele von ihnen haben eine andere Ausstrahlung – und ich rede selbstverständlich nicht von denjenigen, die in voller Ledermontur oder ähnlicher einem Fetisch untergeordneter Komplettausstattung in die Oper gehen. Vielleicht ist es eher so, dass Schwule eine andere Ausstrahlung haben, weil sie Oper anders wahrnehmen, sich mit dieser und ihren Protagonisten auf andere, intensivere Weise identifizieren und ihre Sehnsüchte und Emotionen hier ausleben können beziehungsweise diese auf der Bühne vorgelebt bekommen. Wird das reale, homosexuelle Leben – vor allem in Städten wie Berlin, Hamburg oder Köln – weitgehend von Kontakten über Internetforen, schnellem und vor allen Dingen möglichst anonymem Sex und flüchtigen Bekanntschaften bestimmt, finden sich in der Oper die Themen, nach denen sich Schwule mehr als alle andere Teilnehmer unseres täglichen gesellschaftlichen Zusammenlebens sehnen: Gefühle, ausgelebte Emotionen, wahre Liebe. Liebesleid, Herzschmerz und echte Verbundenheit bis in den Tod manifestieren sich in der Sehnsucht nach einem perfekten Opernabend. Entsprechend kritisch und harsch gehen Schwule mit dem Erlebten in ihrem nicht selten gefürchteten Urteil um – gefürchtet vor allen Dingen deswegen, weil es nicht selten auf einem fundamentalen Wissen und Erfahrungsschatz beruht.

Viele Schwule erleben übrigens bereits zu Schulzeiten, dass sie irgendwie anders sind, sich in anderen Denkstrukturen als ihr Umfeld bewegen. Die Bereitschaft auch in der musikalischen Ausrichtung keine Rücksichten auf gängige, gruppenkompatible Musikstile zu nehmen und somit die eigene Musikrezeption künstlich einzuschränken, nur um „cool“ zu sein, ist oftmals bereits bei Jugendlichen, die sich ihrer Neigung zum eigenen Geschlecht bewusst werden, recht groß. Auch wenn sie klassische Musik nicht unbedingt in Anwesenheit von Freunden zum Non-Plus-Ultra erklären, finden sich doch gerade auch in der klassischen Musikgeschichte immer wieder Idole, an denen ein „ordentlicher Schwuler“ während des Coming Outs nicht vorbeikommt. Die Rede ist natürlich von Tschaikowsky, Callas und Co., Ikonen, die ihr eigenes Leben in die Kunst verlegten und so unangreifbar wurden. So geprägt fürs Leben, tauchen sie zumeist früher als andere ein, in die Welt der Oper und ihre facettenreichen Emotionen und sammeln sich somit einen Erfahrungsschatz an, der weitaus früher zu Erstkontakten mit Wagner, Strauss und ähnlich schwergewichtigen Opernkomponisten führt.

Warum gibt es aber nun Werke, die eine ganz besondere Anziehungskraft auf ein schwules Klientel zu haben scheinen? Was ist so besonders homoerotisch an „Tristan und Isolde“ oder an Brittens „Billy Budd“? Und ich rede jetzt nicht von der Inszenierung Peter Mussbachs mit dem verklärten Traumbild fescher Matrosenchöre und einem halbnackten, hervorragend gebauten Nathan Gunn in der Hauptrolle. Diese spricht ja wohl für sich und setzt offensichtlich gezielt auf ganz bestimmte Schlüsselreize. Müssten Schwule dieses Werk, in dem ein erwachsener Mann des Missbrauchs eines kleinen Jungen und somit auch des als krankhaft und unnatürlich angesehenen Hangs zur Homosexualität beschuldigt wird, nicht aus Protest meiden, anstatt es als Symbol für schwule Klischee-Ästhetiken in der Opernwelt anzuerkennen? Reicht ein vermeintlich besonders ausgeprägtes Verhältnis zwischen König Marke und Tristan, um die größte aller Liebesgeschichten – nämlich die von Tristan und Isolde – soweit in Frage zu stellen, dass sie zu einer besonderen Affinität in bestimmten Kreisen unserer Gesellschaft führt? Oder ist es gar nicht der vermeintlich homoerotische Bezug, sondern die unhaltbare Sehnsucht einer nach Emotion dürstenden Gesellschaft, die – egal ob hetero‑, bi‑, homosexuell oder irgendwo dazwischen – nach einer Nische sucht, in der sie die in der Realität nur selten oder gar nicht erfahrbare Gefühlswelt auf ganz andere, durch die wunderbare Musik Richard Wagners besonders intensive Weise unbeschwert miterleben und erfahren kann? Das alles ist denkbar, basiert allerdings allein auf Mutmaßungen, die für jeden völlig unabhängig von seiner sexuellen Orientierung zutreffen können – oder eben nicht. Fest zu stehen scheint allerdings, dass sich der Schwule an sich aufgrund seiner Sozialisation früher und viel bewusster der Tatsache sicher ist, dass Oper genau diese Leerstelle einer an Schnelllebigkeit und Anonymität orientierten Gesellschaft auf ganz eigene Art zu füllen in der Lage ist.

Einmal ganz abgesehen davon, dass das schwule Publikum somit auch einen erheblichen Beitrag dazu leistet, dass der Altersdurchschnitt des Publikums an den Opernhäusern der Metropolen die 80 mitunter sogar unterschreitet, nutzen Schwule die Oper ganz gezielt und ohne viel Aufsehen darum zu machen nicht nur als Unterhaltungsmedium, sondern in den Pausen sowie vor und nach der Vorstellung ganz bewusst als Kontaktbörse. In der Natur der Sache liegend und im eigenen Selbstverständnis viel stärker verankert, ist die Flirtbereitschaft bei Zuschauern mit homosexuellen Neigungen auch bei Opernaufführungen deutlich höher als beim übrigen Publikum, das nicht selten einen Opernabend dazu verwendet, mit dem Partner einen romantischen Abend in trauter Zweisamkeit zu verbringen. Nicht ganz ohne Grund veranstaltet die Metropolitan Opera ganze Abende als Kontaktbörse für Schwule und Lesben. Hier treffen sich Gleichgesinnte mit denselben Interessen auf relativ neutralem Terrain. Der Opernabend gibt ausreichend Gesprächsstoff vor, um in den Pausen ungezwungen in Kontakt zu kommen. Eine seltene Gelegenheit, die kaum ein anderer Ort einer Metropole auf diese Weise bietet.

All diese Betrachtungen verdichten sich zu einem komplexen Themenfeld, das die belanglose Frage zu Beginn des Textes auf eine andere Ebene hebt. Doch wozu eigentlich? Macht eine solche Debatte überhaupt Sinn? Fest steht, dass die vorangegangenen Ausführungen Schwule weder zu besseren Opernkennern, geschweige denn zu besseren Menschen machen. Sie machen sie aber während des hundertsten Besuchs unseres immergleichen Opernrepertoires zu einem interessanten und überaus sympathischen Forschungsobjekt für jedermann und somit vielleicht zu einer kleinen, aber feinen Nuance im doch so steten Opernbetrieb. Das Thema wird auch in zehn Jahren noch genügend Gesprächs- und auch Zündstoff bieten, um weiter nach der einzig gültigen Antwort zu suchen auf die immerwährende Frage, ob Schwule die besseren Opernkenner seien.

[box title=„Schwule Komponisten – Legenden“]

Peter Tschaikowsky hat zeitlebens gegen seine Homosexualität angekämpft. Das Ringen mit seiner Lust ist auch in seinen Opern zu hören: „Der Spieler“, „Pique Dame“ oder „Eugen Onegin“ zeigen Männer, die unfähig zur Liebe sind – nicht selten werden sie als homoerotische Phantasien auf die Bühne gebracht.

Offen mit seiner Liebe zu Männern ist der Komponist Benjamin Britten umgegangen – er lebte mit dem Sänger Peter Pears und zeichnet in seinen Opern oft ein harsches, ungemütliches Bild von der arbeitenden Bevölkerung, Menschen, die mit ihrem Sein ringen.

Hans Werner Henze hat schon zu Zeiten des Nationalsozialismus seine Homosexualität erkannt – und sie danach auch mit Freund Fausto gelebt. Als Musikästhet hat er lange sehr politische Opern geschrieben, in seinen jüngsten Werken wie „L‘Upupa“ feiert er aber die Schönheit des Seins.

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1 COMMENT

  1. Schwule sind die besseren Opernkenner.“ „Spanier sind die heißblütigeren Liebhaber“. Da ist es nicht mehr weit bis „Ausländer sind…“, „Juden sind…“. Endgültig im Kuriositätenkabinett werden Schwule durch folgenden Satz verortet: „Sie machen sie [die Schwulen] aber während des hundertsten Besuchs unseres immergleichen Opernrepertoires zu einem interessanten und überaus sympathischen Forschungsobjekt für jedermann und somit vielleicht zu einer kleinen, aber feinen Nuance im doch so steten Opernbetrieb.“
    Hoffentlich zeigt bei meinem nächsten Opernbesuch niemand mit dem Finger auf mich, weil ich das Foyer NICHT als Kontaktbörse benutze.

  2. Wie spannend ist das denn… Und vor allem, wen (außer der betroffenen Klientel) soll das denn interessieren? Bitte verschonen Sie uns doch mit solchen Nebensächlichkeiten…

  3. … es interessiert nur herrn busche, der ja an der deuschen oper das schwule klientel der schöneberger szene aufdringlich hofierte… das thema ist überflüssig und interessiert auch die mehrheit der schulen absolut nicht

  4. Dieser Artikel ist ja sowas von unnötig, dass man eigentlich gar keine Zeit damit verschwenden sollte. Tönt nach Schulaufsatz und strotzt ja nur so von Vorurteilen. Wenn einem nichts mehr anderes einfällt als solche Beiträge, dann muss man halt in den Spiegel schauen und sagen: Das war’s! Es wird es schon genug Mist publiziert.

  5. Autsch.
    Da finden sich ja soviele Klischees auf einem Haufen, daß man gar nicht weiß, wo man anfangen soll sich aufzuregen.
    Erstmal: wieso ist es gut, daß der Großteil des Opernpublikums hetreosexuell ist? Was macht das für einen Unterschied? 

    Schwule haben also eine andere Austrahlung als Heten. Aha. Also wenn ich nicht tatsächlich gerade jemanden im von ihnen erwähnten Lack und Lederdress oder händchenhaltend mit dem Lebenspartner vor mir habe, sehe ich ihm die sexuelle Orientierung nicht unbedingt an der Nasenspitze an. 

    Ich darf jetzt mal zitieren:
    „Wird das reale, homosexuelle Leben – vor allem in Städten wie Berlin, Hamburg oder Köln – weitgehend von Kontakten über Internetforen, schnellem und vor allen Dingen möglichst anonymem Sex und flüchtigen Bekanntschaften bestimmt…“
    Das hätte der Papst nicht besser formulieren können, er hätte nur vielleicht noch hinzugefügt, daß man dafür in die Hölle kommt. Ich hoffe, dieses alberne Klischee ist nicht ihr Ernst. Sowas mag es sicher geben, ich bin ja nicht vom anderen Stern Manche Schwule leben so und manche Heten leben so und andere tun es auch nicht.

    Daß sich nur, oder in erster Linie Schwule in der Oper zum Teil auch Dinge erträumen, Gefühle erleben wollen, die es in dieser extremen Form in der sogenannten Wirklichkeit nicht gibt ist schlicht und einfach Blödsinn. Ich will nicht bestreiten, daß es einen Menschen ungeheuer prägt, zu einer Gruppe (was für ein Wort) zu gehören, die unerträglicherweise immer noch diskriminiert wird, aber daß die Sehnsucht nach großen Gefühlen und wahrer Verbundenheit bis zum Tod dadurch größer wird als bei anderen Menschen halte ich dann doch für ein Gerücht.
    Fragen sie beim nächsten Opernbesuch mal die gelangweilte, vernachlässigte Beamtengattin neben ihnen, ob sie wirklich einzig und allein in der schönen Musik schwelgt, wenn DesGrieux auf sein Keuschheitsgelübde pfeift, Alfredo die Liebe
    als Pulsschlag des Universums preist und Tamino beim bloßen Anblick eines Bildes bereit ist, die größten Gefahren auf sich zu nehmen.
    Fragen sie die schüchterne 16jährige (die gibt es nämlich duchaus in unseren Opernhäusern. Keine Rede von einem Altersdurchschnitt um die 80!) ob sie nicht gerne auch so kokett und frech wie Musetta wäre, in einem bestimmten Alter auch kann man sich nichts schöneres vorstellen, als mit 23, wie die Kameliendame, in den Armen des Liebsten zu sterben und ewig beweint zu werden. (Meist, wenn man selber noch weit von den 23 entfernt ist). Wir alle haben unsere Träume und Wünsche, die wir uns in der Oper erfüllen. Unter anderem das macht ihren ganz besonderen Reiz aus.
    Wer die Oper lieben und genießen, und für drei Stunden am Abend in ihr leben will und sie nicht nur anhören will, muß zu magischem Denken fähig sein und zur Bereitschaft, sich auf das scheinbar absurde einzulassen. Mit wem er ins Bett geht ist dabei höchst unwichtig.
    Wenn es nach ihren Klischees geht, müßte ich ein stockschwuler Kerl sein: ich liebe die Oper, ich liebe die Callas, ich verehre Greta Garbo und Audrey Hepburn und ich würde morden um via Zeitreise die Visconti-Traviata mit Maria Callas erleben zu können.
    Tscha. Nun bin ich aber eine leicht tussihaft angehauchte Hete, die ungeschminkt nicht aus dem Haus geht und sich weigert zu lernen wie man mit einer Bohrmaschine umgeht, solange es auf dieser Welt noch einen Mann gibt, der das gegen ein bißchen Wimpernklimpern erledigt.
    Aber vielleicht ist das ja laut ihrer Logik auch typisch schwul? ; – )

  6. aber genau so ist es, sie beschreiben die vorzeigeschwuppe… es ist immer wieder goldig, wenn sich vor allem frauen für die rechte der schwulen stark machen und die unwichtigkeit von sexuellen orientierungen unterstreichen… ich meine dies keinesfalls vorwurfsvoll… dass homosexualität, vor allem das schwulsein, weit mehr ist, als eine sexuelle orienteirung, ist hinlänglich erforscht und wissenschaftlich aufgearbeitet … es handelt sich zu teilen um parallelgesellschaften (wie es sie vielfach in vielen bereichen gibt), mit einer ganz eigenen struktur, eigenen regeln und einem starken fable für kultur, trash und kitsch; auch wenn dies natürlich in den außen oft übersteigert wahrgenommen maßen nicht für jeden schwulen gilt, steht außer zweifel: nicht jeder heten mann liebt fußball, bier und formel 1 … es steht ebenso außer frage, dass die oper, operette, musical etc. überdruchschnittlich stark von schwulen männern besucht und geliebt werden… was vielleicht etwas mit der sehr direkten emotionalität zu tun hat, die die meisten opernstoffe beinhalten… allerdings ist oepr weit mehr als die von ihnen beschreibene magische märchenwelt, in die man sich flüchtet… das wäre nun wahrlich zu banal… und wagner oder verdi würden sofort mit dem komponieren aufhören, würde sich ihre beschreibung als massentauglich erweisen… aber das sind zu viele themen auf einmal für ein ‚forum‘ … das thema der aktuellen crescendo ausgabe könnte interessant sein, wenn es sich etwas wissenschaftlicher mit der materie auseinander setzen würde und leute darüber schrieben, die ahnung hätten… und nicht die besonderen ‚freunde‘ vom kollegen brüggemann…

  7. Oh mein Gott, Martina Pohl, Sie sprechen mir aus tiefstem Herzen!!! Und ich gehöre vollerer Überzeugung auch zu den „tussihaften Heten, die ungeschminkt nicht aus dem Haus …“
    Ich habe einen sehr sehr guten Bekannten vom sogen. „anderen Ufer“, wir gehen oft zusammen ins Theater, in die Oper und es ist wie es sein soll: Wir heulen gemeinsam in Traviata, sterben zusammen mit Manon und gehen anschließend zusammen mit gemeinsamen Freunden essen – sollte es nicht so sein??? Welche Sexualität jeder hat ist doch völlig Wurscht oder ? Ich meine: Wen interessiert das?!

  8. @ greta garbo!
    Ehrlich gesagt weiß ich nicht, was die Herren Wagner und Verdi täten, wenn meine Auffassung allgemeiner Konsens wäre. Für mich ist die Oper, neben vielem anderen, tatsächlich AUCH eine Märchenwelt, und wie alle unsterblichen Märchen, behandelt sie große, ewig gültige Themen und Sehnsüchte und mir fällt nichts ein, was daran falsch wäre.
    Wenn Verdi und Wagner ob meiner Auffassung angefressen wären, so wäre das jedenfalls deren Problem, nicht meins ; – )
    @ mala
    Ja ich sehe das ebenso. Aber daß dieses Thema (sind Schwule bessere Opernhörer ?) überhaupt eins ist und ich mir ja auch meine Gedanken dazu gemacht habe, zeigt, daß greta garbo vielleicht nicht unrecht hat, und die sexuelle Identität eines Menschen in der Gesellschaft offenbar wohl doch nicht so unwichtig ist, wie ich denke.

  9. Wie hat sich Herr Busche für diesen Artikel eigentlich qualifiziert?
    Bestimmt nicht mit seinen Opernkenntnissen! Über „Billy Budd“:

    Müssten Schwule dieses Werk, in dem ein erwachsener Mann des Missbrauchs eines kleinen Jungen und somit auch des als krankhaft und unnatürlich angesehenen Hangs zur Homosexualität beschuldigt wird, nicht aus Protest meiden, anstatt es als Symbol für schwule Klischee-Ästhetiken in der Opernwelt anzuerkennen?“

    Das ist leider nicht „Billy Budd“, lieber Herr Busche, sondern „Peter Grimes“. Auch eine schöne Oper von Britten. Leider die falsche. Setzen, Sechs! Peinlich für Crescendo!

  10. Also, ich glaube nicht, dass schwule Männer tatsächlich, d. h. „von Natur aus“ die besseren Opfernhörer und ‑kenner sind. Aber ich halte es dennoch für möglich – und „möglich“ bedeutet, dass es eben nicht unbedingt stimmen MUSS -, dass schwule Männer aufgrund ihres per definitionem distanzierten Verhältnisses zur „hegemonialen Männlichkeit“ (R. Connell) vielleicht etwas offener und gelassener mit Themen wie Gefühl, Kunst, Musik etc. umgehen – Themen, die von nicht wenigen traditionell orientierten Männern als sentimentaler Quatsch und „Weiberkram“ abgetan werden.

    (In der Tat wird in weiten Teilen der Gesellschaft männliche Homosexualität quasi mit „unmännlich“ – sprich „feminin“ – gleichgesetzt, obwohl das selbstverständlich nicht stimmen muss und es durchaus auch zahlreiche schwule Männer gibt, die eine betont harte, maskuline Form von Männlichkeit praktizieren.)

    Ob das aber tatsächlich der Fall ist, vermag ich nicht zu beurteilen – Männer- und Männlichkeitsforschung ist ein hochkomplexes Gebiet, dem es nicht selten an empirischen Daten mangelt. Dazu müsste zuerst einmal eine wissenschaftliche Studie durchgeführt werden. Aber ich halte das zumindest prinzipiell für möglich.

  11. Also ich fand den Artikel sehr interessant und vor allem amüsant. Werde wohl wieder öfter in die Oper gehen und mir den schnellen Sex lieber in der Pause als im Internet suchen ;)

    So sehr vieles in obigem Artikel auch nach Klischee und Vorurteil klingt, vieles entspricht meiner persönlichen Erfahrung nach (leider) der Realität.

  12. Wie mal wieder zu sehen ist, gibt sich unsere Gesellschaft stets offener als sie eigentlich, so auch in diesem Falle, ist. Einen großen Dank an Martina Pohl, die mir beweist, dass es doch noch vernünftige Menschen gibt die es ins 21. Jahrhundert geschafft haben.
    Greta Garbo, was glauben sie schon zu wissen? Parallelgesellschaften? Das ich nicht lache. So Menschen wie Sie machen uns Homosexuelle zu einer Minderheit und grenzen uns von den restlichen ab. Sie schaffen die Klischees und weiden sich daran. Sie interessieren sich nicht für das wirkliche, die Realität, die Gefühlswelt eines Schwulen, die weitaus mehr über ihn sagt, als Klischees. Interessierte man sich mehr für Minderheiten, so verstünde man sie besser und urteilte nicht so rasch.
    Steffen geht in die Oper, weil Steffen Oper liebt, nicht weil er schwul ist.
    Steffen ist schwul, weil Steffen Jungs liebt, nicht weil er in die Oper geht.
    Ein Mann, der der sich mehr auf Gefühle einlässt, die Zerstreuung liebt und Fantasie hat, geht vielleicht gerne in die Oper, ist aber wahrscheinlich nicht schwul, weil nur ca. 7 % aller Männer und Frauen in Deutschland homosexuell sind.
    Peter schaut Fußball, weil Peter Fußball liebt, nicht weil er heterosexuell ist.
    Peter ist heterosexuell, weil er Frauen liebt, nicht weil er Fußball liebt.
    Kann man das nicht verstehen?
    Was ist wenn Lukas Fußball liebt, aber schwul ist? Er liebt Fußball, weil er Lukas ist, weil das sein Charakter ist, nicht weil er schwul ist. Und ebenso ist er schwul, weil er Lukas ist, das gehört zu seinem Charakter.
    Die Gesellschaft muss auffhören in Schubladen zu denken! Es mag sein, dass Schwule einen Hang zu Gefühlen haben und Hetero-Männer eher nicht. Aber der Rest sind keine Ausnahmen und selbst die Schwulen, die gefühlsbetont sind, sind noch lange keine Tunten wie es das Klischee vorgibt. Der Großteil der Schwulen lässt sich nicht von heterosexuellen unterscheiden, lasst es euch gesagt sein. Aber genau das schlummert in euren Hirnen, ganz tief verborgen, und ihr habt angst davor, die ANDEREN nicht erkennen zu können! Also beruhigt ihr euch mit augenfälligen Klischees die euch sofort das ANDERE das FREMDE entlarven. Dumm und blind.
    „Neger!“ Und du erntest vernichtende Blicke, was auch gut ist. „Schwuchtel!“ Gelächter. Warum? Mittlerweile darf man nicht mal mehr „schwarze“ sagen, was auch gut ist, aber warum darf man Witze über Schwule machen, warum darf man sie diskriminieren und als unwichtig betrachten? Sie haben das Recht auf Bedingungslose, absolute Freiheit, genau wie Behinderte, Ausländer und sogar Obdachlose. Bei dem Wort „schwul“ sollte noch nichtmal ein Haar euerer Augenbraue zucken, so wie bei dem Wort „Behinderter“, „Dunkelhäutiger“ oder auch „Frau“.
    Oh ja, wir leben ganz sicher in einer schreienden Ungerechtigkeit. Aber unsere Gesellschaft macht das, was sie am besten kann: wegsehen.

  13. schwer zu sagen ob der peinlich-engstirnige innhalt oder die grauenhafte schreibart schlimmer sind… aber ist ja nur online, zum glueck. papier haette sich geweigert.

  14. Es ist immer wieder erstaunlich was sich für Abgründe auf tun, wenn das Thema Schwul auftaucht. Der Opernbesucher wirkt schon alleine durch sein Interesse an Kunst nicht übermässig männlich (im Heterophilen Sinne). Schwule sind ganz gewöhnliche männliche Männer. Sie unterscheiden sich einfach nur in ihrer sexuellen Orientierung. Wenn hier jemand behauptet, er hätte beobachtet, dass die Schwulen sich sehr oft dem Klischee entsprechend verhalten, dann kann das auch bedeuten, dass er die anderen Schwulen einfach als Heteros angesehen hat.
    Leider ist es immer noch so, dass Heterophile sich immer in Diskussionen willkürlich und abwertend über Homosexuelle äussern dürfen. Ohne dafür wirklich in eine ernstzunehmende Kritik zu geraten. Während ein Homosexueller sachlich fundiert argumentieren kann, so viel er will. Er wird immer auf seine Sexualität reduziert und selten wirklich ernst genommen.
    Während die heterosexuelle Welt ja so komplex und vielschichtig ist.
    Was die Klischees angeht, ist es natürlich klar, dass es sich dabei um Projektionen handelt. Wenn man sich eingestehen würde, dass ein Homosexueller aussehen würde und vor allem sich auch noch so verhalten würde wie ein Hetero. Dann hätte der Hetero das Problem selber in Schwulen Verdacht zu geraten.
    Die Angst die daraus entsteht nennt man übrigens Homophobie.

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