Sensationsfund

Wilhelm Furtwängler

Am 26. August 1953 stand Wilhelm Furtwängler in Luzern zum letzten Mal am Pult des Schweizerischen Festspielorchesters. Der Mitschnitt von Robert Schumanns tragisch düsterer Manfred-Ouvertüre galt lange Zeit als verschollen, bevor er zufällig in einem Archiv entdeckt wurde. Beim Label Audite ist er jetzt erstmals auf Tonträger erschienen. Das Album enthält außerdem Liveaufnahmen der am selben Abend aufgeführten Schumann-Sinfonie Nr. 4 und der Eroica von Ludwig van Beethoven. Letztere Werke wurden zum ersten Mal auf Basis der originalen Rundfunkbänder editiert; für bisherige Veröffentlichungen war ein privater Mitschnitt auf Kassette verwendet worden. Furtwängler näherte sich der Musik aus einer inneren Dringlichkeit heraus, die beim Anhören dieser Aufnahmen spürbar wird. Im Adagio-Satz der Schumann-Sinfonie beispielsweise brodeln Emotionen, die nie in übertriebenes Pathos münden. Ein empfehlenswertes Album, nicht nur für Furtwängler-Fans.

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Corina Kolbe
In Berlins Konzertsälen und Opernhäusern ist die freie Musikjournalistin Corina Kolbe seit Jahren zu Hause. Von der Hauptstadt aus steuert die studierte Romanistin oft Richtung Süden, um über Aufführungen in historischen Theatern ihrer zweiten Heimat Italien oder Klassikfestivals in den Schweizer Alpen zu berichten. Ausführliche Interviews mit Künstlern vor und hinter der Bühne runden ihr Portfolio ab.

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