Das Geburtshaus Ludwig van Beethovens in Bonn ist wieder für Besucher geöffnet.Wo alles begann…

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Die Dauerausstellung im Beethoven-Haus in Bonn ist wieder zu sehen. „Damit haben wir einen wichtigen Meilenstein erreicht“, betont Malte Boecker, der Direktor des Beethoven-Hauses. Die Ausstellung zeigt sich nach der Renovierung des Hauses in neuem Licht und neuer Gestaltung. Den Besuchern solle eine erlebnisorientierte und emotionale Begegnung mit Beethoven ermöglicht werden. So erfolgt die Gliederung nicht mehr chronologisch, sondern nach Themenkreisen wie Beethoven und sein Freundes- und Fördererkreis, Beethoven und sein Alltag und Beethoven als Künstler und Mensch mit körperlichen Einschränkungen. „Wir versuchen, immer wieder auch einen Bezug zu den eigenen Erfahrungen der Besucher heute herzustellen, damit die Menschen Beethoven nicht nur als historische Persönlichkeit erleben“, erläutert Nicole Kämpken, die Leiterin des Museums.

Ein Blick in die neue Dauerausstellung im renovierten Beethoven-Haus in Bonn (©Beethoven-Haus Bonn, Fotograf: David Ertl)

Als Museumsfläche neu entstanden sind drei Sonderräume, die im Hinterhaus übereinander liegen. Dieses war das eigentliche Wohnhaus der Familie Beethoven. Ein Diorama im Erdgeschoss lässt in einer künstlerischen Umsetzung Beethovens Bonn lebendig werden, und im Klangzimmer darüber vermitteln fünf bedeutende Frühwerke die musikalische Einzigartigkeit des Komponisten. Eine Besonderheit stellt zweifellos das bisher als Geburtszimmer bezeichnete Elternschlafzimmer der Beethovens im Dachgeschoss dar. Der Raum konnte bisher von Besuchern nicht betreten werden. Jetzt wird er besonders inszeniert, als „Ort der sinnlichen Annäherung an das Phänomen Beethoven“, wie die Architektin Barbara Holzer die Idee beschreibt.

Beethoven starb 1827 in Wien vermutlich an Bleivergiftung und Leberzirrhose. Der Maler Josef Franz Danhauser nahm ihm
die Totenmaske ab. (©Beethoven-Haus Bonn, Fotograf: David Ertl)

 

Alkoholismus und Depressionen

Hier begann der große Komponist sein Leben, und hier begann auch die Tragödie seines Lebens. Denn hier wuchs er auf mit einer jähzornigen und depressiven Mutter, die frühzeitig an Schwindsucht starb, und einem alkoholkranken, gewalttätigen Vater. Johann van Beethoven war selbst Musiker, und er wünschte sich ein Wunderkind. Nachts prügelte er seinen Sohn aus dem Bett, damit er übe. So nahm in diesem Raum unter dem Dach das Unglück des Komponisten seinen Anfang, sein eigener Alkoholismus, seine Depressionen und sein früher Tod mit 56 Jahren.

(©Beethoven-Haus Bonn, Fotograf: David Ertl)

 

Das digitale Archiv des Hauses

Ab Dezember 2019 sollen weitere Museumsräume die Dauerausstellung ergänzen. Für regelmäßige Konzerte auf historischen Tasteninstrumenten soll im Nachbarhaus ein Musizierzimmer entstehen sowie ein Raum mit wechselnden Ausstellungen der Originalmanuskripte Beethovens. Zudem soll ein Seminarraum für die Vermittlungsangebote des Beethoven-Hauses eingerichtet werden. Über Tablets sollen Besucher Zugang zum Digitalen Archiv des Hauses erhalten und weitere Sammlungsobjekte auf dem Bildschirm anschauen können. Malte Boecker zeigt sich zuversichtlich, dass zum Auftakt des Beethovenjahres 2020 alles fertiggestellt sei. Geplant ist die Eröffnung des gesamten Beethoven-Hauses mit allen Bereichen für den 16. Dezember 2019.

Die Dauerausstellung kann täglich von 10 bis 18 Uhr besucht werden. Schließtage und Weiteres dazu: www.beethoven.de

Eintrittskarten zum Besuch sind an der Museumskasse erhältlich. 

Eintrittskarten für die Gesamtausstellung ab 16. Dezember 2019 können bereits jetzt über BONNTICKET gebucht werden: www.bonnticket.de

Das Bild oben zeigt ein idealisierendes Gemälde Beethovens von Joseph Karl Stieler, das um 1820 entstand. 

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Das „flüchtige Ereignis“ in crescendo anzukündigen, ist die Aufgabe von Dr. Ruth Renée Reif: Als Erleben-Redakteurin spürt sie mit detektivischem Eifer packende, hören- und sehenswerte Veranstaltungen für uns auf. Dr. Ruth Renée Reif studierte in Wien Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und ist seit ihrer Promotion 1987 in München als freie Journalistin und Publizistin tätig. Zu ihren Veröffentlichungen zählen eine Biografie über die Sängerin Karan Armstrong, ein historisches Porträt der Stuttgarter Philharmoniker sowie zahlreiche Gespräche mit Musikern, Schriftstellern und Philosophen.

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