Will­kom­men in der neu­en Klas­sik-Woche,

heu­te mit wüten­den Bar­to­li-Fans, ers­ten Bil­dern von Spiel­bergs West­side Sto­ry, Krach in Sach­sen und Lübeck und Talent­för­de­rung in Wien. 

WAS IST

Ers­tes Foto der Dreh­ar­bei­ten von Ste­phen Spiel­bergs West­side Sto­ry.

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SPIELBERGS WESTSIDE STORY

Eigent­lich soll­te der Film bereits im Bern­stein-Jubi­lä­ums­jahr erschei­nen: Ste­phen Spiel­berg hat­te sich schon vor vie­len Jah­ren die Rech­te an einem Remake der West­side-Sto­ry von Leo­nard Bern­stein gesi­chert. Nun haben die Dreh­ar­bei­ten end­lich begon­nen. Im Cast sind weit­ge­hend unbe­kann­te Sän­ger, die aus über  30 000 Bewer­bern aus­ge­wählt wur­den – gera­de hat Twen­tieth Cen­tu­ry Fox das ers­te offi­zi­el­le Bild ver­öf­fent­licht.

IMPULS-FESTIVAL AUF DER KIPPE

Das Impuls-Fes­ti­val für neue Musik von Hans Rot­man bringt Musik an ganz unter­schied­li­che Orte in Sach­sen und Sach­sen-Anhalt sorgt in Städ­ten wie Bit­ter­feld, Eis­le­ben oder Kal­be für Welt­of­fen­heit, Begeis­te­rung an Neu­em und rege Dis­kus­sio­nen. Nun sagt Rot­man: „Scho­ckiert muss­te die Fes­ti­val­lei­tung zur Kennt­nis neh­men, dass es Plä­ne des Staats­se­kre­tärs Gun­nar Schel­len­ber­ger (CDU) gibt, ein Fes­ti­val für Neue Musik völ­lig neu aus­zu­rich­ten, unter bis­lang geheim gehal­te­ner neu­er Lei­tung, und zwar schon ab dem kom­men­den Jahr 2020.Das Zen­trum des neu­en Fes­ti­vals soll wohl Mag­de­burg sein. Das Absur­de an der Situa­ti­on: Nie­mand weiß Genau­es über die neu­en Plä­ne, und Staats­se­kre­tär Schel­len­ber­ger ver­wei­gert jeg­li­che Trans­pa­renz. 

NEUES OPERNSTUDIO IN WIEN

Die Wie­ner Staats­oper wird unter sei­nem neu­en Direk­tor
Bog­dan Roščić und Musik­di­rek­tor Phil­ip­pe Jor­dan 2020 ein Opern­stu­dio für jun­ge Sän­ger grün­den. Bari­ton Micha­el Kraus soll die Aka­de­mie, in der die Sän­ger in Anleh­nung an das Opern­stu­dio in Zürich von der Nähe zur Oper pro­fi­tie­ren sol­len, lei­ten. Jun­ge Sän­ger kön­nen sich bis zum 30. Sep­tem­ber bewer­ben.Roščićs Amts­an­tritt wird in Wien bereits mit gro­ßer Span­nung erwar­tet: Wie zu hören ist, will er am Anfang beson­ders jene Opern neu in Sze­ne set­zen las­sen, deren Pro­duk­tio­nen im Reper­toire ver­al­tet sind, und auch von einem Groß­teil des Ensem­bles wird er sich, wie zu hören ist, wohl tren­nen.

LÜBECKS INTENDANT SCHMEISST HIN

Er hat die Nase voll von der Spar-Poli­tik der Kie­ler Jamai­ka-Koali­ti­on. „Ich bin erkenn­bar an mei­ne Gren­zen gesto­ßen“, sag­te Lübecks Thea­ter­chef Chris­ti­an Schwandt und kün­dig­te an, 2020 sei­nen Hut zu neh­men.Das Land lässt uns am aus­ge­streck­ten Arm ver­hun­gern“, erklärt er. Lübecks Kul­tur­se­na­to­rin Kath­rin Wei­her bedau­ert die Ent­schei­dung. Das Land will eine Dyna­mi­sie­rung der Zuschüs­se errei­chen, die von 1,5 auf 2,5 Pro­zent stei­gen sol­len – aber das reicht nicht, um die stei­gen­den Per­so­nal­kos­ten zu decken. Das Lübe­cker Thea­ter ist kei­ne Aus­nah­me: Vie­le Stadt­thea­ter kämp­fen der­zeit gegen stei­gen­de Lohn­kos­ten bei nicht adäqua­ter Stei­ge­rung der Sub­ven­tio­nen. Vie­le deut­sche Thea­ter sind längst nicht mehr das, was sie ein­mal sein soll­ten: Ensem­ble- und Reper­toire-Büh­nen, die als akti­ve Denk­fa­bri­ken ihrer Städ­te fun­gie­ren.

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Europas größter Kulturkongress

11. KulturInvest!-Kongress zeigt am 7. und 8. Novem­ber auf dem UNESCO-Welt­erbe Zoll­ver­ein die Trends im euro­päi­schen Kul­tur­markt auf. Jetzt Früh­bu­cherra­batt sichern!

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WAS WAR

Anna Netreb­ko schockt in einer däni­schen Hüh­ner­farm.

NETREBKO MIT HÜHNERN UND HAHN IM WASSER

Anna Netreb­kos jüngs­ter Insta­gram-Auf­tritt hat für Auf­se­hen gesorgt. Am Ran­de eines Auf­tritts in Däne­mark film­te sie sich und ihre Fami­lie in einer Hüh­ner­farm. Zu sehen ist, wie die Diva mit Mund­schutz mit erho­be­nem Dau­men durch die Mas­sen­tier­hal­tung spa­ziert und wie ihr Sohn klei­ne Kücken abspritzt, bevor sie in enge Kis­ten ver­packt wer­den. Ein schrä­ger Auf­tritt. Erfri­schend dage­gen das Bad, das die Gei­ge­rin Hil­ary Hahn für ihre Insta­gram-Freun­de genom­men hat: Sie woll­te schon immer Mal in einem Kon­zert­kleid schwim­men gehen. Und das hat sie nun getan. Über­haupt ist sie ech­ter Insta­gram-Pro­fi: Nach­dem eines ihrer Kon­zer­te in Paris abge­sagt wur­de, weil das Orches­ter streik­te, erklär­te sie sich soli­da­risch mit den Musi­kern und lud ihre Fan­ge­mein­de spon­tan zu einem vir­tu­el­len Kon­zert ein.     

BARTOLI FANS IN WUT

Auf der Face­book-Sei­te der Sän­ge­rin Ceci­lia Bar­to­li geht es hoch her. Der Grund: Die Mai­län­der Sca­la hat ihren Auf­tritt als Cleo­pa­tra in der Oper Giu­lio Cesa­re ange­kün­digt – vie­le Fans haben sich sofort Tickets gekauft. Nun erklärt Bar­to­li, dass lan­ge klar war, sie wür­de in die­ser Pro­duk­ti­on nicht auf­tre­ten. Das hielt die Sca­la aller­dings nicht davon ab, mit ihrem Namen Tickets zu ver­kau­fen. Jetzt toben die Sän­ge­rin und ihre Fans – das Opern­haus hat ihren Namen inzwi­schen still­schwei­gend von der Web­sei­te gestri­chen. Inzwi­schen wur­de auch der Brief­ver­kehr zwi­schen Bar­to­li und Alex­an­der Perei­ra ver­öf­fent­licht – dar­in erklärt sie ihm, dass sie sei­ne Abset­zung bedaue­re, nicht sin­gen wer­de, und er ant­wor­tet bet­telnd: “Don’t aban­don me.” („Kehr Dich nicht von mir ab.”) Lus­ti­ge Rand­no­tiz: Als Madon­na  die­se Woche gesagt hat, sie wür­de gern ein­mal an der Sca­la sin­gen, lehn­te das Haus ihren Wunsch ab: „Wir sind kein Haus, in dem Pop­kon­zer­te statt­fin­den.“ 

PERSONALIEN DER WOCHE

Wir haben es im letz­ten News­let­ter bereits geahnt: Die Mai­län­der Sca­la hat den Ver­trag von Inten­dant Alex­an­der Perei­ra nicht ver­län­gert. Die ita­lie­ni­sche Pres­se­agen­tur hat sich bereits auf den der­zei­ti­gen Wie­ner Opern­in­ten­dan­ten Domi­ni­que Mey­er als Nach­fol­ger fest­ge­legt – des­sen Büro aber wie­gelt ab: „Es bleibt span­nend, wir wer­den sehen“. Wahr­schein­lich geht es aber nur noch um ver­trag­li­che Details. +++ Teo­dor Cur­r­ent­zis hat sei­ne Stel­le als Direk­tor der Perm-Oper auf­ge­ge­ben, will aber an der Spit­ze des Diag­hi­lev-Fes­ti­vals blei­ben und auch wei­ter­hin das Ensem­ble musi­cAe­ter­na lei­ten, das wahr­schein­lich nach Mos­kau oder St. Peters­burg zie­hen wird. +++ Die Deut­sche Gram­mo­phon hat sich von Ute Fes­quier getrennt – jah­re­lang hat sie erfolg­reich und im Hin­ter­grund den Geist des gel­ben Labels, was Artists und Reper­toire betrifft, hoch gehal­ten, auch gegen popu­lä­ren Druck. Doch nun scheint DG-Chef Cle­mens Traut­mann ande­re Wege gehen zu wol­len – er hat in der Ver­gan­gen­heit vehe­ment auf popu­lä­re Klas­sik gesetzt und ist bekannt dafür, dass er sich auch in der Öffent­lich­keit gern an der Sei­te sei­ner Künst­ler zeigt.    

AUF UNSEREN BÜHNEN

Streit am Musi­cal­thea­ter in Füs­sen. Seit Jah­ren düm­pelt das Haus am Fuße des Mär­chen­schlos­ses Neu­schwan­stein vor sich hin, nun soll ein Luxus-Hotel­kom­plex neue Zuschau­er brin­gen – Natur­schüt­zer und Anwoh­ner lau­fen Sturm. +++ Jan Brach­mann berich­tet in der FAZ über die Offen­bach-Aus­stel­lung Bou­le­vard Euro­pa, fragt, ob die Köl­ner dem Kom­po­nis­ten ein Denk­mal bau­en soll­ten und fin­det, dass die Insze­nie­rung  der Groß­her­zo­gin von Gerol­stein von Ren­aud Dou­cet ein Fias­ko war: „Ent­täu­schung packt das zunächst gedul­di­ge Publi­kum, als der gan­ze Auf­wand ver­pufft und das Büh­nen­bild sich mit dem zwei­ten Auf­zug in einen kreuz­fri­vo­len Ope­ret­ten­hof ver­wan­delt. Etli­che Pre­mie­ren­be­su­cher mach­ten es wie Bis­marck, der, wohl von Spio­nen gewarnt, in Paris am 11. Juni 1867 wäh­rend des drit­ten Aktes zigar­re­rau­chend vor der Thea­ter­tür gesich­tet wur­de.“ +++ Bes­ser gefal­len hat Brach­mann die Oper Guer­cœur von Albé­ric Magnard in Osna­brück, beson­ders Diri­gent Andre­as Hotz,  Bari­ton Rhys Jenkins, und vor allen die Sopra­nis­tin Lina Liu, die ihn an Gun­du­la Jano­witz erin­nert. +++ Als „groß­ar­ti­ge Gru­be des Grau­ensbeschreibt Manu­el Brug den Mac­beth in Ant­wer­pen von Micha­el Thal­hei­mer. +++ In Goh­risch gin­gen die 10. Schosta­ko­witsch Tage unter der Inten­danz von Tobi­as Nie­der­schlag über die Scheu­nen-Büh­ne. Der Schosta­ko­witsch-Preis ging an Andris Nel­sons, und wir von Cre­scen­do waren vor Ort und haben unter ande­rem mit dem Gei­ger Marc Danel gespro­chen.  

WAS LOHNT

Mar­tin Scor­se­ses Dyl­an-Film “Rol­ling Thun­der Revue“

Für mich ist Bob Dyl­an längst ein Klas­si­ker. Und des­halb hier mein Tipp der Woche: Die Net­flix-Doku Rol­ling Thun­der Revue über die legen­dä­re Dyl­an-Tour in den 70er-Jah­ren, die Dyl­an-Ver­eh­rer Mar­tin Scor­se­se in Sze­ne gesetzt hat: Ein Zir­kus aus doku­men­ta­ri­schen und erfun­de­nen Sze­nen. Im Jour­na­lis­mus wür­de man das alles in die Relotius-Schublade ste­cken und die Nase rümp­fen. Scor­se­se zau­bert all das her­vor, was Dylan-Fans sehen wol­len, das aber viel­leicht nie­mals statt­ge­fun­den hat. Er erfin­det kur­zer­hand einen Regis­seur, der die Tour der Hippie-Musiker quer durch die Pro­vin­zen der USA angeb­lich in Sze­ne gesetzt haben will (Mar­tin von Hasel­berg), ver­schnei­det his­to­ri­sches Mate­ri­al mit herr­lich unvoll­endet insze­nier­ten Sze­nen, die sich so abge­spielt haben kön­nen – oder eben auch nicht. Und selbst wenn er dem Gan­zen mit per­fekt aus­ge­leuch­te­ten Star-Interviews den Anschein der his­to­ri­schen Ein­ord­nung geben will, weiß man am Ende nicht, wie viel Wahr­heit in die­sem fil­mi­schen Rausch steckt, der sel­ber so etwas wie eine gro­ße Oper oder wenigs­tens eine Com­me­dia dell’arte ist. Mehr über die­ses abge­fah­re­ne Pro­jekt an die­ser Stel­le.

Kom­men Sie gut durch die neue Klas­sik-Woche und hal­ten Sie die Ohren steif.

Ihr

Axel Brüg­ge­mann

brueggemann@crescendo.de

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Axel Brüggemann
Axel Brüggemann glaubt, dass Musik das Leben verändern kann. Darüber hat er zunächst bei der WELT am SONNTAG geschrieben, bei der er auch Textchef war. Später schrieb er für die FAS und die Jüdische Allgemeine. Heute ist der ehemalige crescendo-Chefredakteur hauptsächlich fürs Fernsehen tätig: für arte, ZDF und SKY. Für seine Bayreuth-Moderationen wurde er für den Grimme-Preis nominiert. Brüggemanns Dokumentarfilme suchen stets nach dem Zusammenhang von Musik und Mensch.

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