Zurück zu den Sternen: Scala startet Saison mit Operngala

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In ungewohnter Form hat die Mailänder Scala ihre traditionelle Saisoneröffnung gefeiert. International renommierte Sängerinnen und Sänger wie Elīna Garanča, Camilla Nylund, Kristīne Opolais, Plácido Domingo, Andreas Schager und Vittorio Grigolo präsentierten am Montag vor leeren Rängen einen bunten Strauß beliebter Arien. Die ursprünglich geplante Premiere der Oper „Lucia di Lammermoor“ von Gaetano Donizetti musste aufgrund der Corona-Krise abgesagt werden. Stattdessen setzte Opernintendant Dominique Meyer einen inszenierten Galaabend an, dessen Motto „A riveder le stelle“ an Dantes „Göttliche Komödie“ anlehnte. Nach der Live-Übertragung im italienischen Fernsehen war das Konzert in Deutschland zeitversetzt auf der Online-Plattform ARTE Concert zu sehen.

Mailänder Scala

Mailänder Scala

Zur Erinnerung an die im Februar verstorbene Sängerin Mirella Freni wurde zu Beginn eine Aufnahme der Arie „Io son l’umile ancella“ aus Francesco Cileas Oper „Adriana Lecouvreur“ eingespielt. Bühnenarbeiter, Schneider und andere Mitarbeiter hinter den Kulissen sangen gemeinsam mit dem Opernchor die italienische Nationalhymne „Inno di Mameli“. Einer der Höhepunkte des Abends war zweifellos der Auftritt von Lisette Oropesa, die für die Hauptrolle in „Lucia di Lammermoor“ vorgesehen war. Souverän interpretierte die Sopranistin die Arie „Regnava nel silenzio“, eines der bekanntesten Stücke aus Donizettis Oper. Ebenso ausdrucksstark sang Sonya Yoncheva „La mamma morta“ aus Umberto Giordanos „Andrea Chénier“. Einen eher enttäuschenden Eindruck hinterließ der Tenor Roberto Alagna mit „E lucevan le stelle“ aus Giacomo Puccinis „Tosca“.

Dirigent Riccardo Chailly und die meisten Musiker des Scala-Orchesters trugen Masken, die Bläser waren durch Plexiglaswände voneinander getrennt. Regisseur Davide Livermore und das Architekturstudio Giò Forma verlegten die Opernrevue in echte Kulissen und untermalten sie mit opulenten Videoclips. Zwischen den Gesangsdarbietungen traten Mitglieder des Balletts auf. Startänzer Roberto Bolle fesselte mit einem Solo unter einem farbigen Lichtkegel. Aus Theater und Kino bekannte Schauspieler rezitierten Gedichte und reflektierten über Kunst.

Der Galaabend stand ganz im Zeichen der Solidarität mit all den Künstlern, die durch die Pandemie in ihrer Existenz gefährdet sind. „Dann grüßten wir beim Austritt neu die Sterne“, heißt es im letzten Vers der Höllensequenz in der „Göttlichen Komödie“. Auf ihrer Jenseitswanderung steigen Dante und Vergil schließlich aus dem Dunkel hervor und sehen das Licht des Himmels. In diesem Sinne sollte das Motto des Abends allen Italienern wieder Hoffnung auf bessere Zeiten machen.

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