Zwischen Form und Freiheit

Austrian Art Gang

Von Bachs spä­tem Gip­fel­werk Die Kunst der Fuge gibt es eine Unzahl von Adap­tio­nen, aber eine Jazz­ver­si­on war mir bis­her nicht bekannt: Fünf klas­sisch aus­ge­bil­de­te öster­rei­chi­sche Top­mu­si­ker, The Aus­tri­an Art Gang, haben nach lan­ger Vor­be­rei­tung das Expe­ri­ment gewagt, Bachs kunst­volls­ten Kon­tra­punkt-Zyklus in eine intim anmu­ten­de Kam­mer­mu­sik­sphä­re von Gitar­re, Fagott, Cel­lo, Kon­tra­bass und wech­seln­den Ver­tre­tern der Saxo­fon- und Kla­ri­net­ten­fa­mi­lie zu ver­set­zen und dabei die­se Exem­pel der Stren­ge und Kom­ple­xi­tät ganz zärt­lich und respekt­voll mit Leben zu fül­len. Durch fei­ne, behut­sam ein­ge­ar­bei­te­te Impro­vi­sa­ti­ons­li­ni­en lockern sie in acht aus­ge­wähl­ten Fugen die engen Fes­seln des stren­gen Kon­tra­punkts und ver­lei­hen den nun­mehr frei atmen­den Ein­zel­stim­men mensch­li­che Züge, ohne aber die struk­tu­rel­le Logik von Bachs Archi­tek­tu­ren anzu­tas­ten. So ent­steht ein neu­es, sehr inti­mes und inner­lich pul­sie­ren­des Span­nungs­feld von Form und Frei­heit, von Struk­tur und Impuls und eine Art mensch­lich durch­leb­ter, atmen­der Kon­tra­punkt: Man spürt so in beson­de­rer Wei­se die spi­ri­tu­el­le Tie­fe und die huma­ne Kraft die­ser Musik.

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