Paula Bosch probiert

Die Helden der Nation

von Paula Bosch

4. Dezember 2019

Pröschtli! Tatsächlich kann der Schweizer mit landeseigenem Wein anstoßen. Sommelière Paula Bosch über das Weinland Schweiz, das neben den höchsten Weinbergen Europas auch einzigartige Rebsorten hat.

Die Beson­der­heit des gebirgs­reichsten Wein­landes in Europa, der , liegt nicht in der Größe seiner Rebflä­chen oder der produ­zierten Mengen, sondern in der Schön­heit der alpinen Wein­re­gionen. Allen voran das Wallis im Herzen der Alpen mit seinen hals­bre­che­ri­schen Steil­lagen in bis zu 1100 Höhen­me­tern, dann das Waad­land mit den unzäh­ligen Kleinst­ter­rassen am Ufer des Genfer Sees.

Besitzt die höchsten Wein­berge Europas: die Schweiz.
Blick auf die Steil­hänge des Rhône-Tales im Wallis 

Im Süden beein­druckt das medi­terran ange­hauchte , und in der Deutsch­schweiz ist ein Beispiel für die rele­vanten Schön­heiten der Schweizer Wein­welt. Weit mehr als drei Viertel aller Weine des Landes werden hier produ­ziert.

Unzäh­lige Kleinst­ter­rassen: Weinbau am Ufer des Genfer Sees

Für den guten Ruf der Schweizer Weine zeichnen etwa zwei Dutzend Winzer verant­wort­lich, die welt­weit aner­kannte und mit höchsten Preisen ausge­zeich­nete Weine produ­zieren. Sie liefern regel­mäßig über­ra­gende Quali­täten aus inter­na­tio­nalen wie auto­chthonen Rebsorten; daneben auch Rari­täten, die nur noch in der Schweiz ange­baut werden.
Ermög­licht wird ihnen der partiell extreme Weinbau durch das güns­tige sonnen­reiche und trockene Klima, die warmen Föhn­winde, die steinreichen­ Höhen­lagen sowie die von Parzelle zu Parzelle wech­selnde Boden­be­schaf­fen­heit.

Die Kleinst­mengen der produ­zierten Beson­der­heiten, die inter­na­tio­nale Vergleiche nicht scheuen, sind mit ein Grund für die ambi­tio­nierte Preis­po­litik, die in der Schweiz als ange­messen betrachtet und akzep­tiert wird. Die besten Wein­güter haben alle lange Warte­listen für even­tu­elle Neukunden, die irgend­wann ein paar der wenigen Flaschen erwerben möchten. So gelten heute schon bestimmte Weine als natio­nale Wein­helden, ähnlich wie Heidi, Wilhelm Tell, die Uhren­branche, Schweizer Käse oder Scho­ko­lade.

CHAPPAZ

Folgt den anthro­po­so­phi­schen Grund­sätzen biolo­gisch-dyna­mi­scher
Land­wirt­schaft: Winzerin Marie-Thérèse Chappaz

Ganz nach dem Motto „Ladies first“ kommt die Königin des Wein­baus im Wallis, Marie-Thérèse Chappaz, an erster Stelle.

Die Wein­berge von Chappaz im Rhône-Tal sind steil, und die Reben
müssen zum Teil per Seilzug ange­fahren werden.

Wer das Glück hat, mit ihr durch ihre steilen, gepflegten, seit 2003 biody­na­misch bewirt­schaf­teten Klein­par­zellen zu gehen, lernt, was es bedeutet, Freude und Verant­wor­tung glei­cher­maßen an einem Wein­berg und dessen Früchten zu haben.
Alle Weine, aber ganz beson­ders ihre Preziosen, die weiße Petite Arvine, Ermi­tage Blanc oder Humagne Rouge, versprühen groß­zügig den Duft, die ganze Aromatik des Wein­gar­tens, in dem sie gewachsen sind. Fazit: Die kraft­vollen, harmo­ni­schen Urge­steine der Grande Dame sind beein­dru­ckend, und die Süßweine schme­cken umwer­fend gut.

Bezug: www​.gute​-weine​.de

CHANTON

Josef-Marie und Marlis Chanton mit ihrem Sohn Mario Chanton

Die Kellerei Chanton im Walliser Visp hat sich ganz und gar dem Schutz alter, auto­chthoner Rebsorten, dem ampelo­gra­fi­schen Schatz des Schweizer Wein­baus verschrieben.
Es lohnt unge­mein, die seltenen Sorten wie Gwäss, Himbertscha, Lafnet­scha oder Rèze mit ganz eigenem Charakter neben den Klas­si­kern Chas­selas, Sava­gnin, Gamay und Pinot Noir zu verkosten – hier öffnet sich eine völlig neue Wein­di­men­sion.

Bezug: www​.schwei​z​er​wei​ne​on​line​.de

GERMA­NIER

Jean-René Germa­nier und Gilles Besse in Vétroz im Rhône-Tal

Gilles Besse, Mitin­haber und Önologe bei Jean-René Germa­nier in Vétroz, war früher ein Jazz-Saxo­fo­nist und ist es, so ganz nebenbei, heute immer noch.

Die Boden­be­schaf­fen­heit an den steilen Hängen des Wallis
ändert sich mit jeder Parzelle. 

Der Neffe von Jean-René Germa­nier, dem ehema­ligen Natio­nalrat, treibt das Weingut nicht nur in der Schweiz ­voran.
Ob , , , , Paris, London oder – Gilles kann in seiner Mission als Botschafter für die beein­dru­ckenden Weine von Germa­nier auf der ganzen Welt ange­troffen werden. Cayas, sein Para­de­wein aus Syrah, genießt auch im 20. Jahr­gang 2015 – und das mit vollem Recht – Kult­status.

Bezug: www​.linke​-weine​.de

GANTEN­BEIN

Die Winzer Daniel und Martha Ganten­bein
(Foto: Hans-Peter Siffert / Wein​welt​foto​.ch)

Martha & Daniel Ganten­bein sind meine Helden der Präzi­sion und des Bündner Rhein­tals.
Mit ihrem Char­donnay und Pinot Noir haben sie Maßstäbe für Weine aus der Schweiz in der inter­na­tio­nalen Wein­szene gesetzt. Sie kennen die Heimat dieser Trau­ben­sorten, das Burgund, wie ihre Westen­ta­sche und sind in der ganzen Welt stets auf der Suche nach dem Aller­besten.

Im Keller des Wein­guts Ganten­bein wird weder gepumpt
noch filtriert, damit die Trau­ben­qua­lität auf dem Weg
in die Flasche erhalten bleibt.

Und sie streben danach, es in ihrem muster­gül­tigen, auf jedes Detail des Produk­ti­ons­pro­zesses einge­rich­teten Wein­keller zu inte­grieren.

Bezug: www​.moeven​pick​-wein​.de

BOVARD

Über­nahm 1983 als Vertreter der zehnten Genera­tion der Familie
das Weingut am Genfer See: Louis Phil­ippe Bovard

Louis-Phil­ippe Bovard aus Cully am Genfer See ist nicht nur der Grand­sei­gneur des Dézaley, für mich ist er der Monsieur du Chas­selas.

Trotz seines hohen Alters ist sein Einsatz für die Qualität der Rebsorte, die auch massen­weise ange­baut wird, uner­müd­lich. Immer noch reist er um die Welt, um für die besten Chas­selas von Dézaley, Aigle, Epesses, St. Saphorin bis Yvorne eine Lanze zu brechen.
Sein Dézaley Médi­nette Réserve wird zu Recht als Grand Cru gefeiert.

Bezug: www​.linke​-weine​.de

DONATSCH

Heidi, Martin und Thomas Donatsch in ihrer Winzer­stube
(Foto: Nicola Pitaro)

Die Familie Donatsch betreibt in Malans, Grau­bünden, ein Weingut mit Winzer­stube wie aus dem Bilder­buch. Char­donnay und Pinot Noir sind die Haupt­ak­teure im Programm.

Sie räumen Jahr für Jahr höchste Noten in den Wein­ga­zetten ab, was ich doppelt unter­strei­chen kann. Dabei benö­tigen beide viel Zeit zur Reife, nicht anders als die größten Vorbilder des Burgund. Die uralte weiße Malan­ser­rebe Completer spielt dabei eine Neben­rolle – aber was für eine. Unbe­dingt probieren!

Bezug: www​.gute​-weine​.de