Sapir Heller

Gleichnis über Grup­pen­dy­namik

von Antoinette Schmelter-Kaiser

14. Februar 2022

Am Münchner Volkstheater hatte am 12. Februar 2022 Animal Farm nach George Orwells Fabel Premiere. Sapir Heller setzte das Werk mit der Musik von Ralph Heidel und in den Dekorationen von Anna van Leen in Szene.

Die Ausstat­tung beschränkt sich auf ein abso­lutes Minimum: In der Mitte der Bühne domi­niert ein multi­funk­tio­nales Bauge­rüst, von oben hängt ein Schild mit der Aufschrift „Herren­farm“ herab. Mehr braucht Sapir Heller nicht für ihre Insze­nie­rung von George Orwells Klas­siker Animal Farm am Münchner Volks­theater. Denn die setzt ganz auf ein Dutzend junger Darsteller, das, auf das jeweils Charak­te­ris­ti­sche verknappt, revol­tie­rende Bauernhof-Tiere verkör­pert. Bevor die Tiere gemein­same Sache machen, um sich nicht länger von Menschen beherr­schen und ausbeuten zu lassen, führt als Clou ein echter Hund mit der Stimme eines mensch­li­chen Erzäh­lers aus dem Off in die Hinter­gründe der Hand­lung ein.

Szenenbild von Animal Farm am Münchner Volkstheater
Aus Gleich­heit, Gerech­tig­keit und Soli­da­rität werden macht­hung­rige Schweine
(Foto: © Judith Buss)

Dann nehmen die Gescheh­nisse ihren Lauf, bei denen die Tiere zunächst eupho­risch ihren Befrei­ungs­schlag feiern und ein neues System namens Anima­lismus etablieren wollen, das auf Gleich­heit, Gerech­tig­keit und Soli­da­rität basiert. Doch schnell bilden sich Struk­turen aus Bestim­mern, Befehls­emp­fän­gern und oppor­tu­nis­ti­schen Mitläu­fern heraus. Kritiker werden mundtot gemacht, diffa­miert und skru­pellos elimi­niert. Übrig bleiben macht­hung­rige Schweine, die zu dikta­to­ri­schen Allein­herr­schern mutieren, und fügsame Pferde, die für sie schuften.

Stim­mige Choreo­gra­phie

Von George Orwell als Alle­gorie auf Sozia­lismus, Kommu­nismus und Stali­nismus ange­legt, über­setzt Sapir Heller Animal Farm in ein zeit­loses Gleichnis über Grup­pen­dy­namik, die zwischen Herr­schafts­an­spruch, Anpas­sung und Wider­stand laviert. Dabei verlässt sie sich nicht nur auf das Zusam­men­spiel und die Dialoge ihres Ensem­bles, sondern lässt dessen Bewe­gungs­ab­läufe von Jenny Schinkler – egal ob als einzelne Figur oder in der Gruppe – stimmig choreo­gra­phieren. In Kombi­na­tion mit eigens kompo­nierter Musik von Ralph Heidel wird Orwells Botschaft auf viel­schich­tige Weise trans­por­tiert und erreicht damit bei der Première ein begeis­tertes Publikum.

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Informationen zu den weiteren Aufführungsterminen von Animal Farm nach George Orwell am 19., 20., 25. und 26. Februar sowie am 7., 16., 17., 23. und 24. März 2022 am Münchner Volkstheater unter: www.muenchner-volkstheater.de

Fotos: Judith Buss