Was ist hier gesucht?

Ein mysti­scher Ort

von crescendo Redaktion

19. Mai 2021

Auf mich zu treffen, ist schmerzhaft. Es tut weh. Sehr sogar. Dieser Schmerz ist körperlich, er ist real.

Ach, Sie auch hier!? Na dann, herz­lich will­kommen. Machen Sie es sich doch bequem. So gut wie es halt eben hier geht. Ich weiß schon, auf mich zu treffen, ist schmerz­haft. Es tut weh. Sehr sogar. Es ist mehr als nur verletzter Stolz. Dieser Schmerz ist körper­lich, er ist real. Er kracht und knackst. Wer mit einem blauen Auge davon kommt, tut dies im wahrsten Sinne des Wortes. Hat Glück im Unglück, wenn man es so nennen will. Denn wenn sie mich treffen, dann sind sie ganz unten ange­kommen. Sie sind sozu­sagen abge­stürzt – vorzeitig und meis­tens auch unab­sicht­lich.

Volle Kanne rauf auf den Brat­schisten

In beispiels­weise erzählt man sich heute noch gerne eine bestimmte Anek­dote. Und zwar die von der zertrüm­merten Brat­sche. Und das, obwohl sie schon mehr als ein Vier­tel­jahr­hun­dert her ist. Damals machte ein Darsteller bei der Auffüh­rung der Fleder­maus quasi die Fliege. Doch beson­ders weit kam der robuste Sänger zu dieser Zeit nicht. Für ihn ging es nur abwä – und wiederum volle Kanne rauf auf den Brat­schisten. Der hieß damals Howard Grif­fiths. Nach der Vorstel­lung kam dieser zu zwei­erlei Erkennt­nissen: Die Brat­sche ist hin. Und ein Leben als Diri­gent wäre viel­leicht doch etwas unge­fähr­li­cher.

Aber wenn Sie jetzt schon mal hier sind, dann nehmen sie doch auch Platz. Sie müssen entschul­digen, hier ist es ein biss­chen eng. Und manchmal viel­leicht auch ein biss­chen stickig. Sie sind ja schließ­lich nicht der einzige, der hier fest­sitzt. Immerhin, das Gesetz räumt ihnen hier unten 1,3 Quadrat­meter ein. Das muss reichen. Und erschre­cken Sie bitte nicht: Es könnte gleich ein biss­chen lauter werden. Ich sage nur – Berufs­krank­heit!

Der Zustand des Hell­se­hens

Wären sie ein biss­chen früher dran gewesen, sagen wir so im 18. Jahr­hun­dert, dann hätte das hier alles ganz anders ausge­sehen. Damals galt noch das Prinzip der Augen­höhe. Aber dieses Publikum, schreck­lich! Das will ja immer sehen, was auf der Bühne passiert. Aber ich darf nichts Schlechtes sagen: Es war ja sozu­sagen meine Geburts­stunde. Immerhin müssen die anderen – dank mir – nicht neben, geschweige denn hinter der Bühne sitzen. Viel­leicht kennen Sie ja auch Wagner. Ihm war es nämlich am liebsten, wenn man von mir gar nichts mehr sieht. Einen mysti­schen Ort nannte er mich. Der glaubte aber auch, wenn man mich nicht sehe, könne man die Zuschauer in den „begeis­terten Zustand des Hell­se­hens“ versetzen. Verrückt!

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