Dr. Goeths Kuriosa

Bis die Radies­chen flogen!

von Maria Goeth

14. Juni 2018

In den 1950ern und 60ern lieferten sich die beiden Super-Primadonnen Maria Callas und Renata Tebaldi einen filmreifen Zickenkrieg.

„Hörer, Hörer, gelehrt und gespannt, wer singt am schönsten im ganzen Land?“ mag wohl die Frage gewesen sein, die die Gemüter der Opern­fans in den 50er-Jahren erhitzte. Es wurde wild gefochten, ob nun oder die bessere Sängerin sei. Während die Ameri­kaner einen Platz nach der Tebaldi benannten und die Brasi­lianer sich darum rangelten, eine Locke aus ihrer Frisur zu ergat­tern, versuchten die italie­nischen Anhänger der Callas, die Tebaldi mit Tele­fon­terror und Droh­briefen mürbe zu machen. Die Callas selbst setzte sich bei Auftritten der Tebaldi demons­trativ in die Mittel­loge, um die Gegnerin mit bösen Blicken zu durch­bohren. Auf Initia­tive von Tebaldis Mana­gerin, ihrer Mutter Giusep­pina, wurde die Callas daraufhin in eine Seiten­loge verbannt. Die „Tebal­dianer“ ihrer­seits rächten sich damit, die Callas bei Vorstel­lungen in der Mailänder Scala mit Bouquets aus Radies­chen und Sellerie zu bewerfen. In ihrer Kurz­sich­tig­keit soll die Callas einen dieser Radies­chen-Sträuße tatsäch­lich verse­hent­lich aufge­hoben haben. Ihren Fehler erken­nend, bedankte sie sich geis­tes­ge­gen­wärtig für den leckeren Salat.

Die Klatsch­presse freute sich natur­gemäß über den Prima­don­nen­zwist und titelte mit Schlag­zeilen wie „Kampf zwischen Adler und Taube“ oder „Tigerin gegen Engel“. Die Tebaldi über­haupt mit ihr zu verglei­chen, sei, wie Coca-Cola gegen Cham­pa­gner zu halten, war die Callas selbst­be­wusst über­zeugt. Sowieso: Tebaldi habe kein Rück­grat. Doch die Tebaldi selbst, der von keinem Gerin­geren als eine „voce d’angelo“, eine „Engels­stimme“, beschei­nigt wurde, geiferte schlag­fertig zurück: „Frau Callas behauptet, eine Frau von Charakter zu sein, und erklärt zugleich, dass ich kein Rück­grat habe. Meine Antwort: Ich habe etwas, was sie nicht hat, nämlich ein Herz.“