Boris Giltburg beweist sich mit Rachmaninovs 2. Klavierkonzert als Seelenerzähler des Komponisten.

Preis­trä­ger der Kate­go­rie: Solis­ti­sche Ein­spie­lung | Musik 20. / 21. Jh. / Kla­vier

Nach­dem Boris Gilt­burg vor eini­ger Zeit Ser­gei Rach­ma­ni­nows Étu­des-tableaux op. 39 vor­ge­stellt hat, war klar: Der in Mos­kau gebo­re­ne und in Isra­el auf­ge­wach­se­ne Pia­nist beschrei­tet einen voll­kom­men neu­en Weg, um das Werk des rus­si­schen Kom­po­nis­ten in unse­re Zeit zu stel­len. Die­se Ver­mu­tung bestä­tigt er nun mit der Ein­spie­lung des wohl bekann­tes­ten und größ­ten Wer­kes des Kom­po­nis­ten, sei­nem Kla­vier­kon­zert Nr. 2, mit dem Roy­al Scot­tish Natio­nal Orches­tra und Car­los Miguel Prie­to für das Label Naxos.

Beein­dru­ckend, wie Gilt­burg sich als Inter­pret einer­seits zurück­nimmt, es auf der ande­ren Sei­te ver­steht, einen voll­kom­men neu­en und indi­vi­du­el­len Zugang hören zu las­sen. Das zuwei­len Ober­flä­chi­ge, das pro­vo­kant Bom­bas­ti­sche, das Lau­te ver­schwin­det bei ihm hin­ter einer voll­kom­men neu­en Per­spek­ti­ve: Gilt­burg scheint so tief mit dem Werk Rach­ma­ni­nows ver­eint, dass es ihm gelingt, den Geist des Kom­po­nis­ten auf­zu­spü­ren und aus­zu­stel­len. In sei­ner Inter­pre­ta­ti­on erzählt er Geschich­ten, horcht auf das Orches­ter, lässt die Soli neben sei­nem Spiel atmen, reist durch schnee­be­deck­te Land­schaf­ten und vari­iert immer wie­der sei­ne Aus­drucks­for­men. So ent­steht ein 2. Kla­vier­kon­zert, das ener­gie­ge­la­den ist, einen gro­ßen, ein­heit­li­chen Bogen spannt und sich nie­mals ver­rennt – ein zutiefst wahr­haf­ti­ger Rach­ma­ni­now, der ohne Schein nur das Sein aus­strahlt. Eben­so klar und unprä­ten­ti­ös kom­men die Étu­des-tableaux op. 33 daher. Auch hier behält Gilt­burg stets die Erzäh­lung im Auge, lässt sich nie durch Effek­te ablen­ken und steu­ert durch die ver­blüf­fen­de Klang­viel­falt der Par­ti­tur­land­schaft.

ANZEIGE



Vorheriger ArtikelMit Stimme, Haut und Haaren
Nächster ArtikelDie andere Seite des Herrn Witte
crescendo Redaktion
Seit 1997 ist CRESCENDO eines der größten und wichtigsten Kulturmagazine Europas und seit 2010 auch das einzige Premium-Magazin für klassische Musik und Lebensart. Für CRESCENDO ist Klassik nicht nur Musik - sondern ein Lebensstil: Hier finden Sie nicht nur Packendes, Aktuelles und Inspirierendes aus Oper und Konzert, sondern auch aus der Welt der Kulinarik, Reisen und Lebensart.

Artikel kommentieren

Please enter your comment!
Please enter your name here