63. Gstaad Menuhin Festival 2019: 80 Jahre Bartók

Früchte der Freund­schaft

von Ruth Renée Reif

30. August 2019

„Irgendwie fühle ich mich als ein Musiker vergan­gener Zeiten, der von seinem Mäzen zu Gast geladen ist“, schrieb 1939 aus dem schwei­ze­ri­schen an seinen Sohn. „Du weißt, dass ich als Ehren­gast Sachers hier weile. Sie sorgen aus der Ferne voll­ständig für mich. Mit einem Wort, ich wohne ganz allein – in einem volks­kund­lich inter­es­santen Objekt: in einem regel­rechten Bauern­haus. Die Einrich­tung kann jedoch kaum mehr volks­mäßig genannt werden, da das ganze über­kom­for­tabel ausge­stattet ist. Sogar ein Klavier haben sie mir aus hierher geschafft.“ 

Paul Sacher und Béla Bartók 
(By courtesy of Balassi Kiadó, Budapest)

1929 bei einem Konzert in waren Bartók und Paul Sacher, der Diri­gent und Gründer des Basler Kammer­or­ches­ters, einander vorge­stellt worden. Aus dieser ersten Begeg­nung erwuchs eine Freund­schaft, der sich einige der groß­ar­tigsten verdanken. 1936 bekam Bartók von Paul Sacher den Auftrag, für die Feier des zehn­jäh­rigen Bestehens des Kammer­or­ches­ters ein Werk für Streich­or­chester und zusätz­liche Instru­mente zu schreiben. So entstand Musik für Saiten­in­stru­mente, Schlag­zeug und Celesta. Jahre später erin­nerte sich Sacher an den Auftrag und meinte: „Wir konnten damals noch nicht wissen, dass uns ein wahres Meis­ter­werk geschenkt würde.“ 

Im August 1939 befand sich Bartók in jenem Chalet Aellen der Sachers im schwei­ze­ri­schen Saanen und arbei­tete an dem von Sacher beauf­tragten Diver­ti­mento für Streich­or­chester. 80 Jahre Bartók in Saanen – das 63. feierte die Wieder­kehr des Ereig­nisses mit einem Jubi­lä­ums­kon­zert. Das (Bild oben, © Lukasz Rajchert) mit am Klavier spielte Bartóks Diver­ti­mento. Felix Meyer, der Direktor der Paul Sacher Stif­tung, erzählt im Video von der Freund­schaft des unga­ri­schen Kompo­nisten mit dem jungen Schweizer Diri­genten.

Bartók weilte noch in Saanen und schrieb an der von dem Geiger Joseph Szigeti beauf­tragten Partitur zum Sechsten Streich­quar­tett, als am 1. September 1939 der Über­fall Nazi-Deutsch­lands auf erfolgte. Damit war klar, dass Bartok nicht länger in , dessen Regie­rung Hitler unter­stützte, bleiben konnte. Szigeti verschaffte ihm einen gemein­samen Auftritt in Washington, und im März 1940 reiste Bartók in die .

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