Paula Bosch probiert

Hoff­nung vom Kap der guten Weine

von Paula Bosch

27. Juni 2020

Der Beginn einer neuen Zeitrechnung für alle Generationen: Sommelière Paula Bosch über großartige Winzer aus Südafrika, die auf weltweite Anerkennung warten

Denkt man über Südafrikas Weine und deren Entwick­lung seit dem Ende der Apart­heid im Jahr 1991 nach, wird schnell klar, was und wieviel sich hier in weniger als 30 Jahren verän­dert hat. Zwei­fels­ohne hatte es der damals noch relativ junge Weinbau Südafrikas – trotz seiner 350-jährigen Wein­bau­ge­schichte – nicht einfach, den großen Klas­si­kern aus der Welt des Weines zu folgen oder gar zu Tiefst­preisen in den Super­märkten, im Wein­fach­handel oder in der Gastro­nomie welt­weit zu impo­nieren.

Blühendes Namaqualand
Wüsten­blüte im Nama­qua­land: Binnen weniger Tage blüht der Wüsten­boden bunt und prächtig auf.
(Foto: Paula Bosch)

Jahr­zehnt war zumin­dest bei den heutigen Topwin­zern mehr der Quali­täts­fin­dung und dem Aufbau, als dem schnellen Gewinn gewidmet. Dabei sah ich diese Genera­tion in zwei Gruppen geteilt. Da waren die bestehenden Fami­li­en­be­triebe mit langer Tradi­tion, die es heute teil­weise mit besten Quali­täten immer noch gibt, und dann die jungen Wilden, die weit gereisten Neustarter mit inter­na­tio­naler Berufs­er­fah­rung, komplexem Fach­wissen, voller Taten­drang, die mittellos ihren Start in der Heimat wagten. Mit nichts in den Händen, häufig „in the middle of nowhere“, haben sie die ersten groß­ar­tigen Weine der neuen Zeit­rech­nung in Südafrikas Wein­wirt­schaft gekel­tert. Meist geschehen in den Betrieben ihrer Arbeit­geber, um Jahre später mit den finan­ziell erwor­benen Mitteln eigene Wein­güter zu schaffen, die heute zum Teil welt­weit zu den Besten gezählt werden.

Niederländisch-reformierte Kirche in Franschhoek
Die Nieder­län­disch-refor­mierte Kirche in Franschhoek, dem so genannten Fran­zo­sen­winkel, wohin im 17. Jahr­hun­dert Huge­notten auswan­derten
(Foto: Paula Bosch)

Die Verant­wort­li­chen für Südafrikas Wein­wirt­schaft haben im Lauf der Jahre einen vernünf­tigen Katalog mit Bestim­mungen für die Herkünfte, Regionen und auch den ökolo­gi­schen Weinbau heraus­ge­geben. Nach­hal­tig­keit wird hier vorbild­lich gepflegt, die Preise der Weine sind immer noch attraktiv. Was zum finalen Glück der ganzen Branche noch fehlt, sind Icons, ein paar Winner auf dem inter­na­tio­nalen Parket der großen Weine. Nein, Marken­weine sind damit nicht gemeint, aber echte Brands aus kleinen Manu­fak­turen oder aber tradi­tio­nellen Family-Wine­ries, die regel­mäßig bestä­tigen, dass es auch in Südafrika First Grows wie Latour, Mouton-Roth­schild, Sassi­caia, Vega Sicilia oder, oder, oder gibt.

Seit Jahren frage ich mich, warum bei den vorhan­denen gran­diosen Quali­täten noch kein Durch­bruch gelungen ist und woran es liegen mag, dass er nicht schon längst statt­ge­funden hat. Am Marke­ting liegt es wohl kaum, am inter­na­tio­nalen Inter­esse auch nicht. Viel­leicht ist es wie häufig eine Frage des Mutes einzelner Personen, dazu Stel­lung zu nehmen, sich zu posi­tio­nieren. Südafrikas Wine­guide Plat­ters ist im Land zwar führend, dient aber seit Jahren mehr der Verkaufs­för­de­rung, denn der kriti­schen Bewer­tung inter­na­tio­naler Regeln. Mir fehlt in Südafrika die welt­weite Aner­ken­nung einzelner Top-Weine, die zu den Besten der Welt gezählt werden müssen. Die Preis­ent­wick­lung auf dem breiten Markt könnte dadurch trotzdem stabil bleiben, was für alle – Wein­kon­su­menten wie Produ­zenten – ein Vorteil sein mag. Ich habe jeden­falls regel­mäßig Weine im Glas, die im Preis-Leis­tungs­ver­hältnis ihres­glei­chen suchen.

SPRING­FIELD ESTATE IM ROBERTSON-TAL

Das Weingut Springfield Estate
Spring­field Estate im Robertson-Tal am Breede River vor den Lange­berg Moun­tains
(Foto: Spring­field Estate)

In der Wein‑, wie in der Touris­mus­branche galten die tradi­tio­nellen Wein­bau­ge­biete – Stel­len­bosch, Paarl oder Franschhoek – stets als die Hotspots des Landes. Von abseits gele­genen Regionen wie Robertson am Breede River, meeresnah in der trockenen Halb­wüste Kleine Karoo, war – bevor die beiden Geschwister Abrie und Jeanette Bruwer mit ihren Sauvi­gnon Blancs die Welt eroberten – nie die Rede gewesen.

Jeanette und Abrie Bruwer auf ihrem Weingut
Die Geschwister Jeanette und Abrie Bruwer
(Foto: Spring­field Estate)

Seit 1995 keltern die zwei hier ihre eigenen Weine, bril­lant in astreiner Qualität, wie sie zuvor in Südafrika nicht vorhanden war. Abrie setzt ganz auf Terroir, was das Geheimnis seiner deli­katen, frischen, massiv mine­ra­lisch salzigen Weine sein muss.

Die kalk­rei­chen Böden sind über­wie­gend so stein­reich mit felsigem Unter­grund, dass bei der Neupflan­zung von Reben die Löcher in die Erde nur mit Maschinen und Stahl­stangen gestoßen werden konnten. Im bestens ausge­stat­teten Keller wird bei der Vini­fi­ka­tion nur wenn nötig einge­griffen.

Sauvi­gnon Blanc „Life from Stone“ 2018

2018 Sauvignon Blanc "Life from Stone"

Seit Jahren ist hier mein Favorit „Life from Stone“. Nein, das ist kein Icon-Sauvi­gnon Blanc, aber für mich der weiße Star des Hauses und seit über zwanzig Jahren an der Spitze südafri­ka­ni­scher Sauvi­gnons. Mit anzie­hender Fruch­tig­keit von Holun­der­blüte, Schwarzer Johan­nis­beere, Pfir­sich, Stachel­beere. Dezent vege­taler Hinter­grund mit frischem Spargel, Toma­ten­blät­tern, Basi­likum. Tief, reif, glas­klar wie ein Gebirgs­bach, wunder­volle Frische und Länge, animie­render, aber anspruchs­voller und dennoch unkom­pli­zierter Trink­ge­nuss. Oben­drein noch recht preis­wert. Ein frischer ausge­wo­gener Sauvi­gnon, wie ich ihn liebe. Als Solist, zur Entspan­nung, aus purer Freude am Genuss.

Sauvi­gnon Blanc „Life from Stone“ 2018 zu beziehen beim Wein­händler: www​.gari​baldi​.de

ALHEIT VINEY­ARDS AN DER WALKER BAY

Weinkellerei Alheit Vineyards
Alheit Viney­ards im Hemel-en-Aarde-Valley
(Foto: Alheit Viney­ards)

Mit den beiden Alheits, Suzaan & Chris, präsen­tiere ich hier meine Vorstel­lung der neuen Genera­tion des südafri­ka­ni­schen Wein­baus. Ihre kleine, einfache aber funk­tio­nelle Kellerei grün­deten sie 2010 im Hemel-en-Aarde-Valley (Himmel-und-Erde-Tal) in der Region Walker Bay.

Suzaan und Chris Alheit in ihrem Weinkeller
Vertreter einer neuen Genera­tion südafri­ka­ni­schen Wein­baus: Suzaan und Chris Alheit
(Foto: Alheit Viney­ards)

Aus unter­schied­li­chen Gebieten und besten Lagen mit alten, teils uralten Reben produ­zieren sie hier ausschließ­lich Weiß­weine mit Welt­klasse-Niveau. Bislang nur in über­schau­baren Mengen, die sie – so oft sich die Gele­gen­heit ergibt– mit besten Parzellen und Einzel­lagen ergänzen.

Alte Chenin-Reben in bester Lage auf der Farm Nuwedam
Alte Chenin-Reben in bester Lage auf der Farm Nuwedam am Paar­de­berg
(Foto: Alheit Viney­ards)

Ihr letzter Deal 2019 war der Erwerb der Farm Nuwedam am Paar­de­berg von Christa Von la Cheval­lerie – 20 Hektar Chenin Blanc, alte Reben in bester Lage. Die granitrei­chen Wein­berge liegen in direkter Nach­bar­schaft der Swart­land-Helden wie AA Baden­horst und der Sadie Family, weit entfernt vom Stamm­sitz der Walker Bay – egal! Denn damit haben die beiden ein Para­dies mit 1974 bis 1980 gepflanzten Rebstö­cken erworben, die sie teils schon seit 2011 verar­beiten.

Chenin Blanc „Fire By Night“ 2018

„Fire By Night“ ist eine Selek­tion aus drei Flur­stü­cken des Jouberts­kloof. Die edelsten, feinsten, aber auch geschmei­digsten Weine kommen stets aus dieser Parzelle. Maril­len­duft und Noten vom Wein­berg­pfir­sich strömen neben Holun­der­blüten, Jasmin und Teerosen aus dem Glas. Früh­lings­kräuter, Lavendel, Quitte und Birne sind ebenso präsent. Stof­figer, nahezu schmel­ziger Charakter mit unend­li­chem Abgang. Auch 2018 wieder­holt ein Blue­chip unter den Chenins.

Chenin Blanc „Fire By Night“ 2018 zu beziehen über die Wein­ver­sand­hand­lung Wein am Limit: www​.shop​.weinam​limit​.de

STORM WINES IM HEMEL-EN-AARDE-VALLEY

Hannes Storm in seinem Weinkeller
Jung­winzer und Wein­gut­be­sitzer: Hannes Storm
(Foto: Storm Wines)

Auch Hannes Storm ist einer jener Jung­winzer und Wein­guts­be­sitzer, die ich im Vorfeld erwähnt habe. Ausge­rüstet mit großem Wissen, das er quasi beim besten Dutzend Südafrikas Wein­ma­chern in vielen Jahren gesam­melt hat, machte er sich auf die Suche nach geeig­neten Wein­bergen, Parzellen in kleinen Lagen mit bestem Terroir. Und er fand – teil­weise kleine – Flächen für seinen Traum, Reben für den eigenen Wein zu pflanzen.

Sein Gespür dafür führte ihn 2008 in eine Region ins Hemel-en-Aaarde-Valley, zu zwei winzigen Parzellen mit fabel­haftem Terroir und Klein­klima, die für seine beiden Lieb­lings­reben – Char­donnay und Pinot Noir – bestens geeignet waren. Kurz darauf hat er sie im Verhältnis 80 Prozent Pinot zu 20 Prozent Char­donnay bepflanzt. 2012 war sein erster Jahr­gang mit dem Ergebnis von etwa 10.000 Flaschen des Jung­fern­weins. In den folgenden drei Jahren sammelte er weiterhin im Valley Erfah­rung, bis er sich schluss­end­lich 2015 zu hundert Prozent seinem eigenen Projekt widmen konnte.

Trauben in der Presse
Trauben in der Presse – Storm folgt dem fran­zö­si­schem Vorbild
(Foto: Storm Wines)

In der Wein­sti­listik – im Wein­berg wie im Keller – folgt Storm dem fran­zö­si­schen Vorbild, wägt eigene Erkennt­nisse ab, prägt scheinbar ganz locker Weine mit eigener Persön­lich­keit und Charak­te­ristik. Schnell ist die Klasse und Qualität unter Freaks bekannt, die wenigen Flaschen verschwinden ruck­zuck in den Kellern der Kenner und Lieb­ha­bern des Burgun­di­schen Wein­stils. Nur ihre reife Frucht und das präzise Tannin-Manage­ment verrät die nicht fran­zö­si­sche Heimat.

Ignis vom Nordhang, Ridge vom Osten und Vrede vom Nordosten
Pinot Noir von verschie­denen Lagen: Ignis vom Nord­hang, Ridge vom Osten und Vrede vom Nord­osten
(Foto: Storm Wines)

Vom Pinot Noir gibt es drei unter­schied­liche Parzellen, im Nord­hang „Ignis“ mit grani­t­hal­tigen Fels­ge­stein, im Nord­osten „Vrede“, mit stei­nigem, lehm­rei­chem Schiefer und „Ridge“ im kühleren Osten mit weniger Stein, dafür tonhal­tigem Schiefer. Vom 2018er wurden in Summe nur 1.380 Kisten à sechs Flaschen abge­füllt, leider im Weingut längst ausver­kauft.

Pinot Noir „Ignis“ 2017

Mit typi­scher Pino­t­nase, ausla­dende süße Frucht und dezente Blumig­keit. Rote und blaue Beeren­aro­matik, opulente Sauer­kir­sch­noten, frische Erdbeeren, Granat­apfel. Der blumige Duft erin­nert an Hibiskus und Rose und nimmt den Genießer gefangen – und das schon vor dem ersten Schluck. Saftige, süßlich reife Gerb­stoffe, mit weicher, groß­zü­giger, nahezu verschwen­de­risch wirkender Länge und sehr viel Poten­zial für die Zukunft. Ein genialer, fast perfekter Pinot.

Pinot Noir „Ignis“ 2017 zu beziehen über die luxem­bur­gi­sche Wein­ver­sand­hand­lung: www​.taste​-of​-africa​.eu

DAS WEINGUT KANONKOP IN DER REGION STEL­LEN­BOSCH

Das Weingut Kanonkop
Eine alte Kanone als Namens­geber: Kanonkop am Fuß des Simon’s Moun­tain
(Foto: Kanonkop)

Das tradi­tio­nelle, über 140 Hektar große Weingut liegt in der besten Rotwein­ge­gend Südafrikas, zwischen Stel­len­bosch und Paarl unter­halb der Simons­berge. 1910 von J. W. Sauer gegründet, ist es heute im Besitz der Familie Krige. Die beiden Brüder Johann und Paul sind in vierter Genera­tion für den Erfolg dieses Klas­si­kers in Südafrika verant­wort­lich.

Die Winzer Paul (links außen) und Johann Krige (rechts außen) mit ihren Familien
Die Winzer Paul (links außen) und Johann Krige (rechts außen) mit Fami­lien und Hunden
(Foto: Kanonkop)

Der Name der Farm stammt von einer Kanone, die auf einem Hügel stand, um einfah­rende Schiffe zu begrüßen. Heute steht sie am Eingang zur Begrü­ßung der Gäste. Produ­ziert werden ausschließ­lich Rotweine. Jähr­lich etwa 660.000 Flaschen.

Als Beson­der­heit im Weingut werden die über 50 Jahre alten Bush­vine Rebstöcke geschätzt. Die Rotwein­kol­lek­tion von Kanonkop gehört seit Jahren zu den besten des Landes. Beyers Truter, „The King of Pino­tage“, war von 1980 bis 2002 der Wein­ma­cher. Seit 2003 zeichnet Abrie Bees­laar für die Weine verant­wort­lich. Der beste Wein des Hauses ist aller­dings ein Blend, „Paul Sauer“. Damit hat die Familie Krige eigent­lich schon seit Jahren bewiesen, dass in Südafrika groß­ar­tige Weine mit inter­na­tio­nalem Format herge­stellt werden.

Blick in den Weinkeller
Produ­ziert werden auf Kanonkop ausschließ­lich Rotweine
(Foto: Kanonkop)

Pino­tage ist eine Kreu­zung aus Pinot Noir (Vater) und Cinsault, eine Beson­der­heit in Südafrika, die lange als wenig salon­fä­hige Sorte galt. Ihre Rusti­ka­lität und ihr bäuer­li­cher Charakter waren nur zwei der eher unat­trak­tiven Eigen­schaften. Wird sie entspre­chend gezähmt, kann sie lang­le­bige, würzige, teils Rhône-ähnliche, wunderbar schme­ckende Weine liefern.

2017 Pino­tage

Der sehr trockene Jahr­gang 2017 hat kleine Mengen, dafür aber konzen­trierte, groß­ar­tige Weine gebracht. Der breit­ge­fä­cherte Duft erin­nert anfangs an einen afri­ka­ni­schen Gewürz­markt. Er nimmt die Verkoster mit auf eine Reise, die mit Süßholz, Kümmel, schwarzem und rotem Pfef­fer­korn beginnt und mit Kumin, Muskat und vielen anderen Gewürzen endet. Maul­beer- und Kirsch­noten drängen sich vorbei am satten, aber weich­ge­formten Tannin und einer frisch­ge­hal­tenen Frucht­säure. Kraft ist der Gegen­spieler der Würze und Frucht, sie präsen­tiert einen festen, langen Nach­klang mit sehr viel Druck und dichter Struktur. Keines Falls rustikal, authen­tisch ja, aber mit Stil und raffi­niertem Schick.

Pino­tage 2017 zu beziehen über die luxem­bur­gi­sche Wein­ver­sand­hand­lung: www​.taste​-of​-africa​.eu

MULLI­NEUX & LEEU FAMILY WINES AT ROUND­STONE FARM IN SWART­LAND

Chris und Andrea Mullineux
Chris und Andrea Mulli­neux bei Riebeek Kasteel, einer der ältesten Städte Südafrikas
(Foto: Mulli­neux & Leeu)

Die Jahr­mil­lionen alten Granit- und Schie­fer­böden, die das ganze Swart­land (50 km nörd­lich von Kapstadt) durch­ziehen, sind auch die Basis für die Qualität der gran­diosen Weine im kleinen Weingut von Andrea und Chris Mulli­neux, nahe bei Riebeek Kasteel.

Arbeit in den Weinbergen
Vom Rebstock bis zur Flasche ist auf dem Weingut von Andrea und Chris Mulli­neux Hand­werk pur ange­sagt.
(Foto: Mulli­neux & Leeu)

Ich habe sie dort 2016 besucht, um zu erfahren, wo und wie die beiden ihre außer­ge­wöhn­lich feinen Weine – voller Eleganz und Deli­ka­tesse – produ­zieren. Für die Wein­berge blieb leider keine Zeit, aber dafür haben wir die ganze Palette der hoch­feinen Range probieren können. Auch hier ist vom Rebstock bis zur Flasche Hand­werk pur ange­sagt. Außer einer mini­malen Schwe­fe­lung wird den Weinen nichts hinzu­ge­fügt oder wegge­nommen, keine Hefen, Enzyme, Säuren etc.

Chris managte bis 2007 die Tulbagh Winery. Andrea kommt aus Kali­for­nien. Sie war dort seine Keller­as­sis­tentin. Längst sind sie ein Paar und seit 2007 Besitzer der Mulli­neux-Boutique Winery, die sie 2010 endlich fertig­ge­stellt hatten.

Neben der sehr guten Basis-Range gibt es die viel­fach ausge­zeich­nete „Single Terroir Linie“ mit Chenin Blanc in Weiß und Syrah für die drei Rotweine, Granite, Schist und Iron. Von den letzten drei Jahr­gängen bevor­zuge ich Schist 2017, weil er mir in seiner Typi­zität durch und durch einen Oldschool Syrah Style präsen­tiert, ein biss­chen Fran­zö­sisch, aber doch nicht ganz der kühle Stoff des Rhône­typs wie ein Hermi­tage von Gérard Chave oder Chapou­tier.

Syrah „Granite“ 2017

2017 Granite Syrah

Nein, Schist ist noch etwas würziger, hat mehr grüne einge­legte Pfef­fer­körner und Wacholder mit einer Graphit­note, die diesem Wein mehr Eleganz und Frische gibt. Jede Menge seidige Gerb­stoffe, tief­grün­dige Mine­ra­lität und dunkle Frucht­noten im Hinter­grund. Sie belegen den ganzen Gaumen im langen Abgang. Ein Para­de­stück und Vorzei­ge­wein zugleich für seine Herkunft und die Rebsorte, der durchaus jetzt schon probiert, aber besser fünf Jahre später getrunken werden kann.

Syrah „Granite“ 2017 zu beziehen über die Wein­ver­sand­hand­lung Wein am Limit: www​.shop​.weinam​limit​.de

THE SADIE FAMILY WINES IM SWART­LAND

Winzer Eben Sadie
Magier der Reben: der Winzer Eben Sadie mit seinem 100 Jahre alten Rebstö­cken
(Foto: Sadie Family Wines)

Seit nunmehr 20 Jahren produ­ziert Südafrikas Wein­ma­cher und Magier der Reben, Eben Sadie, Meis­ter­werke aus sehr alten, teils 70 bis 110 Jahre alten Rebstö­cken, die in vielen bis zu 60 Kilo­meter verstreuten Parzellen wachsen. Welt­weit erzeugen Ebens Weine Stürme der Begehr­lich­keiten, die dafür sorgen, dass jeder neue Jahr­gang – streng limi­tiert im Online­handel – regel­mäßig in wenigen Minuten ausver­kauft ist.

Paula Bosch zu Besuch bei Rosa Kruger und Eben Sadie
Paula Bosch mit Eben Sadie und Rosa Kruger

Mein Besuch bei ihm im Jahr 2016 zählt zu meinen abso­luten High­lights als Somme­lière. Sadie ist für mich der außer­ge­wöhn­lichste, aber auch konse­quen­teste Wein­ma­cher, dem ich je begegnet bin. Koste es was es wolle, die Qualität der Weine steht vor allem an der ersten Stelle. Dafür lebt und stirbt er, ganz sicher.

Ich glaube, sein Ziel war, schon mit seinem ersten Jahr­gang 1999, südafri­ka­ni­schen Wein eigen­ständig und in aller­bester Qualität zu produ­zieren. Nichts, nicht einmal der Wetter­gott scheint ihn daran zu hindern. Selbst die totale Trocken­heit wie in den Jahren 2014, 2015 oder 2016 konnten ihn nicht aufhalten. Diesem Ziel opferte er auch seine erfolg­reiche Zusam­men­ar­beit mit Dominik Huber im Priorat in Nord­spa­nien.

Rosa Kruger, die Reben­for­scherin – Reben­flüs­terin wäre tref­fender –, ist nicht nur in Südafrika eine Kory­phäe und die wohl bedeu­tendste Kennerin auf diesem Gebiet welt­weit, unter­stützt Eben schon lange auf der Suche nach den besten und ältesten Rebstö­cken. Palla­dius ist sein weißes Para­de­stück, eine Cuvée, die ihres­glei­chen sucht, ebenso wie sein Meis­ter­werk, der rote Colu­mella, benannt nach dem römi­schen Gelehrten, der im 1. Jahr­hun­dert n.u.Z. ein Stan­dard­werk über Weinbau verfasste. Dieser Blend aus Cari­gnan, Cinsault, Gren­ache, Mour­vèdre, Syrah, Tinta Barocca ist eindeutig mein Held in Südafrika. Mein High-End unter Südafrikas Wein­himmel schlechthin, eigen­ständig, indi­vi­duell, ganz und gar ein Wein seines Terroirs und Meis­ters!

Colu­mella 2017

Betö­rend und faszi­nie­rend im Duft wie im Geschmack. Ein Potpourri von Blüten, Beeren, getrock­neten Kräu­tern, Gewürzen und Erde. Ja, Erde mit Schiefer, Eisen und Granit­tönen, die man förm­lich schme­cken kann. Ohne viel Worte einfach umwer­fend mit jedem Schluck. Hendrik Thoma, der deut­sche Impor­teur schreibt dazu: Wer im Colu­mella einen Block­buster erwartet, der wird enttäuscht. Hier regieren mitt­ler­weile die leisen und komplexen Töne. Sehr kühl, mine­ra­lisch, herb, kräutrig, würzig, pfeffrig und keine Trink­mar­me­lade, das sind die Attri­bute die ihn heute auszeichnen. Luft in der Karaffe tut ihm gut, ein paar Jahre Reife auf der Flasche auch.

Colu­mella 2017 zu beziehen über die Wein­ver­sand­hand­lung Wein am Limit: www​.shop​.weinam​limit​.de