CRE­SCEN­DO-Wein­ko­lum­nis­tin Pau­la Bosch über eine wun­der­bar gelun­ge­ne Jubi­lä­ums-Edi­ti­on, die das Haus Wege­ler aus alter Freund­schaft und Ver­bun­den­heit Lud­wig van Beet­ho­ven wid­met.

Dem Rhein­gau gebührt mit der Mosel schon seit eh und je ein beson­de­rer Platz unter den Wein­re­gio­nen Deutsch­lands. Nicht nur wegen der Wein­his­to­rie, son­dern auch auf­grund sei­ner her­aus­ra­gen­den Lage direkt am Rhein und des­sen Neben­arm, dem Main.

Der Rüdesheimer Berg Schlossberg ist die steilste Weinberglage im Rheingau.

Der Rüdes­hei­mer Berg Schloss­berg ist die steils­te Wein­berg­la­ge im Rhein­gau. 
(Foto: © Johan­nes Grau, Ham­burg)

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Hier kom­men ein­fach mehr Fak­to­ren zusam­men, die das Wachs­tum der Reben und deren Güte posi­tiv beein­flus­sen und sie zu ganz gro­ßen Qua­li­tä­ten her­an­rei­fen las­sen: das Mikro­kli­ma, geprägt durch den Rhein und sei­ne Refle­xi­on der Son­nen­strah­len, die wär­me­ren Tem­pe­ra­tu­ren, die Süd­la­gen, die Qua­li­tät und Viel­falt der Böden.

Ass­manns­hau­sen – die Rot­wein­bas­ti­on am Rhein

Die knapp 30 Kilo­me­ter lan­ge Regi­on erstreckt sich von West nach Ost, oder umge­kehrt, vom nörd­li­chen Lorch in die Rot­wein­bas­ti­on Ass­manns­hau­sen, dann nach Rüdes­heim, vor­bei an ers­ten Adres­sen wie Gei­sen­heim, Oestrich-Win­kel, Hat­ten­heim, Elt­vil­le bis Wal­luf, wo die berühm­te Rhein­front vor­erst endet. Die bekann­ten Wein­ber­ge süd­öst­lich von Wies­ba­den haben in Hoch­heim ihre wert­volls­ten Lagen.

Für Ries­ling­fans haben die Rhein­gau­er Wei­ne eine beson­de­re Cha­rak­te­ris­tik.

Die Böden der 3200 Hekt­ar Reb­flä­chen bestehen aus Schie­fer, Quar­zit, Bunt­sand­stein, Mer­gel, Kalk, Ton, Kies und Lehm. Für Ries­ling­fans haben die Rhein­gau­er Wei­ne eine ganz beson­de­re, unnach­ahm­li­che Cha­rak­te­ris­tik, die sie von ihrer Kon­kur­renz, vor allem vom Ries­ling-Cham­pion, der Mosel, unter­schei­det. Durch die deut­lich höhe­ren Tem­pe­ra­tu­ren sind die Wei­ne von Haus aus kräf­ti­ger, volu­mi­nö­ser und stof­fi­ger, im Klar­text: Die Alko­hol­wer­te sind höher. Auch prä­gnan­te Säu­re ist da, jedoch rei­fer, gewöhn­lich auch wei­cher.

Der Arzt Franz Ger­hard Wege­ler war ein Jun­gen­freund Beet­ho­vens. 1830 trat er als Stil­ler Teil­ha­ber
in das Wein­han­dels­haus Deinhard & Tesche ein, des­sen Geschäfts­füh­rung sein Enkel Juli­us Wege­ler über­nahm, und 1838 ver­öf­fent­lich­te er Bio­gra­fi­sche Noti­zen über Beet­ho­ven.

Die gusta­ti­ven Cha­rak­ter­zü­ge eines guten Rhein­weins wur­den in den letz­ten Jahr­hun­der­ten nicht nur von Ein­hei­mi­schen sehr geschätzt, die Rhein­wei­ne waren auch bei Per­sön­lich­kei­ten wie Fried­rich II., Johann Wolf­gang Goe­the, aber auch Lud­wig van Beet­ho­ven beliebt. Beet­ho­vens Vor­lie­be für Rhein­wein ist laut des­sen Ver­le­ger Schott aus Mainz bis kurz vor sei­nem Tod belegt: Die paar Fla­schen, die ihm gelie­fert wor­den waren, muss­te er vom Ster­be­bett aus mit den letz­ten Wor­ten „Scha­de, scha­de, zu spät“ ste­hen las­sen. Lud­wig van Beet­ho­ven und Franz Ger­hard Wege­ler waren lebens­lan­ge Freun­de. Die ein­zi­ge Oper Beet­ho­vens, Leo­no­re, spä­ter in Fide­lio umbe­nannt, ist Wegelers Ehe­frau Eleo­no­re gewid­met, die ehe­mals eine Kla­vier­schü­le­rin Beet­ho­vens war.

Juli­us Wege­ler hei­ra­te­te 1861 die Deinhard-Toch­ter Emma. Als deren Vater August Deinhard
über­ra­schend starb, wur­de er mit der Lei­tung der Fir­ma beauf­tragt.

Zum 250. Geburts­tag Beet­ho­vens hat das Haus Wege­ler eine Jubi­lä­ums-Wein-Edi­ti­on abge­füllt. Die ist so gut gelun­gen, dass der fei­er­li­che Anlass damit wirk­lich wür­dig gefei­ert wer­den kann.

Arbei­ten am kon­ti­nu­ier­li­chen Auf­stieg des Wein­guts Wege­ler:
Anja Wege­ler-Drie­se­berg und Tom Drie­se­berg

(Foto: © Hans-Jür­gen Heyer)

Das Wein­gut Wege­ler bewirt­schaf­tet in lan­ger Tra­di­ti­on im Rhein­gau heu­te 45 Hekt­ar Reb­flä­chen aus aller­bes­ten Lagen der Regi­on. Dr. Tom Drie­se­berg arbei­tet seit Jah­ren mit sei­ner Frau Anja Wege­ler-Drie­se­berg am kon­ti­nu­ier­li­chen Auf­stieg des Wein­guts, heimst höchs­te Bewer­tun­gen für die gro­ßen Gewäch­se sowie edel­sü­ßen „Sah­ne­häub­chen“ ein, ergat­ter­te neben vie­len ande­ren Aus­zeich­nun­gen 2019 den Vinum-Titel „Win­zer des Jah­res“ im Rhein­gau und sorgt mit Weit­blick für bes­te Wein­qua­li­tät in der Zukunft. Ob jugend­lich frisch oder sen­sa­tio­nell gereif­te Jahr­gän­ge: Tom Drie­se­berg hat den Erfolg sei­nes ehe­ma­li­gen Senior­Kel­ler­meis­ters Nor­bert Hol­der­rieth mit dem ein­zig­ar­tig deut­schen Wein­pro­jekt des Ries­lings „Geheim­rat J“, einer Cuvée aus bes­ten Lagen, immer im Blick­win­kel, denn der Wein ist längst ein Sign­um­ries­ling für bes­te Qua­li­tät nicht nur aus dem Rhein­gau, son­dern aus ganz Deutsch­land.

O, WELCHE LUST!

Der RIESLING SEKT BRUT prä­sen­tiert sich in hel­lem, blas­sem Grün­gelb mit zahl­rei­chen klei­nen Per­len, dicht zusam­men­ge­fügt zu einem fei­nen Kranz mit fes­tem Schaum. Erfri­schen­der grü­ner Apfel­ton, Limet­ten, Kiwi und Sta­chel­bee­re. Grü­ne, fri­sche Gar­ten­kräu­ter, aus­ge­präg­te Ker­bel­no­te. Ein eben­so ein­la­den­der wie anspre­chen­der Duft und Geschmack. Aus­ge­wo­gen, aber for­dernd, jugend­lich frisch im Mund mit saf­ti­ger Säu­re, anhal­ten­der Län­ge und cre­mig schme­cken­der Mousseux. Ide­al zum musi­ka­li­schen Auf­takt gro­ßer Ereig­nis­se.

2018 O, NAMENLOSE FREUDE!

Im ers­ten Duft noch nicht ganz geöff­net. Dezent, zurück­hal­tend wirkt der ers­te nasa­le Ein­druck des RIESLING QBA, TROCKEN. Zitrus­früch­te wie Pome­lo, Limet­te und Man­da­ri­ne geben die ers­ten Tak­te vor. Im Mund tan­zen­de, sprin­gen­de Säu­re, schlan­ke Struk­tur, mit flie­gen­dem Kör­per zur Leich­tig­keit nei­gend. Fein­glied­rig und per­fekt geschlif­fen, unter­streicht die­se Fri­sche den leich­ten und zar­ten Cha­rak­ter eines ver­meint­lich ein­fa­chen Ries­lings.

2016 O, WELCHE WONNE!

Hell­gelb mit grü­nen Refle­xen. Wei­ße Blü­ten, vor allem Aka­zie, Kas­ta­ni­en, Ber­ga­mot­te. Cavail­lon- und Honig­me­lo­ne, Kak­tus­früch­te. Die ganz wun­der­ba­re Frucht­fül­le die­ses RIESLING SPÄTLESE TROCKEN endet zum Fina­le in einem Pot­pour­ri vege­ta­ler Genüs­se. Ein raf­fi­nier­ter Stepp­tanz zwi­schen Säu­re und Frucht­sü­ße spielt sich auf der Zun­ge ab. Der Gau­men wirkt wie ein Orches­ter­saal vol­ler Leben, Tanz und Genuss, weil die Har­mo­nie der zahl­rei­chen Kom­po­nen­ten schnell zum Höhe­punkt fin­det.

2013 O, HIMMLISCHES ENTZÜCKEN!

Gereif­tes Stroh­gelb. Der RIESLING SPÄTLESE TROCKEN ent­wi­ckelt in der Nase leb­haf­tes Aro­ma. Hel­le Honig­tö­ne, fri­sche Apri­ko­se, Cox Oran­ge, exo­ti­sche Frucht wie getrock­ne­te Ana­nas, Gra­nat­ap­fel­ker­ne und Fei­gen. Leben­di­ge aus­ge­präg­te Säu­re, prä­sent und for­dernd mit mund­wäs­sern­der Art. Lang anhal­ten­de Prä­senz mit viel Nach­druck und pure Trink­freu­de. In Sum­me ein har­mo­ni­sches Mit­ein­an­der wie bei einem gro­ßen Orches­ter.

2011 O, WELCH EIN AUGENBLICK!

Das Wein­gut Kro­ne auf dem steil auf­ra­gen­den Höl­len­berg in Ass­manns­hau­sen, der als
die berühm­tes­te deut­sche Rot­wein­la­ge gilt

Gereif­tes hel­les Kar­me­sin­rot mit oran­ge­far­be­nen Refle­xen zum Glas­rand. Schon die ers­ten Ein­drü­cke in der Nase prä­sen­tie­ren das aus­ge­reif­te Poten­zi­al des SPÄTBURGUNDER, QBA, TROCKEN (Wein­gut Kro­ne, Ass­manns­hau­sen). Sanf­te Wald­tö­ne von feuch­tem Laub, Moos, fri­sche Wald­pil­ze, Lakrit­ze, Zwetsch­gen­mus. Ver­steck­te Röst­aro­men vom Holz, leich­te Tabak­no­ten. Die Tan­ni­ne sind reif, enden in einem geglück­ten Fina­le eines trink­rei­fen Pinot Noir bes­ter Her­kunft.

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