Freie Sicht ins Publikum

Rätsel: Was ist hier gesucht?

Die Einsicht ist hart: Man wird im Prinzip nur durch die anderen zu dem, was man ist. 

Was verbirgt sich hinter diesem Text?

Wollen wir an dieser Stelle einmal den großen Moritz Gottlieb Saphir zitieren, den berühmten österreichischen Feuilletonisten, Satiriker und Kritiker. Denn dann wird nicht nur dem geneigten Leser das ganze Problem ersichtlich. Nun denn: „Du hältst dich für den Ersten, für den Einzigen. Bist du der Einzige, wie kannst du der Erste sein? Bist du der Erste, wie kannst du der Einzige sein?“ Frappierend. Was soll man dazu noch viel sagen? Recht hat er. Erster kann man nur dann sein, wenn es noch genügend viele andere gibt, die hinter oder neben einem stehen,  sitzen, laufen oder spielen. Ein Erster ist oftmals doch nicht viel mehr als ein Primus inter pares. Und etwas anderes ist dieses Geschöpf ja auch ohnehin nicht. Darauf weist der Name schon ausdrücklich hin. Nach einer Eins muss logischerweise eine Zwei kommen.

Kein Grund zur Überheblichkeit

Gut, vielleicht gibt es hier und da noch ein kleines Solo. Aber was soll’s. Wir wollen mal nicht so kleinlich sein. Kein Grund für ein derart übersteigertes Selbstbewusstsein. Hier macht doch jeder nur seinen Job. Und ein bisschen Solo macht noch lange keinen Star. Also kein Grund zur Überheblichkeit. Wichtig ist, wenn es keine anderen gibt, kann man so lange Erster sein, wie man will. Es interessiert dann nur eben niemanden. Und auf Dauer als Erster allein zu sein, macht doch auch ziemlich einsam. Und man kann noch so lange und beharrlich allein in der ersten Reihe sitzen, dadurch wird es auch nicht besser. Denn wenn es keine Reihen drumherum gibt, dann ist die erste Reihe keinen Pfennig wert. Die Einsicht ist hart: Man wird im Prinzip nur durch die anderen zu dem, was man ist. 

Besondere Arm- und Beinfreiheit

Und das Image ist, offen gesagt, nicht gerade positiv besetzt. Das wird nicht zuletzt daran deutlich: Dieses Erster-Sein hat im Laufe der Zeit den Weg heraus aus der Musik und hinein in unsere Alltagssprache gefunden. Allerdings als oftmals wenig schmeichelhafte Floskel. Ehrgeiz wird damit verbunden, in gewisser Weise auch Egoismus und ein dringender Hang, im Mittelpunkt des Interesses zu stehen. Doch ganz so schlimm ist der oder die Erste nun auch wieder nicht. Schließlich hat dieser Job auch etwas mit Verantwortung zu tun. Nicht nur für sich, sondern für das ganze Orchester. Denn der Erste hält alles zusammen. Er gibt im wahrsten Sinne des Wortes den Ton an. Und sagt, wo es langgeht. Wenn er aufsteht, tun es die anderen ihm nach. Vorteil des Jobs: besondere Arm- und Beinfreiheit. Und freie Sicht ins Publikum. 

Wissen Sie, was wir suchen? Die Auflösung finden Sie auf der nächsten Seite!

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