CRESCENDO-Weinkolumnistin Paula Bosch stellt Rotweine aus Frankreich vor: Entdeckungen entlang der Loire, aus dem Luberon, aus der Weinregion Beaujolais und an der Rhône. 

Frankreich ist seit Jahrzehnten das Land, an dem sich die internationalen Weinstandards orientieren. Anbaugebiete wie das Bordelais, die Bourgogne, die Champagne, die Loire oder das Rhônetal entwickelten spätestens in den 80er-Jahren für Weinfreunde magnetische Anziehungskräfte. Und doch gibt es immer noch Rotweine, von deren Existenz man wenig bis gar nichts weiß. Bis jetzt…

Weinbau entlang der Loire

Blick über die Weinberge an der Loire
(Foto: © Le Domaine Vincent Pinard)

Den Wein vieler Regionen entlang der Loire schätzte man schon den frühen 1980er-Jahren. Die bekanntesten unter ihnen: die Weißweine Muscadet, Sancerre und Pouilly-Fumé. Dass die Loire auch Rote zu bieten hat, ist eine äußerst lohnenswerte Entdeckung.

LE DOMAINE VINCENT PINARD

Clément und Florent, die Söhne von Vincent Pinard, arbeiten gemeinsam auf dem Weingut.
(Foto: © Le Domaine Vincent Pinard)

Die aromatischen weißen Sauvignon Blancs aus Sancerre kennen Weinfreunde. Aber Sancerre rouge? Ja, und dieser Wein von Vincent Pinard stellt klar, dass es sehr wohl roten Sancerre der Extraklasse gibt.

Weitere Informationen zum Domaine Vincent Pinard unter: www.domaine-pinard.com

2018 Charlouise Sancerre rouge

Ein Pinot Noir, dessen Duft schon ungemein verführerisch ist: Rosen, Himbeeren, Hagebutten, süße Walderdbeeren, fein und delikat. Auch das dezente Holz und der Geschmack passen sich an: reife rote Früchte, süße Honigtomaten, frische Säuren, perfekte Harmonie – einfach köstlich. Viel mehr zu sagen gibt es da nicht: Man muss diesen Rouge getrunken haben.

Zu beziehen u.a.: www.wein-kreis-de

LE DOMAINE DES ROCHES NEUVES

Thierry Germain in seinem Weinkeller
(Foto: © Le Domaine Vincent Pinard)

Der erstklassige Cabernet Franc kommt von einem der ganz Großen an der Loire: Thierry Germain. Zu beschreiben, was so besonders ist an seinen Weinen, würde diesen Text sprengen. Nur so viel: Seine Freundschaft zu den Foucault-Brüdern, jenen Genies der Domaine Clos Rougeard, hat viele Früchte getragen. Seit dem Jahr 2000 ist er biozertifiziert, Tees zur Behandlung der Reben produziert er selbst.

Weitere Informationen zum Domaine des Roches Neuves unter: www.rochesneuves.com

2017 Clos de L’Échelier rouge

Der blutjunge Cabernet Franc strahlt, glänzt im tiefen Rubinrot und bindet einen Strauß von Aromen roter wie blauer Beeren, Veilchen, Hibiskus, Rosen, Lorbeer, Wacholder, schwarzem Pfeffer und vielem mehr. Das satte und dichte Tannin mit dennoch leichtfüßigem, sogar erfrischendem Geschmack dank lebendiger Fruchtsäure begeistert!

Zu beziehen u.a.: www.gute-weine.de

Das Weinbaugebiet Côtes du Luberon

Das Luberon im Hinterland der Provence
(Foto: © Guillaume Gros, Antonin Bonnet)

Wenige Kilometer nördlich von Aix-en-Provence, östlich Saint-Rémy, quasi im Hinterland der Provence, liegt das Luberon. Hier scheint neben sehr viel Sonne die Zeit stillzustehen. Im Umfeld der pittoresken Dörfer Oppède und Maubec hat der ehemalige Sommelier Guillaume Gros, ein Star seiner Profession, seine Reben.

LE DOMAINE GUILLAUME GROS

Begann mit wenigen Weinbergergen: Guillaume Gros
(Foto: © Guillaume Gros, Antonin Bonnet)

Vor 20 Jahren hat Gros mit wenigen Weinbergen der Familie begonnen. Heute bearbeitet er acht Hektar in unterschiedlichen Lagen mit Parzellen, die jede für sich ein eigenes Mikroklima mit großen Tag- und Nachttemperaturunterschieden hat. Bepflanzt sind sie mit den roten Rebsorten der Provence: Grenache, Mourvèdre, Carignan und Syrah. Was für ein Wein aus dem Hinterland der Provence, perfekt für den Einstieg in die GrosLinie!

Weitere Informationen zum Domaine Guillaume Gros unter: www.domaineguillaumegros.com

2014 Domaine Guillaume Gros Cuvée

Voller Aromatik des Südens, wilde, getrocknete Kräuter aus der Region, Blüten und rote Beeren. Lavendel, Granatapfel, Heidelbeere. Wild, gegerbtes Leder, auch etwas animalisch. Saftiger Gerbstoff, straffe Textur, dennoch mit frischer Säure und sehr gutem Trinkfluss. Charaktervoll bis zum letzten Tropfen.

Zu beziehen u.a.: www.pinard-de-picard.de

Die Weinregion Beaujolais

Paul-Henri Thillardon in seinem Weingarten
(Foto: © Le Domaine Thillardon)

Die Region ist seit Jahren aufgrund des einst unsäglichen Hypes um den Beaujolais-Primeur unterschätzt. Langsam öffnet sich aber da und dort eine Tür, der Überraschungseffekt ist perfekt: Es gibt ungeahnte Qualitäten zu entdecken.

LE DOMAINE THILLARDON

Dynamische Bewirtschaftung am Weingut Thillardon
(Foto: © Le Domaine Thillardon)

Aus der besten Lage der Thillardons kommt dieser unglaublich frische, verführerisch duftende Gamay, der nicht nur seiner Rebsorte oder Herkunft, sondern auch seinen Erzeugern alle Ehre macht.

Weitere Informationen zum Domaine Thillardon unter: domainethillardon.com

2019 Chénas „Chassignol“

Rubinrot, reich an Aromatik frischer Erdbeeren, Himbeeren, roter Johannisbeeren, getrockneter Pflaume, Lakritz, mit einer steinigen, an Grafit erinnernden Würze, die dem Wein eine Typizität schenkt, die für die Weine aus der kleinsten Region des Beaujolais, Chénas, unverkennbar ist. Der geringe Ertrag der uralten Reben tut sein Übriges für die hohe geschmackliche Konzentration und Kraft. Dennoch wirkt der Wein leicht, elegant, sehr lebendig mit einer glockenklaren Tiefe, einer ganz feinen Textur, und das trotz der zahlreichen, feinkörnigen Tannine.

Der Jahrgang 2019 ist leider ausverkauft.

Weinbau an der Rhône

Blick über den Weinberg des Domaine Clos des Papes
(Foto: © Clos des Papes)

Das Anbaugebiet ist Frankreichs älteste und geschichtsträchtigste Weinregion, 205 Kilometer lang von Vienne bis Avignon. Die Roten aus dem kühleren Norden sind meist reinsortig aus Syrah, im mediterranen Süden herrscht ein buntes Allerlei. So sind in einem Châteauneuf-du-Pape 13 verschiedene Rebsorten erlaubt. Die absolute Spitze findet man bei Vincent Avril.

LE DOMAINE CLOS DES PAPES

Vincent Avril im Weinberg der Domaine Clos des Papes
(Foto: © Clos des Papes)

Der Jahrgang 2019 kann mit dem ganz großen 2007er auf eine Stufe gestellt werden. Danach eine vergleichbare Qualität zu finden, wird schwer. Eine echte Leistung, bedenkt man, dass die Cuvée aus mehreren Rebsorten aus 24 verschiedenen, weit verstreuten Parzellen verschnitten ist und auch kein neues Holzfass eingesetzt wird. Es ist der einzige rote Châteauneuf in diesem Keller, und der ist von extravaganter Qualität.

Weitere Informationen zum Domaine Clos des Papes unter: www.chateauneuf.dk

2019 Châteauneuf-du-Pape

Purpurrot glänzt er im Glas und verströmt würzige Aromatik mit einer Vielfalt an Düften, wie man sie nur in ganz großen Weinen und Jahrgängen finden kann. Hier stimmt einfach alles. Man riecht die Klasse und schmeckt einen großen Wein, voll, rund, mit dem Saft reifer Früchte und viel Kraft. Ein Energiebündel, das in seiner Jugend schon größtes Vergnügen verbreitet. Worte sind zu wenig – man muss ihn probieren!

Zu beziehen u.a.: www.gute-weine.de

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