CRESCENDO-Weinkolumnistin Paula Bosch über das Weinland Schweiz, in dem einzigartige Rebsorten und Winzer beweisen, dass mit Einsatz und Leidenschaft alles möglich ist

Die Besonderheit des gebirgsreichsten Weinlandes in Europa, der Schweiz, liegt nicht in der Größe seiner Rebflächen oder der produzierten Mengen, sondern in der Schönheit der alpinen Weinregionen. Allen voran das Wallis im Herzen der Alpen mit seinen halsbrecherischen Steillagen in bis zu 1100 Höhenmetern, dann das Waadland mit den unzähligen Kleinstterrassen am Ufer des Genfer Sees.

Besitzt die höchsten Weinberge Europas: die Schweiz.
Blick auf die Steilhänge des Rhône-Tales im Wallis 

Im Süden beeindruckt das mediterran angehauchte Tessin, und in der Deutschschweiz ist Graubünden ein Beispiel für die relevanten Schönheiten der Schweizer Weinwelt. Weit mehr als drei Viertel aller Weine des Landes werden hier produziert.

Unzählige Kleinstterrassen: Weinbau am Ufer des Genfer Sees

Für den guten Ruf der Schweizer Weine zeichnen etwa zwei Dutzend Winzer verantwortlich, die weltweit anerkannte und mit höchsten Preisen ausgezeichnete Weine produzieren. Sie liefern regelmäßig überragende Qualitäten aus internationalen wie auto­chthonen Rebsorten; daneben auch Raritäten, die nur noch in der Schweiz angebaut werden.
Ermöglicht wird ihnen der partiell extreme Weinbau durch das günstige sonnenreiche und trockene Klima, die warmen Föhnwinde, die steinreichen­ Höhenlagen sowie die von Parzelle zu Parzelle wechselnde Bodenbeschaffenheit.

Geprägt von den Alpen: die Weinregion Graubünden
(Foto: © Nicola Pitaro)

Die Kleinstmengen der produzierten Besonderheiten, die internationale Vergleiche nicht scheuen, sind mit ein Grund für die ambitionierte Preispolitik, die in der Schweiz als angemessen betrachtet und akzeptiert wird. Die besten Weingüter haben alle lange Wartelisten für eventuelle Neukunden, die irgendwann ein paar der wenigen Flaschen erwerben möchten. So gelten heute schon bestimmte Weine als nationale Weinhelden, ähnlich wie Heidi, Wilhelm Tell, die Uhrenbranche, Schweizer Käse oder Schokolade.

DAS WEINGUT CHAPPAZ

Folgt den anthroposophischen Grundsätzen biologisch-dynamischer
Landwirtschaft: die Winzerin Marie-Thérèse Chappaz

Ganz nach dem Motto „Ladies first“ kommt die Königin des Weinbaus im Wallis, Marie-Thérèse Chappaz, an erster Stelle.

Die Weinberge von Chappaz im Rhône-Tal sind steil, und die Reben
müssen zum Teil per Seilzug angefahren werden.

Wer das Glück hat, mit ihr durch ihre steilen, gepflegten, seit 2003 biodynamisch bewirtschafteten Kleinparzellen zu gehen, lernt, was es bedeutet, Freude und Verantwortung gleichermaßen an einem Weinberg und dessen Früchten zu haben.
Alle Weine, aber ganz besonders ihre Preziosen, die weiße Petite Arvine, Ermitage Blanc oder Humagne Rouge, versprühen großzügig den Duft, die ganze Aromatik des Weingartens, in dem sie gewachsen sind. Fazit: Die kraftvollen, harmonischen Urgesteine der Grande Dame sind beeindruckend, und die Süßweine schmecken umwerfend gut.

Bezug: www.gute-weine.de

DIE KELLEREI CHANTON

Josef-Marie und Marlis Chanton mit ihrem Sohn Mario Chanton,
dem heutigen Betriebsleiter der Kellerei Chanton im Wallis

Die Kellerei Chanton im Walliser Visp hat sich ganz und gar dem Schutz alter, autochthoner Rebsorten, dem ampelografischen Schatz des Schweizer Weinbaus verschrieben.
Es lohnt ungemein, die seltenen Sorten wie Gwäss, Himbertscha, Lafnetscha oder Rèze mit ganz eigenem Charakter neben den Klassikern Chasselas, Savagnin, Gamay und Pinot Noir zu verkosten – hier öffnet sich eine völlig neue Weindimension.

Bezug: www.schweizerweineonline.de

DAS WEINGUT GERMANIER

Jean-René Germanier und Gilles Besse in ihrem Weigarten
in Vétroz im Rhône-Tal

Gilles Besse, Mitinhaber und Önologe bei Jean-René Germanier in Vétroz, war früher ein Jazz-Saxofonist und ist es, so ganz nebenbei, heute immer noch.

Die Bodenbeschaffenheit an den steilen Hängen des Wallis
ändert sich mit jeder Parzelle. 

Der Neffe von Jean-René Germanier, dem ehemaligen Nationalrat, treibt das Weingut nicht nur in der Schweiz ­voran.
Ob New York, Singapur, Hongkong, Oslo, Paris, London oder Berlin – Gilles kann in seiner Mission als Botschafter für die beeindruckenden Weine von Germanier auf der ganzen Welt angetroffen werden. Cayas, sein Paradewein aus Syrah, genießt auch im 20. Jahrgang 2015 – und das mit vollem Recht – Kultstatus.

Bezug: www.linke-weine.de

DAS WEINGUT GANTENBEIN

Die Winzer Daniel und Martha Gantenbein
(Foto: © Hans-Peter Siffert / Weinweltfoto.ch)

Martha & Daniel Gantenbein sind meine Helden der Präzision und des Bündner Rheintals.
Mit ihrem Chardonnay und Pinot Noir haben sie Maßstäbe für Weine aus der Schweiz in der internationalen Weinszene gesetzt. Sie kennen die Heimat dieser Traubensorten, das Burgund, wie ihre Westentasche und sind in der ganzen Welt stets auf der Suche nach dem Allerbesten.

Im Keller des Weinguts Gantenbein wird weder gepumpt
noch filtriert, damit die Traubenqualität auf dem Weg
in die Flasche erhalten bleibt.

Und sie streben danach, es in ihrem mustergültigen, auf jedes Detail des Produktionsprozesses eingerichteten Weinkeller zu integrieren.

Bezug: www.moevenpick-wein.de

DAS WEINGUT BOVARD

Übernahm 1983 als Vertreter der zehnten Generation der Familie
das Weingut am Genfer See: Louis Philippe Bovard

Louis-Philippe Bovard aus Cully am Genfer See ist nicht nur der Grandseigneur des Dézaley, für mich ist er der Monsieur du Chasselas.

Per Helikopter müssen die Steilhänge des Weinguts Bovard
bewirtschaftet werden.

Trotz seines hohen Alters ist sein Einsatz für die Qualität der Rebsorte, die auch massenweise angebaut wird, unermüdlich. Immer noch reist er um die Welt, um für die besten Chasselas von Dézaley, Aigle, Epesses, St. Saphorin bis Yvorne eine Lanze zu brechen.
Sein Dézaley Médinette Réserve wird zu Recht als Grand Cru gefeiert.

Bezug: www.linke-weine.de

DAS WEINGUT DONATSCH

Heidi, Martin und Thomas Donatsch in ihrer Winzerstube
(Foto: © Nicola Pitaro)

Die Familie Donatsch betreibt in Malans, Graubünden, ein Weingut mit Winzerstube wie aus dem Bilderbuch. Chardonnay und Pinot Noir sind die Hauptakteure im Programm.

Die Rebberge des Weinguts Donatsch in Malans vor der
Kulisse des Rätikongebirges 
(Foto: © Nicola Pitaro)

Sie räumen Jahr für Jahr höchste Noten in den Weingazetten ab, was ich doppelt unterstreichen kann. Dabei benötigen beide viel Zeit zur Reife, nicht anders als die größten Vorbilder des Burgund. Die uralte weiße Malanserrebe Completer spielt dabei eine Nebenrolle – aber was für eine. Unbedingt probieren!

Bezug: www.gute-weine.de

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