CRESCENDO-Weinkolumnistin Paula Bosch über eine neue Generation großartiger Winzer aus Südafrika, die auf weltweite Anerkennung warten

Denkt man über Südafrikas Weine und deren Entwicklung seit dem Ende der Apartheid im Jahr 1991 nach, wird schnell klar, was und wieviel sich hier in weniger als 30 Jahren verändert hat. Zweifelsohne hatte es der damals noch relativ junge Weinbau Südafrikas – trotz seiner 350-jährigen Weinbaugeschichte – nicht einfach, den großen Klassikern aus der Welt des Weines zu folgen oder gar zu Tiefstpreisen in den Supermärkten, im Weinfachhandel oder in der Gastronomie weltweit zu imponieren.

In the middle of nowhere

Blühendes Namaqualand
Wüstenblüte im Namaqualand: Binnen weniger Tage verwandelt sich der Wüstenboden in eine bunt blühende Pracht.
(Foto: © Paula Bosch)

Das erste Jahrzehnt war zumindest bei den heutigen Topwinzern mehr der Qualitätsfindung und dem Aufbau, als dem schnellen Gewinn gewidmet. Dabei sah ich diese Generation in zwei Gruppen geteilt. Da waren die bestehenden Familienbetriebe mit langer Tradition, die es heute teilweise mit besten Qualitäten immer noch gibt, und dann die jungen Wilden, die weit gereisten Neustarter mit internationaler Berufserfahrung, komplexem Fachwissen, voller Tatendrang, die mittellos ihren Start in der Heimat wagten. Mit nichts in den Händen, häufig „in the middle of nowhere“, haben sie die ersten großartigen Weine der neuen Zeitrechnung in Südafrikas Weinwirtschaft gekeltert. Meist geschehen in den Betrieben ihrer Arbeitgeber, um Jahre später mit den finanziell erworbenen Mitteln eigene Weingüter zu schaffen, die heute zum Teil weltweit zu den Besten gezählt werden.

Nachhaltigkeit und attraktive Preise

Niederländisch-reformierte Kirche in Franschhoek
Die Niederländisch-reformierte Kirche in Franschhoek, dem so genannten Franzosenwinkel, wohin im 17. Jahrhundert Hugenotten auswanderten
(Foto: © Paula Bosch)

Die Verantwortlichen für Südafrikas Weinwirtschaft haben im Lauf der Jahre einen vernünftigen Katalog mit Bestimmungen für die Herkünfte, Regionen und auch den ökologischen Weinbau herausgegeben. Nachhaltigkeit wird hier vorbildlich gepflegt, die Preise der Weine sind immer noch attraktiv. Was zum finalen Glück der ganzen Branche noch fehlt, sind Icons, ein paar Winner auf dem internationalen Parket der großen Weine. Nein, Markenweine sind damit nicht gemeint, aber echte Brands aus kleinen Manufakturen oder aber traditionellen Family-Wineries, die regelmäßig bestätigen, dass es auch in Südafrika First Grows wie Latour, Mouton-Rothschild, Sassicaia, Vega Sicilia oder, oder, oder gibt.

Top-Weine, die zu den Besten der Welt zählen

Hotel Grande Roche
Das Hotel Grande Roche am Fuße des Granitdomes Paarl Rock
(Foto: © Paula Bosch)

Seit Jahren frage ich mich, warum bei den vorhandenen grandiosen Qualitäten noch kein Durchbruch gelungen ist und woran es liegen mag, dass er nicht schon längst stattgefunden hat. Am Marketing liegt es wohl kaum, am internationalen Interesse auch nicht. Vielleicht ist es wie häufig eine Frage des Mutes einzelner Personen, dazu Stellung zu nehmen, sich zu positionieren. Südafrikas Wineguide Platters ist im Land zwar führend, dient aber seit Jahren mehr der Verkaufsförderung, denn der kritischen Bewertung internationaler Regeln. Mir fehlt in Südafrika die weltweite Anerkennung einzelner Top-Weine, die zu den Besten der Welt gezählt werden müssen. Die Preisentwicklung auf dem breiten Markt könnte dadurch trotzdem stabil bleiben, was für alle – Weinkonsumenten wie Produzenten – ein Vorteil sein mag. Ich habe jedenfalls regelmäßig Weine im Glas, die im Preis-Leistungsverhältnis ihresgleichen suchen.

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DAS WEINGUT SPRINGFIELD ESTATE IM ROBERTSON-TAL

Das Weingut Springfield Estate
Das Weingut Springfield Estate im fruchtbaren Robertson-Tal am Breede River vor den Langeberg Mountains
(Foto: © Springfield Estate)

In der Wein‑, wie in der Tourismusbranche galten die traditionellen Weinbaugebiete – Stellenbosch, Paarl oder Franschhoek – stets als die Hotspots des Landes. Von abseits gelegenen Regionen wie Robertson am Breede River, meeresnah in der trockenen Halbwüste Kleine Karoo, war – bevor die beiden Geschwister Abrie und Jeanette Bruwer mit ihren Sauvignon Blancs die Welt eroberten – nie die Rede gewesen.

Jeanette und Abrie Bruwer auf ihrem Weingut
Keltern ihre eigenen Qualitätsweine: die Geschwister Jeanette und Abrie Bruwer
(Foto: © Springfield Estate)

Seit 1995 keltern die zwei hier ihre eigenen Weine, brillant in astreiner Qualität, wie sie zuvor in Südafrika nicht vorhanden war. Abrie setzt ganz auf Terroir, was das Geheimnis seiner delikaten, frischen, massiv mineralisch salzigen Weine sein muss.

Der Weinkeller von Springfield Estate
Blick in den bestens ausgestatteten Weinkeller Springfield Estate
(Foto: © Springfield Estate)

Die kalkreichen Böden sind überwiegend so steinreich mit felsigem Untergrund, dass bei der Neupflanzung von Reben die Löcher in die Erde nur mit Maschinen und Stahlstangen gestoßen werden konnten. Im bestens ausgestatteten Keller wird bei der Vinifikation nur wenn nötig eingegriffen.

Sauvignon Blanc „Life from Stone“ 2018

2018 Sauvignon Blanc "Life from Stone"

Seit Jahren ist hier mein Favorit „Life from Stone“. Nein, das ist kein Icon-Sauvignon Blanc, aber für mich der weiße Star des Hauses und seit über zwanzig Jahren an der Spitze südafrikanischer Sauvignons. Mit anziehender Fruchtigkeit von Holunderblüte, Schwarzer Johannisbeere, Pfirsich, Stachelbeere. Dezent vegetaler Hintergrund mit frischem Spargel, Tomatenblättern, Basilikum. Tief, reif, glasklar wie ein Gebirgsbach, wundervolle Frische und Länge, animierender, aber anspruchsvoller und dennoch unkomplizierter Trinkgenuss. Obendrein noch recht preiswert. Ein frischer ausgewogener Sauvignon, wie ich ihn liebe. Als Solist, zur Entspannung, aus purer Freude am Genuss.

Sauvignon Blanc „Life from Stone“ 2018 zu beziehen beim Weinhändler: www.garibaldi.de

DIE WEINKELLEREI ALHEIT VINEYARDS AN DER WALKER BAY

Weinkellerei Alheit Vineyards
Die Weinkellerei Alheit Vineyards im Hemel-en-Aarde-Valley
(Foto: © Alheit Vineyards)

Mit den beiden Alheits, Suzaan & Chris, präsentiere ich hier meine Vorstellung der neuen Generation des südafrikanischen Weinbaus. Ihre kleine, einfache aber funktionelle Kellerei gründeten sie 2010 im Hemel-en-Aarde-Valley (Himmel-und-Erde-Tal) in der Region Walker Bay.

Suzaan und Chris Alheit in ihrem Weinkeller
Vertreter einer neuen Generation südafrikanischen Weinbaus: Suzaan und Chris Alheit in ihrem Weinkeller
(Foto: © Alheit Vineyards)

Aus unterschiedlichen Gebieten und besten Lagen mit alten, teils uralten Reben produzieren sie hier ausschließlich Weißweine mit Weltklasse-Niveau. Bislang nur in überschaubaren Mengen, die sie – so oft sich die Gelegenheit ergibt– mit besten Parzellen und Einzellagen ergänzen.

Alte Chenin-Reben in bester Lage auf der Farm Nuwedam
Alte Chenin-Reben in bester Lage auf der Farm Nuwedam am Paardeberg
(Foto: © Alheit Vineyards)

Ihr letzter Deal 2019 war der Erwerb der Farm Nuwedam am Paardeberg von Christa Von la Chevallerie – 20 Hektar Chenin Blanc, alte Reben in bester Lage. Die granitreichen Weinberge liegen in direkter Nachbarschaft der Swartland-Helden wie AA Badenhorst und der Sadie Family, weit entfernt vom Stammsitz der Walker Bay – egal! Denn damit haben die beiden ein Paradies mit 1974 bis 1980 gepflanzten Rebstöcken erworben, die sie teils schon seit 2011 verarbeiten.

Chenin Blanc „Fire By Night“ 2018

Fire By Night“ ist eine Selektion aus drei Flurstücken des Joubertskloof. Die edelsten, feinsten, aber auch geschmeidigsten Weine kommen stets aus dieser Parzelle. Marillenduft und Noten vom Weinbergpfirsich strömen neben Holunderblüten, Jasmin und Teerosen aus dem Glas. Frühlingskräuter, Lavendel, Quitte und Birne sind ebenso präsent. Stoffiger, nahezu schmelziger Charakter mit unendlichem Abgang. Auch 2018 wiederholt ein Bluechip unter den Chenins.

Chenin Blanc „Fire By Night“ 2018 zu beziehen über die Weinversandhandlung Wein am Limit: www.shop.weinamlimit.de

DAS WEINGUT STORM WINES IM HEMEL-EN-AARDE-VALLEY

Hannes Storm in seinem Weinkeller
Jungwinzer und Weingutbesitzer: Hannes Storm in seinem Weinkeller im Hemel-en-Aarde Valley
(Foto: © Storm Wines)

Auch Hannes Storm ist einer jener Jungwinzer und Weingutsbesitzer, die ich im Vorfeld erwähnt habe. Ausgerüstet mit großem Wissen, das er quasi beim besten Dutzend Südafrikas Weinmachern in vielen Jahren gesammelt hat, machte er sich auf die Suche nach geeigneten Weinbergen, Parzellen in kleinen Lagen mit bestem Terroir. Und er fand – teilweise kleine – Flächen für seinen Traum, Reben für den eigenen Wein zu pflanzen.

Rhodesian Ridgeback
Ein Rhodesian Ridgeback prüft das Bouquet und bewacht das Gut.
(Foto: © Storm Wines)

Sein Gespür dafür führte ihn 2008 in eine Region ins Hemel-en-Aaarde-Valley, zu zwei winzigen Parzellen mit fabelhaftem Terroir und Kleinklima, die für seine beiden Lieblingsreben – Chardonnay und Pinot Noir – bestens geeignet waren. Kurz darauf hat er sie im Verhältnis 80 Prozent Pinot zu 20 Prozent Chardonnay bepflanzt. 2012 war sein erster Jahrgang mit dem Ergebnis von etwa 10.000 Flaschen des Jungfernweins. In den folgenden drei Jahren sammelte er weiterhin im Valley Erfahrung, bis er sich schlussendlich 2015 zu hundert Prozent seinem eigenen Projekt widmen konnte.

Trauben in der Presse
Die Trauben in der Presse – im Weinberg wie im Keller folgt Storm dem französischem Vorbild
(Foto: © Storm Wines)

In der Weinstilistik – im Weinberg wie im Keller – folgt Storm dem französischen Vorbild, wägt eigene Erkenntnisse ab, prägt scheinbar ganz locker Weine mit eigener Persönlichkeit und Charakteristik. Schnell ist die Klasse und Qualität unter Freaks bekannt, die wenigen Flaschen verschwinden ruckzuck in den Kellern der Kenner und Liebhabern des Burgundischen Weinstils. Nur ihre reife Frucht und das präzise Tannin-Management verrät die nicht französische Heimat.

Ignis vom Nordhang, Ridge vom Osten und Vrede vom Nordosten
Pinot Noir in verschiedenen Lagen: Ignis vom Nordhang, Ridge vom Osten und Vrede vom Nordosten
(Foto: © Storm Wines)

Vom Pinot Noir gibt es drei unterschiedliche Parzellen, im Nordhang „Ignis“ mit granithaltigen Felsgestein, im Nordosten „Vrede“, mit steinigem, lehmreichem Schiefer und „Ridge“ im kühleren Osten mit weniger Stein, dafür tonhaltigem Schiefer. Vom 2018er wurden in Summe nur 1.380 Kisten à sechs Flaschen abgefüllt, leider im Weingut längst ausverkauft.

Pinot Noir „Ignis“ 2017

Mit typischer Pinotnase, ausladende süße Frucht und dezente Blumigkeit. Rote und blaue Beerenaromatik, opulente Sauerkirschnoten, frische Erdbeeren, Granatapfel. Der blumige Duft erinnert an Hibiskus und Rose und nimmt den Genießer gefangen – und das schon vor dem ersten Schluck. Saftige, süßlich reife Gerbstoffe, mit weicher, großzügiger, nahezu verschwenderisch wirkender Länge und sehr viel Potenzial für die Zukunft. Ein genialer, fast perfekter Pinot.

Pinot Noir „Ignis“ 2017 zu beziehen über die luxemburgische Weinversandhandlung: www.taste-of-africa.eu

DAS WEINGUT KANONKOP IN DER REGION STELLENBOSCH

Das Weingut Kanonkop
Eine alte Kanone vor dem Eingang gibt dem Weingut den Namen: Kanonkop am Fuß des Simon’s Mountain
(Foto: © Knonkop)

Das traditionelle, über 140 Hektar große Weingut liegt in der besten Rotweingegend Südafrikas, zwischen Stellenbosch und Paarl unterhalb der Simonsberge. 1910 von J. W. Sauer gegründet, ist es heute im Besitz der Familie Krige. Die beiden Brüder Johann und Paul sind in vierter Generation für den Erfolg dieses Klassikers in Südafrika verantwortlich.

Die Winzer Paul (links außen) und Johann Krige (rechts außen) mit ihren Familien
Die Winzer Paul (links außen) und Johann Krige (rechts außen) mit ihren Familien und Hunden
(Foto: © Knonkop)

Der Name der Farm stammt von einer Kanone, die auf einem Hügel stand, um einfahrende Schiffe zu begrüßen. Heute steht sie am Eingang zur Begrüßung der Gäste. Produziert werden ausschließlich Rotweine. Jährlich etwa 660.000 Flaschen.

Über 50 Jahre alten Bushvine Rebstöcke
Über 50 Jahre alten Bushvine Rebstöcke im Weinberg
(Foto: © Knonkop)

Als Besonderheit im Weingut werden die über 50 Jahre alten Bushvine Rebstöcke geschätzt. Die Rotweinkollektion von Kanonkop gehört seit Jahren zu den besten des Landes. Beyers Truter, „The King of Pinotage“, war von 1980 bis 2002 der Weinmacher. Seit 2003 zeichnet Abrie Beeslaar für die Weine verantwortlich. Der beste Wein des Hauses ist allerdings ein Blend, „Paul Sauer“. Damit hat die Familie Krige eigentlich schon seit Jahren bewiesen, dass in Südafrika großartige Weine mit internationalem Format hergestellt werden.

Blick in den Weinkeller
Produziert werden auf Kanonkop ausschließlich Rotweine
(Foto: © Knonkop)

Pinotage ist eine Kreuzung aus Pinot Noir (Vater) und Cinsault, eine Besonderheit in Südafrika, die lange als wenig salonfähige Sorte galt. Ihre Rustikalität und ihr bäuerlicher Charakter waren nur zwei der eher unattraktiven Eigenschaften. Wird sie entsprechend gezähmt, kann sie langlebige, würzige, teils Rhône-ähnliche, wunderbar schmeckende Weine liefern.

2017 Pinotage

Der sehr trockene Jahrgang 2017 hat kleine Mengen, dafür aber konzentrierte, großartige Weine gebracht. Der breitgefächerte Duft erinnert anfangs an einen afrikanischen Gewürzmarkt. Er nimmt die Verkoster mit auf eine Reise, die mit Süßholz, Kümmel, schwarzem und rotem Pfefferkorn beginnt und mit Kumin, Muskat und vielen anderen Gewürzen endet. Maulbeer- und Kirschnoten drängen sich vorbei am satten, aber weichgeformten Tannin und einer frischgehaltenen Fruchtsäure. Kraft ist der Gegenspieler der Würze und Frucht, sie präsentiert einen festen, langen Nachklang mit sehr viel Druck und dichter Struktur. Keines Falls rustikal, authentisch ja, aber mit Stil und raffiniertem Schick.

Pinotage 2017 zu beziehen über die luxemburgische Weinversandhandlung: www.taste-of-africa.eu

DAS WEINGUT MULLINEUX & LEEU FAMILY WINES AT ROUNDSTONE FARM IN SWARTLAND

Chris und Andrea Mullineux
Chris und Andrea Mullineux in ihren Weinbergen bei Riebeek Kasteel, einer der ältesten Städte Südafrikas
(Foto: © Mullineux & Leeu)

Die Jahrmillionen alten Granit- und Schieferböden, die das ganze Swartland (50 km nördlich von Kapstadt) durchziehen, sind auch die Basis für die Qualität der grandiosen Weine im kleinen Weingut von Andrea und Chris Mullineux, nahe bei Riebeek Kasteel.

Arbeit in den Weinbergen
Vom Rebstock bis zur Flasche ist auf dem Weingut von Andrea und Chris Mullineux Handwerk pur angesagt.
(Foto: © Mullineux & Leeu)

Ich habe sie dort 2016 besucht, um zu erfahren, wo und wie die beiden ihre außergewöhnlich feinen Weine – voller Eleganz und Delikatesse – produzieren. Für die Weinberge blieb leider keine Zeit, aber dafür haben wir die ganze Palette der hochfeinen Range probieren können. Auch hier ist vom Rebstock bis zur Flasche Handwerk pur angesagt. Außer einer minimalen Schwefelung wird den Weinen nichts hinzugefügt oder weggenommen, keine Hefen, Enzyme, Säuren etc.

Die Mullineux-Boutique Winery
Seit 2010 ist auch die Mullineux-Boutique Winery festiggestellt.
(Foto: © Danie Nel / Mullineux & Leeu)

Chris managte bis 2007 die Tulbagh Winery. Andrea kommt aus Kalifornien. Sie war dort seine Kellerassistentin. Längst sind sie ein Paar und seit 2007 Besitzer der Mullineux-Boutique Winery, die sie 2010 endlich fertiggestellt hatten.

Ernte von Chenin Blanc
Ernte der Weißweinsorte Chenin Blanc
(Foto: © Mullineux & Leeu)

Neben der sehr guten Basis-Range gibt es die vielfach ausgezeichnete „Single Terroir Linie“ mit Chenin Blanc in Weiß und Syrah für die drei Rotweine, Granite, Schist und Iron. Von den letzten drei Jahrgängen bevorzuge ich Schist 2017, weil er mir in seiner Typizität durch und durch einen Oldschool Syrah Style präsentiert, ein bisschen Französisch, aber doch nicht ganz der kühle Stoff des Rhônetyps wie ein Hermitage von Gérard Chave oder Chapoutier.

Syrah „Granite“ 2017

2017 Granite Syrah

Nein, Schist ist noch etwas würziger, hat mehr grüne eingelegte Pfefferkörner und Wacholder mit einer Graphitnote, die diesem Wein mehr Eleganz und Frische gibt. Jede Menge seidige Gerbstoffe, tiefgründige Mineralität und dunkle Fruchtnoten im Hintergrund. Sie belegen den ganzen Gaumen im langen Abgang. Ein Paradestück und Vorzeigewein zugleich für seine Herkunft und die Rebsorte, der durchaus jetzt schon probiert, aber besser fünf Jahre später getrunken werden kann.

Syrah „Granite“ 2017 zu beziehen über die Weinversandhandlung Wein am Limit: www.shop.weinamlimit.de

THE SADIE FAMILY WINES IM SWARTLAND

Winzer Eben Sadie
Magier der Reben: der Winzer Eben Sadie mit seinem 100 Jahre alten Rebstöcken
(Foto: © Sadie Family Wines)

Seit nunmehr 20 Jahren produziert Südafrikas Weinmacher und Magier der Reben, Eben Sadie, Meisterwerke aus sehr alten, teils 70 bis 110 Jahre alten Rebstöcken, die in vielen bis zu 60 Kilometer verstreuten Parzellen wachsen. Weltweit erzeugen Ebens Weine Stürme der Begehrlichkeiten, die dafür sorgen, dass jeder neue Jahrgang – streng limitiert im Onlinehandel – regelmäßig in wenigen Minuten ausverkauft ist.

Paula Bosch zu Besuch bei Rosa Kruger und Eben Sadie
Paula Bosch zu Besuch bei Rosa Kruger und Eben Sadie. Die Rebenforscherin unterstützte Sadie bei der Suche nach den besten und ältesten Rebstöcken.

Mein Besuch bei ihm im Jahr 2016 zählt zu meinen absoluten Highlights als Sommelière. Sadie ist für mich der außergewöhnlichste, aber auch konsequenteste Weinmacher, dem ich je begegnet bin. Koste es was es wolle, die Qualität der Weine steht vor allem an der ersten Stelle. Dafür lebt und stirbt er, ganz sicher.

Eben Sadie in seinem Weinberg
Nichts kann Eben Sadie von seinem Ziel abbringen, Weine in allerbester Qualität zu produzieren
(Foto: © Sadie Family Wines)

Ich glaube, sein Ziel war, schon mit seinem ersten Jahrgang 1999, südafrikanischen Wein eigenständig und in allerbester Qualität zu produzieren. Nichts, nicht einmal der Wettergott scheint ihn daran zu hindern. Selbst die totale Trockenheit wie in den Jahren 2014, 2015 oder 2016 konnten ihn nicht aufhalten. Diesem Ziel opferte er auch seine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Dominik Huber im Priorat in Nordspanien.

Der Weinkeller von Eben Sadie
Ein Blick in den Weinkeller von Eben Sadie
(Foto: © Sadie Family Wines)

Rosa Kruger, die Rebenforscherin – Rebenflüsterin wäre treffender –, ist nicht nur in Südafrika eine Koryphäe und die wohl bedeutendste Kennerin auf diesem Gebiet weltweit, unterstützt Eben schon lange auf der Suche nach den besten und ältesten Rebstöcken. Palladius ist sein weißes Paradestück, eine Cuvée, die ihresgleichen sucht, ebenso wie sein Meisterwerk, der rote Columella, benannt nach dem römischen Gelehrten, der im 1. Jahrhundert n.u.Z. ein Standardwerk über Weinbau verfasste. Dieser Blend aus Carignan, Cinsault, Grenache, Mourvèdre, Syrah, Tinta Barocca ist eindeutig mein Held in Südafrika. Mein High-End unter Südafrikas Weinhimmel schlechthin, eigenständig, individuell, ganz und gar ein Wein seines Terroirs und Meisters!

Columella 2017

Betörend und faszinierend im Duft wie im Geschmack. Ein Potpourri von Blüten, Beeren, getrockneten Kräutern, Gewürzen und Erde. Ja, Erde mit Schiefer, Eisen und Granittönen, die man förmlich schmecken kann. Ohne viel Worte einfach umwerfend mit jedem Schluck. Hendrik Thoma, der deutsche Importeur schreibt dazu: Wer im Columella einen Blockbuster erwartet, der wird enttäuscht. Hier regieren mittlerweile die leisen und komplexen Töne. Sehr kühl, mineralisch, herb, kräutrig, würzig, pfeffrig und keine Trinkmarmelade, das sind die Attribute die ihn heute auszeichnen. Luft in der Karaffe tut ihm gut, ein paar Jahre Reife auf der Flasche auch.

Columella 2017 zu beziehen über die Weinversandhandlung Wein am Limit: www.shop.weinamlimit.de

1 Kommentar

  1. Liebe Frau Bosch,

    mit all dem gebotenem Respekt, aber auch das hier ist dann am Ende eher ein Ausflugs-Rapport, mit sehr schmalem Fenster zum Reinschauen, in die dynamische, aktuelle Welt des Südafrika-Weinbaus.

    Und es ist, wie dem Weinführer Platter oben stehend leger attestiert, eine ebenso offenkundige, schlichte Verkaufsförderung – so gehe ich bis auf druckreifen Widerruf davon aus, dass auch hier vermutlich branchenüblich monetarisiert oder kompensiert wurde (s.a. Textbeiträge als Sommelier, MS, MW, Blogger u. v. m.). Also ein Advertorial, journalistisch und nach verlagstechnischen Kriterien eingeordnet. Da ist doch dem „Platter“ als Verlagsprodukt dann im Vergleich eigentlich nichts abwertendes vorzuwerfen.

    Aber zum Wein. Leider liest man auch hier wieder nur eine Handvoll üblicher Verdächtiger, dazu werden auch nur bestimmte Händler verlinkt. Die tatsächliche und gewaltige Entwicklung des südafrikanischen Weinbaus bis zum heutigen Status Quo geht dafür nahezu völlig unter.

    Mir ist die Arbeit und das Projekt-Engagement von Rosa Kruger, mit einer ganzen Materialsammlung, bestens bekannt. Südafrikanischen Wein verfolge ich mit ersten Schritten seit ca. 1987, noch vor Ende der Apartheid. Die übrigens war mit der Freilassung von Mandela durch De Klerk 1990 im Jahr darauf dann noch nicht beendet – es dauerte bis 1994, bis die Abschaffung, Novellierung oder auch Neuverfassung vieler Gesetze zur Segregation abgeschlossen war, und damit das Ende der Apartheid formal als manifestiert galt.

    Seitdem also bin ich den Weinen nachgestiegen, was damals eine echte Herausforderung war – Händler gab es fast keine, Diversität auch kaum. Und doch schrieb ich mir da die ersten Weine in den persönlichen Geschmackskatalog.

    Das wurde im Jahre 1994 dann tatsächlich zaghaft etwas besser, und ab 1996 kam endlich etwas Bewegung in die Export- und Import-Weinwelt, schleppend, zögerlich. Trotz der politischen und wirtschaftlichen weiter ungewissen Lage, kamen z. B. schon bereits Cabernet Sauvignon, noch unberühmt und weitest missacht, von teilweise überraschender Güte auf den Markt: die letzten Flaschen habe ich nach über 20 Jahren intakt und charmant, vor allem aber noch lebendig genießen können. Was wohl mehr über Reben, Böden und Potenzial per se als über die da noch wenig vorhandene önologische High-Technik in den Kellern dort aussagte.

    Insofern erlaube ich mir höflich den Hinweis: es gibt längst Dutzende von Betrieben, die eine ausführlichere Erwähnung verdienen, die konsequent ausgezeichnete Weine herausbringen. Und die preislich auch gesund und derzeit noch höchst Preis-würdig sind. Mir sind, bis auf einen, alle oben genannten Weine bekannt, mehrfach und verschiedene Jahrgänge getrunken. Flaschenweise, nicht auf „knurpseligen“ Zip-und-Nip-Tastings.

    Klar, die Weine finde ich auch gut. Die Preise vor nur 4 oder 5 Jahren waren auch noch lustvoll sympathisch. Aber die Preisentwicklung seit 2015/2017 ist ein Stück weit unangenehm wie gemacht. Es ist ein großes Ärgernis am Markt, dass sich allen voran immer wieder gerade Händler aufschwingen und die Weine gezielt, ja förmlich aggressiv pushen, powern und hypnotisch vermarkten, förmlich besingen. So sind gerade Sadie, Alheit, Mullineux genau die Weinmacher, wo das Preis-Marketing in nur wenigen Jahren derart rasant wuchs, das ich meinen möchte, mindestens deutlich schneller, als die Weine an sich womöglich in gleicher Zeit hätten besser werden können.

    Das ist ein Phänomen geworden, was Weinliebhaber leider an jeder ausgetretenen und abgewetzten Wein-Bühne missmutig erleben dürfen. So sind z. B. ein paar sogenannte Super Tuscans von 2015 – 2020, unter Online-Markt- und Konkurrenz-Druck, ausgerechnet von Händlern derart hoch geschrieben worden, dass mancher Toskana-Fan dafür nun einfach aussteigt. Das Piemont wurde nicht anders überreizt. Nun also kauft längst nicht mehr jeder Enthusiast noch die klangvollen Namen. Nur spricht man darüber nicht gerne im Handel. Das Märchen stirbt zuletzt.

    So kann man im Umkehrschluss vielleicht aber auch dankbar sein, dass Sie somit ein paar Plakat-Weingüter, die eh schon teuer sind, hier präsentiert haben. Die werden auch weiter teurer werden, darf man wohl leider sicher sein. Wer aber Lust auf das derzeit noch weniger entdeckte, mindestens noch nicht so populäre Winzer-Südafrika hat, dem stehen sehr viel Weine, und auch längst am deutschen Markt, zur Verfügung. Wer sich ein bisschen auf den Weg macht, und sich diese Weinwelt auf den Erkundungs-Zettel schreibt, wird oft sehr anspruchsvoll überrascht werden. Eine passende Auswahl an Weinen und sehr gut sortierten Händlern findet sich erfreulicherweise längst auch am deutschen Markt. Die Suchmaschinen helfen zeitgemäß weiter.

    Also ob ein paar mehr teure ICON-Weine wirklich die richtige Lösung sind, um den auch durch weiterhin politische Unruhen gebeutelten Wirtschaftszweig Wein in Südafrika für den Export nachhaltig weiter zu entwickeln, kann man auch kritisch sehen. Das befriedigt in der Regel nur ein paar Hundert Etiketten-geile Hardcore-Flaschenjäger, die permanent stimuliert, erregt und nach dem „Akt“ ermattet weiter wandern wollen.

    Ich persönlich glaube eher, das Land braucht mehr Beachtung für die wahren Preis-Leistungs-Wunder, die da in den letzten 5–6 Jahren nach vorne geschossen sind – und das sind längst sehr viele Dutzende Weine, wie gesagt.

    Ein übrigens für mich wahrhaft schreckliches Beispiel sinnloser Wein-Verirrung, der Welt mit der Brechstange einen solchen SA-ICON-Wein zu „designen“, war das Projekt 4G – ein gruseliger Wein für diesen absurden, verlangten Preis, völlig seelenlos allein entstanden am Reißbrett, mit soviel Marketing-Ballast, das alles nichts mit Wein zu tun hatte. Eine nutzlose Futterkette, was in Folge dessen auch das schlimmste Verkostungs- und Verblendungs-Marketing nach sich zog, welches ich in rund 40 Wein-Jahren bislang am Markt erlebt habe.

    Wein aus Südafrika ist längst viel mehr. Viel viel mehr!

    Unbenommen dessen, vielen Dank für den Artikel hier, Begeisterung für dieses Land und seine Weine ist natürlich immer besser als keine Begeisterung – das gilt auch für die Teuren! :-)

    Mit herzlichen Grüßen aus Berlin

    Michael Holzinger

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