Von über hundert Bühnenwerken Jacques Offenbachs, des Königs der französischen Operette, werden heute nur noch wenige gespielt und die meistens an kleineren Stadttheatern. Allein seine späte Oper Hoffmanns Erzählungen konnte sich dauerhaft im Repertoire halten. Dieser missliche Umstand brachte die junge belgische Sopranistin Jodie Devos auf die Idee, mit Hilfe des akademischen Forums Palazzetto Bru Zane eine Auswahl von 15 Koloraturarien aus 12 weitgehend vergessenen Operetten Offenbachs zu einem höchst unterhaltsamen und virtuosen Höhenflug zu bündeln, und so die Vielfalt und den verführerischen Charme dieser Pretiosen neu zu beleben. Mit ihrem glockenreinen, hellen, unglaublich agilen und fein fokussierten Sopran hat der 30-jährige Rising Star die idealen Voraussetzungen für diesen stets leichtfüßigen, schwebenden, virtuos-luftigen Gesangsstil, der auch nach 150 Jahren nichts eingebüßt hat von seiner prickelnden Eleganz und seiner unwiderstehlichen Anziehungskraft. Den Höhepunkt des Albums bildet das weltberühmte Couplet der Puppe Olympia aus der unvollendeten Hoffmann-Oper, in dem Offenbach bereits den trügerischen Zauber dieser „mechanischen“ Kunstform spöttisch karikiert. Hier würzt die hinreißende Mme. Devos die vorgegebenen Koloraturen noch mit eigenen Zutaten. Das Münchner Rundfunkorchester unter Laurent Campellone sekundiert grandios, trocken und spritzig.