Von über hun­dert Büh­nen­wer­ken Jac­ques Offen­bachs, des Königs der fran­zö­si­schen Ope­ret­te, wer­den heu­te nur noch weni­ge gespielt und die meis­tens an klei­ne­ren Stadt­thea­tern. Allein sei­ne spä­te Oper Hoff­manns Erzäh­lun­gen konn­te sich dau­er­haft im Reper­toire hal­ten. Die­ser miss­li­che Umstand brach­te die jun­ge bel­gi­sche Sopra­nis­tin Jodie Devos auf die Idee, mit Hil­fe des aka­de­mi­schen Forums Palaz­zet­to Bru Zane eine Aus­wahl von 15 Kolo­ra­tur­ari­en aus 12 weit­ge­hend ver­ges­se­nen Ope­ret­ten Offen­bachs zu einem höchst unter­halt­sa­men und vir­tuo­sen Höhen­flug zu bün­deln, und so die Viel­falt und den ver­füh­re­ri­schen Charme die­ser Pre­tio­sen neu zu bele­ben. Mit ihrem glo­cken­rei­nen, hel­len, unglaub­lich agi­len und fein fokus­sier­ten Sopran hat der 30-jäh­ri­ge Rising Star die idea­len Vor­aus­set­zun­gen für die­sen stets leicht­fü­ßi­gen, schwe­ben­den, vir­tu­os-luf­ti­gen Gesangs­stil, der auch nach 150 Jah­ren nichts ein­ge­büßt hat von sei­ner pri­ckeln­den Ele­ganz und sei­ner unwi­der­steh­li­chen Anzie­hungs­kraft. Den Höhe­punkt des Albums bil­det das welt­be­rühm­te Cou­plet der Pup­pe Olym­pia aus der unvoll­ende­ten Hoff­mann-Oper, in dem Offen­bach bereits den trü­ge­ri­schen Zau­ber die­ser „mecha­ni­schen“ Kunst­form spöt­tisch kari­kiert. Hier würzt die hin­rei­ßen­de Mme. Devos die vor­ge­ge­be­nen Kolo­ra­tu­ren noch mit eige­nen Zuta­ten. Das Münch­ner Rund­funk­or­ches­ter unter Lau­rent Cam­pel­lo­ne sekun­diert gran­di­os, tro­cken und sprit­zig.

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Attila Csampai
Attila Csampai ist Chefrezensent bei crescendo. Als gebürtiger Budapester lebt er seit 1957 in München, und studierte hier Musikwissenschaft. Seit 1974 schreibt er Schallplattenkritiken in allen wichtigen Fachzeitschriften. Seine Essays, seine Werkkommentare und vor allem sein zahlreichen Musikbücher sind legendär. 32 Jahre lang war er Musikredakteur und Live-Moderator beim Bayerischen Rundfunk. Seine CD-Sammlung umfasst mehr als 30.000 Alben.

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