Vereinte Gegen­sätze

von Walter Weidringer

31. März 2020

Andrew Manze und die NDR Radiophilharmonie spielen die Fünfte und Siebte Sinfonie von Ludwig van Beethoven.

Nach den gemein­samen Erfolgen mit den Mendels­sohn-Sinfo­nien packen die Radio­phil­har­monie und ihr Chef­di­ri­gent den Beet­hoven-Stier gleich mit dessen viel gespielten und aufge­nom­menen Sinfo­nien fünf und sieben bei den Hörnern. Die Konkur­renz ist also groß – doch ihr Mut macht sich bezahlt. Zumal es Manze schafft, Gegen­sätze zu vereinen, ohne auf verschämten Mittel­wegen zu wandeln. Wann hat es zuletzt einen Vertreter histo­ri­scher und histo­risch infor­mierter Auffüh­rungs­praxis gegeben, der sich zumin­dest in der Fünften zugleich so viel Pathos erlaubt hätte?

Andrew Manze am Pult

Erlaubt sich Pathos und gewinnt Drama: Andrew Manze 
(Foto: Chris Chris­to­doulou)

Dabei ist Manzes erstes Ziel die Detail­ge­nau­ig­keit. Aber zusammen mit herz­haften Farben und klarer Arti­ku­la­tion gewinnt er eine gehö­rige Portion Drama aus ihr. Das ist ihm wich­tiger als bloße Höchst­ge­schwin­dig­keit – und das Orchester tönt nirgends dünn oder gar karg, sondern trotz manch scharf geschnit­tener Konturen insge­samt wohl­ge­rundet. Eine Aufnahme, die geeignet ist, viele bekannte Vorur­teile zu hinter­fragen und über den Haufen zu werfen.