Luis Brunner in Balance und Harmony

Balance & Harmony in den Münchner Kammerspielen

Komik, Schmerz und Selbst­ent­blö­ßung

von Antoinette Schmelter-Kaiser

30. April 2026

Im Werkraum der Münchner Kammerspiele inszeniert Lamin Leroy Gibba „Balance und Harmony“ als exklusive Preview. Im Setting eines Schweige-Retreats analysieren und therapieren sich fünf Figuren gegenseitig. Das sorgt sowohl für Nähe als auch für Konfliktpotenzial.

Im normalen Leben hätten sie keine Berüh­rungs­punkte. Doch im Schweige-Retreat verbringen Tanja, Kim, Milan, Älex und Eslem mehrere Tage an einem Ort – hinsicht­lich Alter, Herkunft und Charakter bunt gemischt. In der Raucher-Ecke, wo Gespräche nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht sind, tauschen sich die fünf aus, analy­sieren und thera­pieren sich gegen­seitig. Sicht um Schicht treten in einer Art Compe­ti­tion, wem es warum am schlech­testen geht, unter­schied­lichste Schick­sale und Typen zu Tages. Das sorgt sowohl für Nähe als auch für Konflikt­po­ten­zial. Am Ende gehen alle wieder ihrer Wege – vonein­ander berührt und jeder für sich ein biss­chen verän­dert.
Im Werk­raum der Münchner Kammer­spiele insze­niert Lamin Leroy Gibba „Balance und Harmony“ mit einer Mischung aus Komik, Schmerz, Selbst­dar­stel­lung und ‑entblö­ßung; der Name bezieht sich auf zwei Teesorten, die konti­nu­ier­lich getrunken werden. Das Stück von Drama­tiker Lennart Kos, der sich beim „Schreiben auf ein kleines Setting“ redu­ziert hat, „aus dem man nicht raus­kommt“, lässt er für eine exklu­sive Preview aus dem Spre­chen der Figuren heraus entstehen – mal allein, oft zu zweit, manchmal als Gruppe.
Der Reiz der Insze­nie­rung, bei der das Publikum sehr nah an der Bühne sitzt, liegt in den Wort­ge­fechten, die alle Figuren in ihrer Tiefe und Wider­sprüch­lich­keit zeigen. Außerdem punktet das Zusam­men­spiel altge­dienter Bühnen­profis (Edmund Telgen­kämper und Michaela Steiger) und span­nender Newcomer: Nadège Meta Kanku (Eslem) trat ihr erstes festes Enga­ge­ment 202425 an den Münchner Kammer­spielen an, nachdem sie ihr Schau­spiel­stu­dium an der Otto Falcken­berg Schule in München beendet hatte. Luis Brunner (Milan) und Ivan Vlat­ković (Älex) studieren noch dort; Letz­terer hinter­lässt mit seiner andro­gynen Anmut und Klar­heit als Ausnah­me­erschei­nung einen blei­benden Eindruck.

Fotos: Sima Dehgani