Niklas Mitteregger, Vincent Glander, Thomas Hauser, Max Mayer und Pujan Sadri in "Mercury".

Freddy Mercury im Marstall

Einschlä­gige Erfah­rungen

von Antoinette Schmelter-Kaiser

5. Mai 2026

Im Münchner Marstall hatte ein Stück über den Rockstar Freddy Mercury Premiere. Regisseur Michał Borczuch setzt mit einem Schauspieler-Quintett ein Persönlichkeits-Puzzle zusammen.

Eine Drag­queen, die mit dem Läuten einer Kuhglocke auf sich aufmerksam macht und dann unter dem Motto „Es war einmal…“ die erstaun­lich weit zurück­rei­chende Geschichte der Schwulen-Szene in München reka­pi­tu­liert: So beginnt die Première von „Mercury“ im Foyer des Marstall­thea­ters. Ihre Fort­set­zung folgt auf der Bühne im Innen­raum statt: Im Setting eines plüschig-abge­dun­kelten Clubs „cruisen“ fünf Schau­spieler, d.h. umkreisen einander auf der Suche nach schnellem, unver­bind­li­chem Sex. Dabei erzählen sie sowohl von eigenen Erfah­rungen in einschlä­gigen Münchner Saunen, Bars und Klappen als auch von (Zufalls-)Begegnungen mit Freddy Mercury.
Mehr Details über den Sänger, der von 1979 München als Haupt­wohn­sitz hatte und von 1978 bis 1985 regel­mäßig in der Gay-Commu­nity der baye­ri­schen Landes­haupt­stadt unter­wegs war, liefert ein langes, live geführtes Inter­view: Auf Fragen antworten vier gleich geklei­dete Versionen von Freddy Mercury und zeigen – zum Teil mit Original-Videos im Hinter­grund und basie­rend auf ‑Aussagen in Print, Radio und Fern­sehen zwischen 1984 und 1986 – die Viel­schich­tig­keit des schil­lernden Front­manns der briti­schen Gruppe Queen zwischen Schein und Sein. Noch wahr­haf­tiger wird es im letzten Teil des Abends. In zwei Mono­logen spricht sich Freddy Mercury – virtuos verkör­pert durch Vincent Glander und Max Mayer – Selbst­zweifel, Sorgen und Ängste von der Seele – immer getrie­bener und atem­loser ange­sichts der lebens­be­droh­li­chen AIDS-Erkran­kung, an der Mercury 1991 starb.
In Summe ergeben diese unter­schied­li­chen Elemente eine Spuren­suche von mehreren Seiten und mit verschie­denen thea­tralen Ansätzen, mit der sich der polni­sche Regis­seur Michał Borc­zuch Freddy Mercury nähern will. Stück für Stück lässt er Vincent Glander, Thomas Hauser, Max Mayer, Niklas Mitter­egger und Pujan Sadri ein Persön­lich­keits-Puzzle zusam­men­setzen, fokus­siert auf Mercurys Münchner Jahre und deshalb auch ein Einblick in die Schwulen-Szene der dama­ligen Zeit, als ein öffent­li­ches Outing noch undenkbar war. Im Programm­heft wird unter den Mitwir­kenden auch eine Inti­mi­täts- und Gewalt­ko­or­di­na­tion genannt – ein Indiz dafür, wie nahe sich das Schau­spieler-Quin­tett im ersten Teil des eindring­li­chen Abends kommt.

>

Weitere Aufführungen: 6./23.5., 15./28.6.2026, https://www.residenztheater.de/stuecke/detail/mercury

Fotos: Sandra Then