Beethoven-Graphic-Novels

Genial gezeichnet!

von Maria Goeth

18. Mai 2021

Ludwig van Beethoven inspiriert Graphic Novelists zu Werken ohne falsche Idealisierung. Sie tauchen ein in dessen desaströse Jugendjahre, zeigen die absurde Verklärung nach dessen Tod und werfen Schlaglichter auf dessen Rezeption.

Luddi extrem

Der kleine „Luddi“ will die Welt auf den Kopf stellen: „… dass man nicht immer von anderen gesagt bekommt, was zu tun ist. Sondern dass man es selber sagt.“ Kurz darauf wird der Sieben­jäh­rige „van Kack­hoven“ erstmal ordent­lich von seinen Gleich­alt­rigen verdro­schen und bepin­kelt. Mikael Ross nimmt die Jugend­jahre der Kompo­nis­ten­le­gende ins Visier. Seine Zeich­nungen und Texte sind dabei so intensiv und dras­tisch wie Beet­ho­vens Leben. Da wird nichts beschönt oder verklärt: von Luddis stän­digen Magen-Darm­leiden, dem uferlos verschul­deten Alko­ho­li­ker­vater, den Alpträumen durch die Pocken-Epidemie oder den Totge­burten der Mutter – die Bilder sind krass, origi­nell und verdammt gut gezeichnet. In seiner Radi­ka­lität ist diese Graphic Novel insge­samt modern, witzig, intim und berüh­rend!

Mikael Ross, Goldjunge

Mikael Ross: „Gold­junge. Beet­ho­vens Jugend­jahre“ (avant-verlag)
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Ich, ich, ich!

Mathias Wieland liest aus Beet­hoven. Unsterb­li­ches Genie von Peer Meter und Rem Broo

„Joa, in musst erst sterben, damit’s dich hoch­leben lassen“. Das Buch von Peer Meer und Rem Broo beginnt am Tag von Beet­ho­vens Tod und dreht sich weniger um dessen Leben als um den unmit­telbar danach einsetzen Hype und die absurde Verklä­rung des Kompo­nisten. Da wird um eine Locke aus Beet­ho­vens Haar ebenso geran­gelt wie darum, wer ihm den „Verrat“ Napo­leons meldete oder wer ihn zum Publikum drehte, als er bereits ertaubt das Ende seiner Neunten Sinfonie verpasste. Jeder bean­sprucht den Meister für sich! In farb­lich von der dunkel getönten „Realität“ abge­ho­benen Rück­blenden werden die gängigsten Anek­doten aus Beet­ho­vens Leben erzählt. Der Stil ist lieb­li­cher als bei Ross, die Sprache schlichter, die Erzähl­weise lang­samer, die Bebil­de­rung groß­zü­giger – mit bis zu doppel­sei­tigen Ansichten Wiens. Sehr hübsch, aber braver und nicht ganz so extra­va­gant wie Ross.

Peer Meter und Rem Broo, Beethoven

Peer Meer und Rem Broo: „Beet­hoven. Unsterb­li­ches Genie“ (Carlsen)
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Bebil­derte Zitate

Moritz Stetter, Mythos Beethoven
Blick in Mythos Beet­hoven von Moritz Stetter

Moritz Stetters Buch ist weniger eine echte Graphic Novel als ein Comic aus illus­trierten histo­ri­schen Zitaten von und über Beet­hoven, die nach thema­ti­schen Kapi­teln wie Paté­tique, Eroica oder Pasto­rale ange­ordnet sind. Die einzelnen Zitate sind oft nur wenige Bilder lang und jeweils unter­schied­lich einge­färbt. So werden patch­work­haft und ohne fort­lau­fenden Erzähl­strang kleine Schlag­lichter von den Beet­hoven-Begeg­nungen promi­nenter Zeit­ge­nossen über dessen Eigen­arten bis zum Ge- und Miss­brauch der Ode an die Freude durch die Nazis oder den G20-Gipfel gesetzt. Stetter zeichnet gröber und skiz­zen­hafter als Broo oder gar Ross. Manchmal kommen die Illus­tra­tionen recht figür­lich daher, etwa wenn die Vögel in ihren Sprech­blasen Musik­in­stru­mente haben. Dennoch ist der Band viel char­manter als jedes andere Beet­hoven-im-
Spiegel-seiner-Zeit-Buch.

Moritz Stetter, Mythos Beethoven

Moritz Stetter: „Mythos Beet­hoven“ (Knese­beck)
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