Die Playlist von...

Patricia Kopatchin­skaja

von crescendo Redaktion

12. März 2018

Die moldauische Geigerin Patricia Kopatchinskaja hat CRESCENDO ihre private Playlist verraten. Eine spannende Mischung von zeitgenössischen Kompositionen.

Die Play­list von Patricia Kopatchin­skaja

1. Tanase: Male­dic­tion d’amour
In Tanases hypno­tisch beschwö­render Stimme spie­gelt sich meine ganze Herkunft, meine Heimat, das Leid und die Leiden­schaft dieser Länder, der Urgrund meiner Musik und meiner Empfin­dungen.

2. Fran­cisco Coll: Four Iberian Minia­tures
Dieser junge spani­sche Kompo­nist schöpft unter anderem aus der Tradi­tion seines Herkunfts­landes. Er evoziert iberi­sche Farben und Formen mit Neuheit, Witz und Sinnen­freude. Selten hört man Musik, die einer­seits so heraus­for­dert, aber gleich­zeitig zu hören und spielen Spaß macht. Coll ist auch Maler mit einer ausge­spro­chen gefühl­vollen Bezie­hung zu Pinsel und Farbe. Ebenso sind seine Kompo­si­tionen keine konstru­ierten Kopf­ge­burten, sondern sinn­lich erfahr­bare Wesen. Er hat für mich und die Cellistin ein Doppel­kon­zert geschrieben, das wir 2019 mit der Came­rata urauf­führen werden.

3. Michael Hersch: Die Zerstö­rung der Blumen, 20. Satz
Michael Hersch ist ein Kompo­nist und Pianist aus den . Trotz seines relativ jungen Alters, wurde er durch schwerste Krank­heit mit den letzten Dingen konfron­tiert. Seine Musik beschäf­tigt sich damit und mit der Frage, was wir derzeit mit unserem Planeten anstellen. Hier gibt es keine schönen, unter­halt­samen Ober­flä­chen. Alles ist direkt und scho­nungslos. Neben ihm erscheint die Beschäf­ti­gung mit Barock, Klassik und Romantik fast wie feiger Eska­pismus. Es ist eine Ausein­an­der­set­zung mit den eigenen Kräften, die an die Grenzen gehen.

4. : Poly­di­men­sio­nale Szenen VII „Vonal­mezök“
Márton Illés ist ein unga­ri­scher Pianist und Kompo­nist. Seine Werke haben die Qualität des neuartig „Uner­hörten“ und gleich­zeitig etwas Unbe­dingtes, das mich voll­kommen bannt. Ich freue mich und bin unend­lich gespannt auf sein neues Violin­kon­zert in .

5. Luca Fran­ces­coni: Duende, The Dark Notes
Der Italiener Luca Fran­ces­coni hat bei studiert und ist der Doyen der hier präsen­tierten Kompo­nisten. Seine Musik hat die Qualität, sofort Aufmerk­sam­keit auf sich zu ziehen und gefangen zu halten. Und in der Einspie­lung mit Leila Jose­fo­wicz ist eine uner­schro­ckene Geigerin zu hören, die ihre enorme musi­ka­li­sche Intel­li­genz, Virtuo­sität, Schön­heit und Bühnen­prä­senz der bequemen Klas­si­k­rou­tine völlig verwei­gert und nur noch Neue Musik spielt. Ein neues Stück für Violine solo von Fran­ces­coni werde ich auf einem Album mit dem Ensemble aufnehmen.

Fotos: Marco Borggreve