Joseph Calleja zählt zu den größten Tenören der Gegenwart und ist unterwegs in aller Welt. Doch die Sehnsucht nach Malta ist immer da. 

Joseph Calleja liebt die Sinnlichkeit von Malta, den Duft, die Natur, vor allem aber die Menschen. Bis heute verbringt er viel Zeit auf der Insel. 2012 wurde er von der maltesischen Regierung zum Kulturbotschafter des Landes ernannt.

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Joseph Calleja singt aus seinem Album „The Magic of Mantovani“

Das Parfüm der Insel Malta ist von süß-herber Sinnlichkeit. Da sind die würzigen Düfte der Wildblumen und Gräser, da sind die herzhaften Aromen der maltesischen Küche, die aus den vielen Restaurants ins Freie ziehen, und da ist der immerwährende Duft des Meeres, das den kleinen Staat umgibt und ihm eine wechselhafte Geschichte eingebracht hat. Joseph Calleja liebt diese betörende Mi­­schung. Er hat sie jahrzehntelang eingesogen, und wann immer er kann, kehrt er zu ihr zurück. Dass er während der kulturarmen Corona-Monate besonders lange in seiner Heimat sein konnte, war ein kleiner Trost in dieser sonst so schwierigen Zeit. 

»Auf Malta vereinen sich mediterrane und europäische Kultur, auch Afrika ist nicht weit. Wir sind ein Schmelztiegel, und das macht das Leben hier so reich.«

Für den lyrischen Tenor ist die malerische Insel im Herzen des Mittelmeers Sehnsuchts- und Seelenort zugleich. Der international gefragte Künstler hat hier seine Kindheit und Jugend verbracht, hier findet er in seinem bewegten Künstlerleben Ruhe und Kraft.  „Auf Malta ist alles bestimmt vom Meer“, erzählt der Sänger. „Das Wasser prägt die ganze Identität der Insel und hat uns verschiedene Kulturen gebracht, die Malta heute ausmachen. Wir sind ein Mix aus allem. Hier vereinen sich mediterrane und europäische Kultur, auch Afrika ist nicht weit… Wir sind wirklich ein Schmelztiegel, und das macht das Leben hier so reich.“ 

Blick auf den höchsten Punkt des maltesischen Archipels: Dingli Cliffs, benannt nach dem Ritter Sir Thomas Dingley. Im 16. Jahrhundert nahm der Großmeister des Johanniterordens, der aus den Kreuzzügen hervorgegangen war, Malta als ewiges Lehen von Kaiser Karl V. an. Die Kuppel ist eine ehemalige Radaranlage der Royal Air Force
(Foto: © Myriam Thyes / Wikimedia)

Auf halbem Weg zwischen Gibraltar und Alexandria gelegen, 95 Kilometer von der italienischen Insel Sizilien und 288 Kilometer von Tunesien entfernt, ist Malta mit über 300 Sonnentagen im Jahr Sommer pur. Der lebensfrohe 43-jährige Musiker ist eindeutig ein Sonnenkind dieser Nation: Die bunten Fischerboote in den Häfen, unzählige Grill­abende am Strand, der erste Kuss am Meer – der Charme Maltas hat die Kindheit und Jugend Callejas maßgeblich geprägt, und wenn er heute als Botschafter dieses Landes in aller Welt unterwegs ist, weiß er, wovon er schwärmt. 

»In Malta sind immer viele Menschen auf engem Raum. Hier herrscht das pralle Leben, bunt und laut – eine gute Basis, um Heimat in anderen Ländern zu finden.«

Als Calleja 1997 zum ersten Mal für längere Zeit seine Heimat verließ, um im Ausland seine Karriere fortzusetzen, war dies ein Sprung ins kalte Wasser, erzählt er. Gleichwohl habe ihn seine Kindheit auf Malta gut auf sein Bühnenleben vorbereitet. Der Mix der Kulturen und Sprachen und die hohe Bevölkerungsdichte haben ihn sprachlich wie menschlich geschult. „In Malta sind immer viele Leute auf engem Raum – hier herrscht das pralle Leben, bunt und laut“, sagt Calleja. Das führe zu einer Offenheit und Toleranz beim Blick auf andere Menschen und sei eine gute Basis, um Heimat in anderen Ländern zu finden.

Tempelanlage von Mnajdra
Die neolithische Tempelanlage von Mnajdra an der Südwestküste ist in ihrer Größe einzigartig. Rätsel gibt die Vielzahl solch großer Tempel auf.
(Foto: © Alecastorina93 / Wikicommons)

Was Malta besonders auszeichnet, ist seine Vielseitigkeit auf vergleichsweise kleinem Gebiet. Schließlich umfasst die Insel gerade mal 316 Quadratkilometer – kulturelle wie historische Schätze gibt es hier hochkonzentriert. Die faszinierende Vielgestaltigkeit offenbart sich schon in der Landschaft der Insel, die von den wild zerklüfteten Felsformationen im Süden samt malerischer kleiner Buchten bis hin zur sanft schwingenden Hügellandschaft im Norden und der glasklaren blauen Lagune zwischen Malta und der Nachbarinsel Gozo mit verschiedensten Eindrücken aufwartet. Nicht ohne Grund ist die Insel seit Langem eine beliebte Kulisse für Hollywood-Spielfilme. Ebenso reich ist auch die Geschichte des Landes, die sich in zahlreichen archäologischen Stätten widerspiegelt, den Museen, Palästen und Kulturdenkmälern wie den 7.000 Jahre alten Tempelanlagen oder dem größten Naturhafen der Welt in Valletta. 

»Malta hat eine spezielle Energie. Es gibt so viele besondere Orte, die die Seele berühren.«

Überhaupt – Valletta: Joseph Calleja liebt es, durch die kleinen Gassen der Hauptstadt zu schlendern, die seit 1980 unter dem Schutz der UNESCO steht und ihre Besucher, insbesondere seitdem sie 2018 europäische Kulturhauptstadt war, mit schmucken Fassaden und farbenfrohem Flair empfängt. Calleja selbst ist im Norden Maltas in Mellieħa aufgewachsen – dem „schönsten Ort der Welt“, wie er sagt. Im Frühling und Sommer der Duft von Thymian, im Winter gelbe Narzissenfelder, und schon bald kam als weiterer Sinneseindruck die Musik hinzu. 

The Red Tower, Malta
Die Festung St Agatha’s Tower aus dem 17. Jahrhundert in der Nähe von Mellieħa, dem nördlichsten Dorf der Insel, wo Joseph Calleja aufwuchs
(Foto: © Inkwina / Wikipedia)

Die ersten Lieder hörte Calleja in der Kirche, dort sang er im Kirchenchor, später im Schulchor, dann in einer Rockband. Als er mit 13 schließlich eine Aufnahme von Caruso entdeckte, war es um ihn geschehen – sein Traumberuf stand fest. Calleja lebt ihn heute auf verschiedensten Bühnen. Und auch wenn er sich längst als Weltenbürger bezeichnet – sobald er von Malta erzählt, ändert sich sein Ton. „Diese Insel hat eine ganz spezielle Energie. Es gibt so viele besondere Orte, die die Seele berühren“, sagt Calleja, und wenn man auf den Felsen am Meer stehe, fühle es sich manchmal an, „als würde die tausendjährige Geschichte förmlich aus der Landschaft fließen“. 

»Wenn ich an Malta denke, denke ich zuallererst an die Menschen dort. Sie sind großzügig, warmherzig, ehrlich, auch rau manchmal, sehr humorvoll.«

Doch auch wenn die Natur umwerfend und die Geschichte prägend ist, sind es schließlich die Malteser selbst, die seine Heimat für Joseph Calleja so einzigartig und liebenswürdig machen. „Wenn ich an Malta denke, denke ich zuallererst an die Menschen dort“, sagt der Sänger, der normalerweise zweieinhalb bis drei Monate pro Jahr auf seiner Heimatinsel verbringt. „Sie sind großzügig, warmherzig, ehrlich, auch rau manchmal, sehr humorvoll“, so Calleja, und darüber hinaus ausgesprochen gastfreundlich. „Die echten Malteser geben ihren Gästen, bevor sie selbst essen.“ Dabei sei auch die maltesische Küche ein fantastischer Schmelztiegel – diesmal im kulinarischen Sinne. Orientalische Einflüsse, mediterrane Kochkünste und hervorragende Zutaten machen Malta zu einem beliebten Ziel für Genießer. 

Joseph Calleja ist ein Genussmensch. Und wenn er nicht mit seinem Hund am Strand wandert…
(Foto: © Air Malta, Videoausschnitt)

Hier gibt es bestes Seafood direkt aus dem Meer, wunderbare Märkte mit herrlichem Obst, und das maltesische Brot ist einfach großartig“, schwärmt Calleja. Der Sänger mit der warm schmelzenden Tenorstimme und der packenden Bühnenpräsenz ist ein Genussmensch durch und durch und schätzt die Erdigkeit und Frische Maltas gleichermaßen. Wenn er nicht gerade an seinen neuen Rollen feilt und bei Proben oder Aufführungen unterwegs ist, wandert er mit seinen Hunden am Strand entlang, kümmert sich um seine Bienenvölker in den maltesischen Wäldern oder fährt mit dem Boot hinaus aufs Meer und fischt. „Ich habe viele Hobbys“, sagt Calleja und lacht mit voller Stimme, und wann immer er nach Malta komme, gebe es viel zu tun. 

»Malta ist wie eine wunderschöne, unabhängige, intelligente und starke Frau, ein bisschen kapriziös manchmal, aber herzensgut.«

Längst ist Joseph Callejas Heimat die Welt und feiert er Erfolge auf den großen Bühnen. Dann ist er in der Tosca in Madrid zu sehen, im Rigoletto in Paris oder in Luisa Miller in Hamburg. Malta aber bleibt in seinem Herzen, ganz egal, wo er auch ist, sagt Calleja – eine Insel „wie eine wunderschöne, unabhängige, intelligente und starke Frau. Ein bisschen kapriziös manchmal. Aber herzensgut.“

Auftrittstermine und weitere Informationen zu Joseph Calleja unter: josephcalleja.com

„The Magic of Mantovani. The Original Recordings with Joseph Calleja” (Decca)

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