Bei Ver­dis Oper Mac­beth ist Maria Cal­las’ sen­sa­tio­nel­ler Sca­la-Auf­tritt im Jahr 1952 bis heu­te der Maß­stab geblie­ben: Die ers­te rund­um über­zeu­gen­de Stu­dio­auf­nah­me gelang Clau­dio Abba­do erst 24 Jah­re spä­ter, als er die gefei­er­te Sca­la-Pro­duk­ti­on Gior­gio Streh­lers für die Schall­plat­te nach­pro­du­zier­te. Die­se auch akus­tisch exzel­len­te Refe­renz-Auf­nah­me gibt es jetzt in einem neu­en digi­ta­len Remas­ter, und sie hat nichts ein­ge­büßt von ihrer jugend­li­chen Fri­sche, ihrer schar­fen, rhyth­mi­schen Atta­cke und ihrer sog­ar­ti­gen Strin­genz. Es ist bis heu­te die im Orches­ter­spiel sorg­fäl­tigs­te, in der voka­len Gesamt­leis­tung homo­gens­te Ein­spie­lung die­ser fins­te­ren Oper geblie­ben, die in den männ­li­chen Par­ti­en mit Pie­ro Cap­puc­cil­li (Mac­beth), Nico­lai Ghi­au­rov (Ban­co) und Pla­ci­do Dom­in­go (Macduff) die damals welt­weit füh­ren­den Akteu­re auf­bot. Auch Shir­ley Ver­rett lie­fer­te ein hoch­dra­ma­ti­sches Por­trät der Lady, wenn­gleich ihr das ent­schei­den­de Quan­tum voka­len Gifts fehl­te, wäh­rend der jun­ge Abba­do das Kunst­stück fer­tig­brach­te, den nöti­gen thea­tra­li­schen Furor mit einer an Pedan­te­rie gren­zen­den Prä­zi­si­on im Orches­ter und bei den Chö­ren zu ver­knüp­fen: Als Stu­dio­auf­nah­me ist die­ser „Mac­beth“ noch immer kon­kur­renz­los.

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Attila Csampai
Attila Csampai ist Chefrezensent bei crescendo. Als gebürtiger Budapester lebt er seit 1957 in München, und studierte hier Musikwissenschaft. Seit 1974 schreibt er Schallplattenkritiken in allen wichtigen Fachzeitschriften. Seine Essays, seine Werkkommentare und vor allem sein zahlreichen Musikbücher sind legendär. 32 Jahre lang war er Musikredakteur und Live-Moderator beim Bayerischen Rundfunk. Seine CD-Sammlung umfasst mehr als 30.000 Alben.

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