Claudio Abbado

Konkur­renzlos

von Attila Csampai

4. Februar 2019

Die bis heute im Orchesterspiel sorgfältigste, in der vokalen Gesamtleistung homogenste Einspielung dieser finsteren Oper!

Bei Verdis Oper Macbeth ist ’ sensa­tio­neller Scala-Auftritt im Jahr 1952 bis heute der Maßstab geblieben: Die erste rundum über­zeu­gende Studio­auf­nahme gelang erst 24 Jahre später, als er die gefei­erte Scala-Produk­tion Giorgio Streh­lers für die Schall­platte nach­pro­du­zierte. Diese auch akus­tisch exzel­lente Refe­renz-Aufnahme gibt es jetzt in einem neuen digi­talen Remaster, und sie hat nichts einge­büßt von ihrer jugend­li­chen Frische, ihrer scharfen, rhyth­mi­schen Attacke und ihrer sogar­tigen Strin­genz. Es ist bis heute die im Orches­ter­spiel sorg­fäl­tigste, in der vokalen Gesamt­leis­tung homo­genste Einspie­lung dieser fins­teren Oper geblieben, die in den männ­li­chen Partien mit Piero Cappuc­cilli (Macbeth), Nicolai Ghiaurov (Banco) und Placido Domingo (Macduff) die damals welt­weit führenden Akteure aufbot. Auch Shirley Verrett lieferte ein hoch­dra­ma­ti­sches Porträt der Lady, wenn­gleich ihr das entschei­dende Quantum vokalen Gifts fehlte, während der junge Abbado das Kunst­stück fertig­brachte, den nötigen thea­tra­li­schen Furor mit einer an Pedan­terie gren­zenden Präzi­sion im Orchester und bei den Chören zu verknüpfen: Als Studio­auf­nahme ist dieser „Macbeth“ noch immer konkur­renzlos.