Parker Quartet

Kompro­misslos heraus­for­dernd

von Roland H. Dippel

17. November 2021

Lohnendes Musikerlebnis! Das Parker Quartet und die Bratschistin Kim Kashkashian feiern György Kurtágs 95. Geburtstag.

beging im Februar 2021 seinen 95. Geburtstag. Der Spröde, mit Tönen spie­lende und grübelnde Ungar bevor­zugte lange Zeit die klein besetzten musi­ka­li­schen Formen. Dabei machte er sich rar mit Selbst­er­klä­rungen zu seinen Kompo­si­tionen.

Das Parker Quartet spielt Offi­cium breve in memo­riam Andreæ Szer­vánsky, op.28 von György Kurtág

Man muss es sofort erwähnen: Antonín Dvořáks in entstan­denes Streich­quin­tett Nr. 3 ist ein nicht-mate­ri­eller Fremd­körper auf diesem Album. Sicher spielt das Parker Quartet dieses schlank, stimmig und mit kanta­blem Fein­sinn. Doch Dvořáks Melodik und formale Geschlos­sen­heit fährt wie ein warmer Föhn­wind zwischen die von rauem Wetter gegerbt klin­genden Kompo­si­tionen Kurtágs. Dessen Ausspa­rungen, die mitunter leer wirkenden Akkorde und die Zeit­po­ten­ziale groß­zügig ausschrei­tenden Klänge geben dem inne­woh­nenden Vakuum Form – und vor allem Span­nung. So wird Kurtágs schnelles Capriccio in den seinem Sohn gewid­meten Six moments musi­caux zu einem für Hörer heraus­for­dernden Ener­gie­kick.

Die Brat­schistin Kim Kash­ka­shian spielt mit im Streich­quin­tett Nummer drei, das 1893 in Amerika kompo­nierte
(Foto: Cate­rina Di Perri / ECM Records)

Der Spröde inspi­riert sich am eigen­wil­ligen Rätsel­haften: Kurtág unterzog im Satz Foot­falls Samuel Beckett einer musi­ka­li­schen Para­phrase und denkt in Tönen immer wieder an andere wie den Klavier­päd­agogen György Sebők oder Endre Szer­vánszky, der in zahl­reiche unga­ri­sche Kompo­si­ti­ons­stu­die­rende unter­richtet hatte. Kurtágs musi­ka­li­sches Erin­nern an Stock­hausen, Boulez und Wegge­fährten der Neuen Musik, die er zum Teil schon Ende der 1950er-Jahre in Paris kennen­ge­lernt hatte, führt in seinen Werken zu hör- und spür­baren Reibungs­flä­chen. Dass Kurtág, der Karge, eigent­lich ein verkappter Musik­dra­ma­tiker ist, bestä­tigte sein Opern­debüt mit Becketts Endspiel an der Mailänder Scala 2018. Kurtágs dialog­fä­hige Ausdrucks­kraft macht auch dieses Album zu einem nicht einfa­chen, aber die Mühe der Erschlie­ßung lohnenden Musikerleben, das alle Mitwir­kenden mit geis­tiger und spie­le­ri­scher Best­form beflü­gelt.

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Auftrittstermine und weitere Informationen zum Parker Quartet unter: www.parkerquartet.com