Rabiater Mozart

Die Kölner Akadamie

Von den Auf­trags­ar­bei­ten Mozarts für die Wie­ner Frei­mau­rer konn­te sich nur die Mau­re­ri­sche Trau­er­mu­sik im Reper­toire hal­ten. Die acht kür­ze­ren Vokal­wer­ke sind unbe­kannt. Ledig­lich mit der Zau­ber­flö­te, sei­ner popu­lärs­ten Oper, konn­te sich der Frei­mau­rer Mozart ein dau­er­haf­tes Denk­mal set­zen. Jetzt hat die Köl­ner Aka­de­mie unter ihrem Lei­ter Micha­el Alex­an­der Wil­lens alle „ech­ten“ Frei­mau­rer-Musi­ken Mozarts in einem Album zusam­men­ge­fasst und für den Solo­part den exzel­len­ten aus­tra­li­schen Tenor John Heu­zen­ro­eder ver­pflich­tet. Die zwi­schen 1784 und 1791 für ver­schie­de­ne Wie­ner Logen kom­po­nier­ten Vokal­sät­ze, die zumeist für Tenor, Män­ner­chor und Instru­men­tal­be­glei­tung gesetzt sind, ver­to­nen aktu­el­le, fei­er­lich-erbau­li­che Tex­te, die die Tugen­den, Idea­le und die neue brü­der­li­che Moral des Geheim­bun­des in den schöns­ten Far­ben prei­sen und fast als reli­giö­ses Ritu­al zele­brie­ren. Es fällt auf, dass Mozart die Sache sehr ernst nimmt und sich hier auf dem Niveau sei­ner Wie­ner Opern bewegt. Die lyri­sche Empha­se der Lie­der erin­nert an Opern­fi­gu­ren wie Bel­mon­te oder Tami­no. Den Höhe­punkt des Albums aber bil­det die Schau­spiel­mu­sik zu Tha­mos aus dem Jahr 1778, die als dra­ma­ti­sche Sturm-und-Drang-Sin­fo­nie durch­ge­hen könn­te und die hier von der hoch­mo­ti­vier­ten Köl­ner Trup­pe mit glas­klar durch­ge­zeich­ne­ter, atta­ckie­ren­der Ver­ve unter Strom gesetzt wird: So rabi­at klingt Mozart sel­ten.

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Attila Csampai
Attila Csampai ist Chefrezensent bei crescendo. Als gebürtiger Budapester lebt er seit 1957 in München, und studierte hier Musikwissenschaft. Seit 1974 schreibt er Schallplattenkritiken in allen wichtigen Fachzeitschriften. Seine Essays, seine Werkkommentare und vor allem sein zahlreichen Musikbücher sind legendär. 32 Jahre lang war er Musikredakteur und Live-Moderator beim Bayerischen Rundfunk. Seine CD-Sammlung umfasst mehr als 30.000 Alben.

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