Die Staats­bi­blio­thek zu Ber­lin stellt ihre Beet­ho­ven-Auto­gra­fen aus.

Von 11. März bis 30. April 2020 zeigt die Staats­bi­blio­thek zu Ber­lin zum ers­ten Mal seit der Wie­der­ver­ei­ni­gung Ori­gi­na­le aus ihrem umfang­rei­chen und viel­fäl­ti­gen Auto­gra­fen-Bestand zu Beet­ho­ven. Beleuch­tet wer­den die ver­schie­de­nen Facet­ten von Beet­ho­vens Leben und Schaf­fen. So ver­mit­telt die Aus­stel­lung sowohl Ein­bli­cke in den kom­po­si­to­ri­schen Arbeits­pro­zess, als auch in geschäft­li­che Vor­gän­ge und all­täg­li­che Vor­komm­nis­se.

20 000 Seiten musikalischer Werke

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Aus dem Bestand der Staats­bi­blio­thek zu Ber­lin: alle Bän­de von Beet­ho­vens Neun­ter Sin­fo­nie 

221 Musik­au­to­gra­fen, 137 Kon­ver­sa­ti­ons­hef­te und 380 Brie­fe von Beet­ho­ven lagern in der Staats­bi­blio­thek zu Ber­lin. Das sind knapp 20 000 Sei­ten musi­ka­li­scher Wer­ke und rund 10 000 Sei­ten Brie­fe sowie fast 1000 Erst- und Früh­dru­cke.

Alle drei Fidelio-Fassungen

Das ers­te Auto­graf, das 1841, an die König­li­che Biblio­thek zu Ber­lin gelang­te, war das Kyrie der Mis­sa Solem­nis. In der Fol­ge kamen die Zwei­te, Vier­te, Fünf­te, Sechs­te und Ach­te Sin­fo­nie, fünf Kla­vier­kon­zer­te, Streich­quar­tet­te und Büh­nen­wer­ke sowie die Bear­bei­tun­gen wali­si­scher, schot­ti­scher und ande­rer euro­päi­scher Lie­der. So besitzt die Staats­bi­blio­thek etwa Auf­zeich­nun­gen aller drei Fas­sun­gen von Fide­lio

War wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs an drei ver­schie­de­nen Orten aus­ge­la­gert: das Auto­graf von Beet­ho­vens Neun­ter Sin­fo­nie

Auch die Neun­te Sin­fo­nie ist in Beet­ho­vens eige­ner Hand­schrift vor­han­den. Die­ses Auto­graf wur­de 2001 in das UNESCO-Regis­ter „Memo­ry of the World“ auf­ge­nom­men. Wäh­rend des Zwei­ten Welt­krie­ges war es aus Schutz vor Bom­ben an ver­schie­de­nen Orten aus­ge­la­gert. Nach dem Krieg befand sich ein Teil in Polen, einer in der Ost­ber­li­ner und einer in der West­ber­li­ner Staats­bi­blio­thek. Der Riss ging dabei genau durch den Satz „Die­sen Kuss der gan­zen Welt!“, der der Aus­stel­lung den Titel gibt. Erst nach dem Fall der Mau­er kamen die Tei­le zusam­men, die jetzt in der Aus­stel­lung zu sehen sind.

137 Kon­ver­sa­ti­ons­hef­te besitzt die Staats­bi­blio­thek zu Ber­lin 

Die Kon­ver­sa­ti­ons­hef­te kamen 1846 in die Biblio­thek. Anton Schind­ler, Beet­ho­vens Sekre­tär, hat­te sie nach Beet­ho­vens Tod 1827 „an sich genom­men“. Spä­ter ver­kauf­te er sie an die Biblio­thek. 137 sol­cher Büch­lein besitzt die Biblio­thek.

Beethovens Liebesbrief aus dem Magazintresor

Unter den über 300 Brie­fen befin­det sich auch das zehn­sei­ti­ge Schrei­ben an Beet­ho­vens „Unsterb­li­che Gelieb­te“. Für die Aus­stel­lung wur­de es aus einem Maga­zin­tre­sor geholt.

Als Beet­ho­vens Leben zu Ende ging, schick­te der Ver­le­ger Kräu­ter­wein mit einem Gebrauch­zet­tel

Ein Kurio­sum stellt ein Brief aus Beet­ho­vens Ster­be­jahr 1827 vom Ver­lag B. Schott’s Söh­ne dar. Ihm war ein „Gebrauch­zet­tel“ ange­fügt: „Von dem Kräu­ter­wein wird des Mor­gends, Mit­tags und Abends, jedes­mal ein Ess­löf­fel voll genom­men, soll­te die­ses aber zu stark angrei­fen und man spür­te Üben zum Erbre­chen, so setzt man immer einen Tag aus…“ Der Kräu­ter­wein lag der Sen­dung eben­falls bei.

Mit natürlichen Haaren

Das Por­trät oben ist eine Litho­gra­fie von Carl Fischer aus dem Jahr 1843. Die­se wur­de nach einer Zeich­nung her­ge­stellt, die August von Klo­eber 1817 in Möd­ling bei Wien anfer­tig­te. „Als Beet­ho­ven mei­ne Zeich­nung sah“, schrieb Klo­eber dazu, „bemerk­te er, dass ihm die Auf­fas­sung der Haa­re auf die­se Wei­se natür­lich erschie­ne, denn sie hät­ten ihn bis jetzt immer so geschnie­gelt her­aus­ge­ge­ben so wie er vor den Hof­schran­zen erschei­nen müs­se, und so wäre er gar­nicht!“

Alle Beethoveniana auch digital

Und für alle, die nicht in Ber­lin leben und nicht hin­rei­sen wol­len, gibt es die Auto­gra­fen auch online. Seit Mit­te 2019 wur­den die Beet­ho­ve­nia­na digi­ta­li­siert. Erfasst sind 221 Musik­au­to­gra­fen, 137 Kon­ver­sa­ti­ons­hef­te und 380 Brie­fe.

Inter­es­sant sind die 30 Skiz­zen­bü­cher. Beet­ho­ven notier­te dar­in musi­ka­li­sche Ide­en. Folgt man die­sen Spu­ren, kann man die Ent­ste­hung sei­ner Wer­ke nach­ver­fol­gen und auch ein­zel­ne Pro­ble­me der Kom­po­si­ti­on erken­nen.

Infor­ma­tio­nen zur Aus­stel­lung „Die­sen Kuss der gan­zen Welt!“ in der Staats­bi­blio­thek zu Ber­lin: www.staatsbibliothek-berlin.de

Zur digi­ta­li­sier­ten Samm­lung der Staats­bi­blio­thek zu Ber­lin: https://digital.staatsbibliothek-berlin.de

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Ruth Renée Reif
Das „flüchtige Ereignis“ in crescendo anzukündigen, ist die Aufgabe von Ruth Renée Reif: Als Erleben-Redakteurin spürt sie mit detektivischem Eifer packende, hören- und sehenswerte Veranstaltungen für uns auf. Ruth Renée Reif studierte in Wien Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und ist seit ihrer Promotion 1987 in München als freie Journalistin und Publizistin tätig. Zu ihren Veröffentlichungen zählen eine Biografie über die Sängerin Karan Armstrong, ein historisches Porträt der Stuttgarter Philharmoniker sowie zahlreiche Gespräche mit Musikern, Schriftstellern und Philosophen.

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