Timothy Ridout spielt mit dem Pianisten Frank Dupree Bratschen-Arrangements von Sergei Prokofjews Romeo und Julia, Robert Schumanns Dichterliebe u.a.

Bratscher haben es wahrlich nicht leicht: als langsam und begriffsstutzig verspottet, in unzähligen Witzen verlacht und von Komponisten stiefmütterlich missachtet. Schluss damit, dachte im vergangenen Jahrhundert der große russische Bratschist Vadim Borisovsky und erstellte über 250 Arrangements von bekannten und weniger oft gespielten Werken für Viola. Darunter ist Sergei Prokofjews Ballett Romeo und Julia, das auf dem neuen Album „A Poet’s Love“ von Timothy Ridout zu hören ist. 

Eine Bandbreite emotionaler Gefühlszustände

Mit seinem Duopartner Frank Dupree am Klavier stellt der junge britische Bratschist Borisovskys populärer wie virtuoser Bearbeitung seine eigene Transkription von Robert Schumanns Dichterliebe gegenüber. Und auch die überzeugt! Ob hauchig, sul ponticello oder in dichter Expressivität: Ridout gelingt auf seinem Instrument eine selten gehörte Bandbreite emotionaler Gefühlszustände. Er belässt es allerdings nicht bei der bloßen Interpretation der Gesangsstimme, er spielt auch u. a. klug mit Oktavierungen, um Farbenreichtum zu erzeigen. Am besten gelingt ihm das im Lied Im Rhein, im heiligen Strome, wo man den majestätischen Kölner Dom ausgesprochen plastisch vernehmen kann. So hat man die Dichterliebe noch nie gehört! 

„Musik ist mein Leben.“ – Ein Gespräch mit Frank Dupree unter CRESCENDO.DE

„A Poet’s Love”, Timothy Ridout, Frank Dupree (Harmonia Mundi)