Dorothee Oberlinger

Vergnüg­li­ches Schä­fer­stünd­chen

von Guido Krawinkel

19. Juli 2022

Die Flötistin Dorothee Oberlinger hat mit den Vocalconsort Berlin und ihrem Ensemble 1700 Georg Philipp Telemanns wiederentdeckte »Pastorelle en musique« auf CD eingespielt.

Nein, eine Oper ist dies nicht. Pastorelle en musique hat Georg Philipp Tele­mann sein 1715 kompo­niertes musik­dra­ma­ti­sches Opus genannt. Was das genau ist, diese Erklä­rung liefert der zweite Teil des Titels: Es handelt sich um ein „Musi­ca­li­sches Hirten-Spiel“ und wie so oft in der Oper geht um das eine: die Liebe. Die Geschichte spielt – der Titel legt es nahe – im Schä­fer­mi­lieu, und es geht um zwei wider­spens­tige Hoch­zeits­pär­chen, verwir­rende amou­röse Verwick­lungen inklu­sive. Auch die Geschichte des Werkes ist eini­ger­maßen verwir­rend und verwi­ckelt. 1945 verschlug es die einzige erhal­tene Partitur nach Kiew – mit vielen weiteren Manu­skripten der Berliner Sing-Akademie. 2002 kehrte sie zurück, nun in die Berliner Staats­bi­blio­thek.

Ich scheide von hinnen mit lachenden Sinnen aus dem Album von Doro­thee Ober­linger, dem Vocal­consort Berlin und dem Ensemble 1700

Doro­thee Ober­lin­gers Aufnahme ist nicht die erste Wieder­ent­de­ckung und Aufnahme des Stückes, aber zwei­fels­ohne eine sehr lohnende und mitrei­ßende. Die eigen­tüm­liche Mischung aus Komödie, Schau­spiel, Sing­spiel und Drama entfaltet hier ihren Charme, zwar nicht szenisch wie 2021 bei den Musik­fest­spielen Potsdam, aber musi­ka­lisch, und das nicht zu knapp. Ober­linger und ihr Ensemble bieten ein höchst unter­halt­sames Schä­fer­stünd­chen, das alles in allem sehr vergnüg­lich und von der ersten bis zur letzten Note packend musi­ziert ist.

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Auftrittstermine und weitere Informationen zu Dorothee Oberlinger auf: www.dorotheeoberlinger.de