In einer Zeit von gehyp­ten, PR-Agen­tur gestrie­gel­ten Instru­men­ta­lis­ten sticht Till Fell­ner – sob sei­ner zumin­dest schein­ba­ren Zurück­hal­tung – eben nicht her­aus. Als Alfred Bren­del-Lieb­ling zwar durch­aus mit Vor­schuss­lor­bee­ren auf den Solis­ten­par­cours ent­las­sen, scheint sich sei­ne Kar­rie­re etwas ver­hal­ten ent­wi­ckelt zu haben und Fell­ner sel­ber per­ma­nent unter­schätzt zu wer­den. Da erfreut die­se Neu­erschei­nung, auch wenn die Ein­spie­lun­gen schon 16 (Liszts ers­tes Buch der Années de pèle­ri­na­ge) bzw. zehn (Beet­ho­vens Opus 111) Jah­re alt sind. Fell­ner ist kein Liszt-Prüg­ler: Sein Liszt ist betö­rend, mode­rat, sub­til. Sein Gla­mour-frei­er Ansatz, sein fei­nes Spiel und gera­de in Val­lée d’Obermann sein fri­scher Zug nach vorn, machen Lust auf mehr und Neu­es von Fell­ner. Der Beet­ho­ven – eine abtrün­ni­ge Note zum Ende des Alle­gro con brio sowie Applaus ver­ra­ten die live-Natur der Auf­nah­me – besticht durch Ele­ganz und Ruhe. 


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Jens Laurson
Jens F. Laurson fand mit Bach, Haydn und Rheinberger-Messen (als Domspatz) zur klassischen Musik losgelassen und ist bekennender musikalischer „Allesfresser“. Eigentlich studierter Politologe, kam er über Tim Page und die Washington Post zum Musikjournalismus. Er kann „Gennadi Roschdestwenski” buchstabieren, ohne nachschlagen zu müssen.

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