WILLKOMMEN IN DER NEUEN KLASSIK-WOCHE,

das The­ma ist gesetzt. Und es schlägt ganz unter­schied­lich zu: Die frei­be­ruf­li­chen Musi­ker ste­hen vor dem Ruin, und ein Welt­star wie Pláci­do Dom­in­go ist infi­ziert. Pest und Cho­le­ra! Aber es hilft nicht, den Kopf in den Sand zu ste­cken. Die Devi­se muss sein, die Zeit zu neu­em Den­ken zu nut­zen und Musik zu hören – um die Gedan­ken nicht zu dun­kel krei­sen zu las­sen. Die­se pas­sen­de Musik schen­ken wir Ihnen heu­te am Ende des News­let­ters.

CRESCENDO-NOTHILFE

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Hel­fen Sie uns zu hel­fen: Die CRE­SCEN­DO-Not­hil­fe will Musi­ke­rIn­nen, die ihre Mie­te auf Grund der Coro­na-Absa­gen nicht zah­len kön­nen, mit 500 Euro unter­stüt­zen.

Letz­te Woche haben wir an die­ser Stel­le die CRESCENDO-Not­hil­fe für Musi­ke­rIn­nen in Not gegrün­det. Inzwi­schen ist viel pas­siert: Expo­nen­ti­ell wächst die Anzahl von Künst­le­rIn­nen, die sich bei uns mit ihren Hil­fe­ru­fen mel­den. Der­zeit haben wir rund 300 Anträ­ge. Gleich­zei­tig sind wir begeis­tert von Ihrer Spen­den­be­reit­schaft – von Mini-Spen­den bis zu Groß­spen­den, alles ist vor­han­den. Der aktu­el­le Stand ges­tern war 13.000 Euro. Dan­ke für die­se Form der Soli­da­ri­tät! Es ist uns lei­der noch lan­ge nicht mög­lich, allen Hil­fe­su­chen­den bis zum Stich­tag am 29. Mai mit 500 Euro für die April-Mie­te unter die Arme zu grei­fen. Des­halb haben wir mit unse­rem Kura­to­ri­um aus Ver­tre­tern von „Art but Fair“, „GEMA“ und „Deut­schem Musik­rat“ beschlos­sen, im Zwei­fels­fall das Los ent­schei­den zu las­sen. 

Es sei denn: Sie hel­fen uns wei­ter, spen­den oder tei­len unse­re Akti­on auf Ihren Soci­al-Media-Kanä­len. Wir sam­meln bis zum 28. März und wol­len mit der Aus­schüt­tung noch vor dem Monats­an­fang, am 29. März, begin­nen. Wir hof­fen, dass die auf Hoch­tou­ren arbei­ten­den poli­ti­schen Gre­mi­en bis nächs­ten Monat prak­ti­ka­ble Lösun­gen fin­den. 

Eini­ge Bun­des­län­der, die GEMA, die GVL, die Orches­ter­ver­ei­ni­gung und der Bund bie­ten inzwi­schen auch Hil­fen an oder haben Not­fall­hil­fen in Pla­nung. Eine aktu­el­le Lis­te haben wir am Anfang unse­res Antrags erstellt. 

Unse­re Bit­te: Hel­fen Sie den Künst­le­rIn­nen, lesen Sie ihre per­sön­li­chen, exis­ten­zi­el­len Geschich­ten auf unse­rer Sei­te. Jede Spen­de zählt! Gern nen­nen wir am Ende der Akti­on den Namen der Spen­der, und: Wir wün­schen uns natür­lich einen Groß­spen­der.  

Die CRE­SCEN­DO-Not­hil­fe und Ihre Reak­tio­nen zei­gen schon jetzt eines: Gera­de in Zei­ten wie die­sen ist auf den Men­schen Ver­lass. Vie­le von Ihnen ver­ste­hen Kul­tur als Säu­le unse­rer Gesell­schaft – und sind bereit, sie zu unter­stüt­zen, auch wenn sie gera­de nicht spie­len darf. 

Wir alle von CRESCENDO sagen den Kul­tur­schaf­fen­den, allen ande­ren Men­schen, die der­zeit dafür sor­gen, dass die Welt sich wei­ter dreht – und jenen, die sich auf wel­che Art auch immer soli­da­risch zei­gen: Dan­ke!

CORONA-TICKER

Pláci­do Dom­in­go hat den posi­ti­ven COVID-19-Test auf sei­ner Face­book-Sei­te ange­kün­digt.

Ges­tern gab auch Pláci­do Dom­in­go bekannt, dass er posi­tiv auf das Coro­na-Virus getes­tet wur­de, an Fie­ber und Hus­ten litt und sich nun in Qua­ran­tä­ne bege­ben hat. +++ Umstrit­ten die Nach­richt, dass das Tokyo Sym­pho­ny Orches­tra zur Arbeit zurück­ge­kehrt ist – vie­le ver­mu­ten dahin­ter eine Wer­bung, die Olym­pi­schen Spie­le in die­sem Som­mer in Japan doch noch statt­fin­den zu las­sen. +++ Der Hei­den­hei­mer Zei­tung sag­te der wei­se Diri­gent Her­bert Blom­stedt: „Wir haben jetzt viel Zeit zum Nach­den­ken. Man muss aus sol­chen Kri­sen immer das Bes­te machen. Zu meckern oder zu trau­ern hilft nicht. Jede Kri­se ist eine Mög­lich­keit zur Ver­bes­se­rung.“ +++ Das „Kring­kas­ting­sor­kestret“ hat mit der Chal­len­ge begon­nen: Wel­ches Orches­ter spielt am bes­ten ein­zeln zu Hau­se gemein­sam … ein Para­de­bei­spiel für emo­tio­na­les Soci­al Distan­cing. +++ MET-Inten­dant Peter Gelb ver­zich­tet sel­ber auf sein Gehalt, legt die Ver­trä­ge sei­nes Orches­ters aber auch auf Eis. In Öster­reich und Deutsch­land wer­den vie­le Ensem­bles nun gezwun­gen, Urlaub abzu­bum­meln, oder auf Kurz­ar­beit gesetzt.   

STREAMENKOSTENLOS ODER NICHT?

So sieht es aus, wenn Igor Levit sei­nen täg­li­chen Stream um 19:00 Uhr vor­be­rei­tet.

Musi­ker spie­len nicht allein für den Lohn – sie müs­sen ein­fach Musik machen. Und das zei­gen sie in die­sen Tagen im Netz! So wie Igor Levit, der regel­mä­ßig um 19:00 Uhr aus sei­nem pri­va­ten Pro­be­zim­mer auf „Sen­dung“ geht. Dafür hagelt es inzwi­schen aber auch Kri­tik. Immer mehr Künst­ler fin­den kos­ten­lo­se Streams – meist in mit­tel­mä­ßi­ger Akus­tik – einen Ver­rat an der Sache. Mal­te Hem­me­rich hat sich mit die­sem Phä­no­men aus­ein­an­der­ge­setzt. Die Gei­ge­rin Marie-Lui­se Ding­ler von den Twio­lins sag­te ihm: „Wenn ein Künst­ler wie Igor Levit erst mal gute Stim­mung macht und auf­mun­tert, ist das super. Aber in die­ser Regel­mä­ßig­keit ein­fach über­trie­ben. Er for­dert ja sonst immer Soli­da­ri­tät – so ist das, was er jetzt tut, zu kurz gedacht: Tau­sen­de fin­den es toll, klar, aber ande­re Künst­ler gehen unter, auch weil es eben­falls vie­le Ange­bo­te von Orches­tern im Moment gibt.“ Natür­lich gibt es auch ande­re For­men: Aus dem Kon­zert­haus in Ber­lin hat das Öffent­lich-recht­li­che Fern­se­hen gestreamt – unter ande­rem mit Dani­el Hope und Lang Lang. In die­sem Fall haben die Künst­ler ohne Hono­rar gespielt. Viel­leicht wäre es eine Mög­lich­keit, beim nächs­ten Mal die Hono­ra­re aus­zu­zah­len und wei­ter­zu­ge­ben. Und dann gibt es natür­lich die kos­ten­pflich­ti­gen Strea­ming-Platt­for­men wie Takt1 oder Fide­lio, das gera­de Beet­ho­vens „Fide­lio“ in der Regie von Chris­toph Waltz aus dem Thea­ter an der Wien ohne Publi­kum über­tra­gen hat.

Grund­sätz­lich fin­de ich, dass in die­sen Tagen erst ein­mal alles erlaubt sein soll­te, dass die Kri­tik ein­fach Mal die Klap­pe hal­ten soll. Aber lang­fris­tig ist die­se Debat­te sicher­lich wich­tig und könn­te auch für die Zukunft der klas­si­schen Musik exis­ten­zi­ell wich­tig wer­den. Ähn­lich sieht es die Pia­nis­tin Sophie Paci­ni, die in der aktu­el­len Situa­ti­on auch eine Chan­ce sehen will. Als wir uns unter­hal­ten haben, sag­te die der­zei­ti­ge Beet­ho­ven-Bot­schaf­te­rin für das Goe­the-Insti­tut: „Wir befin­den uns im Beet­ho­ven-Jahr, viel­leicht soll­ten wir uns mal taub stel­len, um in uns zu gehen und die Grund­wer­te und Grund­fes­te über­prü­fen und die Ver­lang­sa­mung der Welt nut­zen, um neu zu den­ken.“ Fakt ist: Wohl kein Hol­ly­wood-Pro­du­zent käme auf die Idee, einen Film plötz­lich kos­ten­los ins Netz zu stel­len. In mei­ner Insta­gram-Umfra­ge fiel, bei sehr hoher Betei­li­gung, die Mei­nung ziem­lich deut­lich aus. 76 Pro­zent fan­den: Man soll­te für Streams zah­len, 24 Pro­zent fan­den, sie soll­ten auch in die­sen Tagen gra­tis blei­ben. Noch ein­deu­ti­ger das Ergeb­nis bei Face­book: Hier spra­chen sich 95 Pro­zent für das Bezahl­mo­dell aus.    

UND WO BLEIBT DAS GUTE?

Wir wol­len dan­ke sagen – dass Sie an die Musik glau­ben. Und wir wün­schen uns, dass Musik Ihnen auch in die­sen Zei­ten hilft. Des­halb kön­nen alle CRE­SCEN­DO-Leser, egal, ob sie das Heft abon­nie­ren, die Klas­sik-Woche, die Web­site besu­chen oder uns auf Face­book fol­gen, ab sofort und bis Ende Mai kos­ten­los auf eine der größ­ten Klas­sik­mu­sik-Diens­te (NML) mit über 150.000 Alben von über 900 Labels zurück­grei­fen. Regis­trie­ren Sie sich ein­fach hier – und hören Sie Musik, damit Ihre Gedan­ken nicht in blö­de Rich­tun­gen krei­sen. 

Ich per­sön­lich wün­sche Ihnen Opti­mis­mus, Mit­mensch­lich­keit – auch aus andert­halb Metern kann man dem Post­bo­ten und dem Super­markt-Mit­ar­bei­ter oder dem Müll­mann ein „Toll, dass Sie da sind!“ ent­ge­gen­ru­fen. Blei­ben Sie gesund! Blei­ben Sie zu Hau­se! Und nut­zen Sie die Zeit, um neu zu den­ken!

Ihr Axel Brüg­ge­mann

brueggemann@crescendo.de

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Axel Brüggemann
Axel Brüggemann glaubt, dass Musik das Leben verändern kann. Darüber hat er zunächst bei der WELT am SONNTAG geschrieben, bei der er auch Textchef war. Später schrieb er für die FAS und die Jüdische Allgemeine. Heute ist der ehemalige crescendo-Chefredakteur hauptsächlich fürs Fernsehen tätig: für arte, ZDF und SKY. Für seine Bayreuth-Moderationen wurde er für den Grimme-Preis nominiert. Brüggemanns Dokumentarfilme suchen stets nach dem Zusammenhang von Musik und Mensch.

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