Igor Levit legt mit der Aufnahme von Ronald Stevensons Variationsreihe ON DSCH ein Album mit drei CDs vor. 

Igor Levits Projekte werden scheinbar immer monströser. Hört man aber die fast vier Stunden seiner neuen Drei-CD-Box, dann findet sich bei Dmitri Schostakowitschs 48 Präludien und Fugen auch jede Menge Intimes, Kontemplatives, Zurückgenommenes. Noch mehr als beim Live-Auftritt in Salzburg vor fünf Jahren betreibt Levit mit diesem Wohltemperierten Klavier des 20. Jahrhunderts, komponiert 1950/1951, vor allem im ersten Teil eine Innenschau. Danach wird es immer mal wieder virtuos, und so überrascht CD drei nicht mehr. Sie enthält mit den 300 Variationen der Passacaglia on DSCH von Ronald Stevenson wahrlich Gigantisches. 

Igor Levit
Übermenschliche Konzentration: Igor Levit
(Foto: © Felix Broede)

Das Monogramm Dmitri Schostakowitschs sind bekanntlich D, Es, C und H, also ein Vierton-Motiv, das dem berühmten BACH nicht unähnlich ist. Deshalb ist ihm auch fast der ganze dritte Teil der Passacaglia gewidmet. In ihr fährt Stevenson 1962 alle Genres und Gattungen der Musikgeschichte auf: von Sonate über Suite bis (Tripel-)Fuge, Walzer, Fandango und Marsch. Das sorgt für 80 originelle Minuten ohne eine Sekunde Langeweile, in denen nur selten ein Nocturne oder eine Rêverie Entspannung bieten. Vom Pianisten erfordert das eine schier übermenschliche Konzentration, Kraft und Flexibilität. Aber all das besitzt Levit ja im Übermaß.

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