Requiem, Tango, Beethoven-Suche, Auschwitz-Gedenken und Farewell – fulminante Aufnahmen von Sternstunden der Instrumentalmusik 

Mit der Corona-Zeit geschuldeten Abständen haben die Bamberger Symphoniker unter ihrem Chefdirigenten Jakub Hrůša im Juli 2020 Gustav Mahlers Vierte Sinfonie aufgenommen – eine traumhaft weltabgewandte, poetische Darbietung, die unterstreicht, welch ein Ausnahmemusiker der junge Tscheche ist (Accentus). Auch seine Ersteinspielung des Klavierkonzerts von Vitězslav Novák mit dem Pianisten Jan Bartoš zeugt von solch überragender Klasse, wenngleich die Tondichtung Toman und die Waldnymphe, ein Hauptwerk des böhmischen Strauss-Zeitgenossen, in seiner mitreißenden Dramaturgie hier noch fesselnder ist (Supraphon).

Mahler IV

Mahler IV“, Anna Lucia Richter Bamberger Symphoniker, Jakub Hrůša (Accentus)
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Vitězslav Novák

Vitězslav Novák: „Piano Concerto, Toman and the Wood Nymph”, Jan Bartoš, Prague Radio Symphony Orchestra, Jakub Hrůša (Supraphon)
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1870, im selben Jahr wie Novák, ist der Franzose Florent Schmitt geboren, der in der Nachfolge Debussys bunt schillernde, exotisch flirrende Pracht mit besonderem Fokus auf die dunklen Orchesterfarben entfaltet. Das Buffalo Philharmonic setzt seinen Naxos-Zyklus unter der stringenten Leitung JoAnn Falettas fort mit Schmitts meisterhaft luxuriöser Tragédie de Salomé und Ersteinspielungen zweier zauberhafter Nebenwerke. Paul Ben-Haim, 1897 in München als Paul Frankenberger geboren, avancierte nach seiner Emigration 1933 nach Palästina zum großen israelischen Staatskomponisten. Die sinfonische Dichtung Pan (gesungen von Claudia Barainsky) steht 1931 noch ganz im Zeichen des postromantisch übersteigernden Dramas, wogegen er in der Ersten Sinfonie – mit dem berühmten Psalm als Mittelsatz – orientalische Modalität mit großsinfonischem Arsenal verbindet (BBC Philharmonic unter Omer Meir Wellber, Chandos).

Florent Schmitt

Florent Schmitt: „La Tragédie des Salomé“, Susan Platts, Nikki Chooi. Buffalo Symphonc Orchestra, JoAnn Falletta (Naxos)
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Music of Israel

Music of Israel. Paul Ben Haim”, Claudia Barainsky, John Bradbury, BBC Philharmonic, Omer Meir Wellber (Chandos)
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Der große US-amerikanische Komponist Arnold Rosner (1945–2013) war ein Außenseiter, der Stilmittel von der Renaissance bis ins Heute amalgamierte. Sein 70-minütiges Requiem von 1973 ist ein panreligiöses Manifest von gigantischer Kraft und Originalität, das Tibetisches Totenbuch, jüdische Klage, Kirchenlatein, Gottfried Benn, François Villon und Walt Whitman weltumspannend vereint (Toccata Classics): ein Meisterwerk der stilistischen Gegensätze und abgründigen Visionen.

Arnold Rosner

Arnold Rosner: „Requiem, op. 59”, Kelley Hollis, Feargal Mostyn-Williams u.a., London Philharmonic Orchestra, Nick Palmer (Toccata Classics)
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Die Geigerin Katherine Hunka hat mit dem Irish Chamber Orchestra rechtzeitig vor Astor Piazzollas 100. Geburtstag ein phänomenales Album vorgelegt, in welchem Desyatnikovs kapriziöse Fassung der Cuatro Estaciones eine in der idiomatischen Beherrschung der Extreme so fulminante Aufführung erlebt, als sei sie direkt vom Geist des Tango-Nuevo-Maestro entzündet, der mit Schubert kombiniert wird (Orchid Classics).

Katherine Hunka

Piazzolla, Schubert, Schnittke”, Katherine Hunka, Irish Chamber Orchestra (Orchid Classics)
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Auch wo Gidon Kremer ist, ist der Tango nicht weit, so im neuesten Album „Searching for Ludwig“ (Alpha Classics) der Kremerata eine frappierend gelungene Einrichtung von Léo Ferrés legendärem Muss es sein? Es muss sein! (mit zugespieltem Originalgesang); auf dieses Vorspiel folgen zwei späte Beethoven-Quartette für Streichorchester. In die Leitung dieser auf höchstem instrumentalen Niveau dargebotenen Abenteuer der Suche teilen sich Mario Brunello und Kremer selbst. Und bei Accentus ist ein in der spröden Kernigkeit fantastisches Kremer-Album mit dem Violinkonzert und dem Violinduo (superb mit Madara Petersone) – beide von 1959 – von Mieczysław Weinberg erschienen, wo auch Daniele Gatti und das Gewandhaus-Orchester in einer echten Sternstunde zu erleben sind. Weinberg war Pole, doch die Flucht vor den Nazis führte ihn in die Sowjetunion, wo er von seinem Freund Schostakowitsch vor Stalin geschützt wurde. In der Leningrad-Serie von Northern Flowers sind zwei weitere hochinteressante Folgen mit Sinfonik und Ballettmusik erschienen, worunter besonders das tiefgründig schockierende Gogol-Ballett Der Mantel des Schostakowitsch-Schülers German Okunev und die theatralisch grenzüberschreitenden, geradezu tollkühn Altes und Neues fusionierenden und intelligent Vierteltöne integrierenden Sinfonien Nummer acht und zehn des 2020 verstorbenen Sergei Slonimski zu nennen sind.

Searching for Ludwig

Searching for Ludwig”, Mario Brunello, Gidon Kremer, Kremerata Baltica (Alpha)
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Weinberg, Gidon Kremer

Mieczysław Weinberg: „Violin Concerto, Sonata for Two Violins”, Gidon Kremer, Madara Petersone, Gewandhausorchester Leipzig, Daniele Gatti (Accentus)
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Leningrad Ballet Music

Leningrad Ballet Music”, Mariinsky Orchestra, Leningrad Philharmonic Orchestra, Edward Chivzhel, Yuir Gamaley (Northern Flowers)
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Leningrad Symphonies

Leningrad Symphonies II. Tsitovich, Slonimsky”, Leningrad Philharmonic Orchestra, Arcady Schtenlucht, Saulius Sondeckis, Timus Mynbaev, (Northern Flowers)
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Aus der Fülle von Neueinspielungen weiblicher Komponisten ragen die „Contemporary Voices“ des exzellenten Pacifica Quartet heraus, insbesondere das programmatisch dem Andenken des 1944 in Auschwitz ermordeten Malers Felix Nussbaum gewidmete Dritten Streichquartett von Shulamit Ran und das Quintett für Altsaxofon und Streicher von Altmeisterin Ellen Taaffe Zwilich (Çedille Records). Und für avancierte Hörer gibt es zum Schluss das höchst aparte Familienalbum „Relationships“ (bei Resonus): die leidenschaftlich fesselnde Geigerin Malu Lin musiziert mit ihrem ebenbürtig musizierenden Ehemann Giles Swayne am Klavier fein gearbeitete Werke von dessen Cousine Nicola LeFanu und deren Mutter Elizabeth Maconchy sowie Meisterhaftes von Swayne selbst, darunter ein innig berührendes Farewell für einen verschiedenen Freund.

Pacifica Quartet

Pacific Quartet: „Contemporary Voices“ (Çedille)
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Malu Lin

Relationships”, Malu Lin, Giles Sayne (Resonus)
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Foto Titelbild: Leningrad Philharmonic Orchestra

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