Jean Muller wendet sich im dritten Teil seiner Einspielungen von Mozarts Sonaten den Kindersonaten zu.

Für Kinder zu leicht – aber für Erwachsene zu schwer“. Dieser Artur Schnabel zugeschriebene Satz bringt das über Jahrhunderte anhaltende Dilemma vieler Klaviersonaten Mozarts auf dem Punkt. Zu harmlos, zu „unbedeutend“ wirkten sie auf viele, weshalb sie – mit wenigen Ausnahmen – auch nicht zur (Pianisten) Heroenverehrung taugten wie etwa die von Beethoven. Als hätte es Mozart geahnt: Ausgerechnet seine wohl berühmteste Sonate nannte er „Sonata facile“. Doch wer sich an KV 545 ausprobiert merkt rasch: „Wahrlich alles andere als leicht“, wie es der luxemburgische Pianist Jean Muller im Booklet seufzend auf den Punkt brachte. 

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Jean Muller über Mozarts Klaviersonaten

Muller, der einst Physiker werden wollte, geht Melodien und Etüden-Läufe mit fast mathematischer Präzision an – ohne die geringste Unregelmäßigkeit. Zugleich überlässt er die Musik ihrem natürlichen Lauf, ohne sie in „Spieldosen Manier“ mechanisch motorisch abrollen zu lassen. Ganz große Kunst! Auch bei den anderen Sonaten auf der dritten CD seiner fünfteiligen Serie mit Mozart-Sonaten behält man – trotz ihres unterschiedlichen Charakters – das Gefühl bei, es gehe alles wie selbstverständlich zu und könne gar nicht anders sein.

Wolfgang Amadeus Mozart: „Complete Piano Sonatas Vol. 3”, Jean Muller (Hänssler Classic)

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„Bis zum Lorbeer versteig' ich mich nicht. G'fallen sollen meine Sachen!“ (J. N. Nestroy) findet Teresa Pieschacón Raphael. Sie hält es mit J. Pulitzers Devise: „Schreibe kurz – und sie werden es lesen. Schreibe klar – und sie werden es verstehen. Schreibe bildhaft – und sie werden es im Gedächtnis behalten.“ In Bogotá wuchs sie auf, in Tübingen und Wien studierte die Enkelin des Komponisten Günter Raphael (1903–1960) Musikwissenschaft und Philosophie und verfiel dem Journalismus. Sie lebt heute als freie Musik- und Kulturpublizistin in München. Ihre Reportagen, Interviews und Konzertprogrammhefte erscheinen in unterschiedlichsten Medien: vom ARTE Magazin bis zur Vogue, von Brigitte bis zur Wirtschaftswoche, vom Dortmunder Konzerthaus bis zu den Salzburger Festspielen… und seit über zehn Jahren bei crescendo.

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