Farbenprächtige Wiederentdeckung

Michael Spyres

Michael Spyres verkörperte an der Seite von Florie Valiquette die Titelpartie in Adolphe Adams Opéra-comique Le Postillon de Lonjumeaux an der Opéra-Comique in Paris. Die Aufnahme der Inszenierung von Michel Fau ist jetzt auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich.

Michael Spyres verkörperte an der Seite von Florie Valiquette die Titelpartie in Adolphe Adams Opéra-comique Le Postillon de Lonjumeaux an der Opéra-Comique in Paris. Die Aufnahme der Inszenierung von Michel Fau ist jetzt auf DVD und Blu-ray Disc erhältlichx.

Überbordende, fantasievolle Bühnenbilder in allen Farben und voll verspielter Schnörkel und anderer Verzierungen, dazu grell bunte, mit allerlei Zierrat überreich geschmückte Kostüme und eine komödiantisch Darstellung – der Komiker und Regisseur Michel Fau setzte Adolphe Adams Opéra-comique Le Postillon de Lonjumeaux an der Opéra-Comique in Paris, jenem Haus, in dem am 13. Oktober 1836 die Uraufführung stattfand, als schwungvolles Spektakel in Szene. Die Vorgaben, die das Stück mit seiner Handlung quer durch alle sozialen Schichten, den Verstellungen und Verkleidungen bildet, schöpft er wirkungsvoll aus. Als Kammerfrau Rose wirft er sich selbst in das Geschehen.

Unterhaltsam für das Publikum

Der Postillon feiert Hochzeit mit Madeleine
Der Postillon, verkörpert von Michael Spyres, feiert Hochzeit mit Madeleine, dargestellt von Florie Valiquette.
(Foto: © Stefan Brion)

Mit über 50 opéra-comiques galt Adolphe Adam als der bedeutendste Komponist dieser Gattung im Frankreich zwischen den beiden Kaiserreichen. „Mein einziges Ziel ist es“, so betonte er, „Musik zu schreiben, die klar ist, leicht verständlich und unterhaltsam für das Publikum.“ Das scheint ihm gelungen zu sein.

Paradenummer für Tenöre

Und wenn seine Opern auch weitgehend vergessen sind, seine Melodien sind es nicht. So wurde etwa das Postillonlied Freunde, vernehmet die Geschichte mit dem hohen D zu einer Paradenummer für Tenöre.

Szenenfoto aus: Le Postillon
Madeleine, jetzt Madame de Latour und dargestellt von Florie Valiquette, nimmt mit ihrer Kammerfrau Rose, gespielt von Michel Fau, der auch Regie führt, Rache am Postillon, der jetzt den Künstlernahmen Saint-Phar trägt und ein berühmter Opernsänger ist.
Foto: © Stefan Brion)

Auch Michael Spyres brilliert damit. Er verkörpert an der Seite der Sopranistin Florie Valiquette als Madeleine / Madame de Latour den Postillon Chapelou, der unter dem Künstlernamen Saint-Phar zum gefeierten Sänger avanciert und sich zweimal in dieselbe Frau verliebt.

Die Kraft der Liebe

Le Postillon
Und noch einmal wird Hochzeit gefeiert: Diesmal heiratet der Postillon als Opernsänger Saint-Phar, verkörpert von Michael Spyres, Madame de Latour, die einmal Madeleine war und von Florie Valiquette gspielt wird.
(Foto: © Stefan Brion)

Wenn etwas die optischen Reize dieser Inszenierung übertreffen kann, dann sind es die Stimmen. Nicht nur die beiden Hauptrollen, auch die anderen Figuren sind großartig besetzt. Am Pult des Opernorchesters steht Sébastien Rouland. Und am Ende allen Klamauks bleibt die tröstliche Botschaft, dass die Kraft, die über alle gesellschaftlichen Um- und Aufbrüche Bestand hat, die Liebe ist. 

Adolphe Adam: „Le Postillon de Lonjumeau“, Michel Fau, Michael Spyres, Florie Valiquette, Franck Leguérinel u.a. accentus, Orchestre de l’Opéra de Rouen Normandie, Sébatien Rouland (als DVD oder Blu-ray Disc, Naxos)
Zu beziehen u.a. bei: www.jpc.de

Adolphe Adam: „Le Postillon de Lonjumeau“, Michel Fau, Michael Spyres, Florie Valiquette, Franck Leguérinel u.a. accentus, Orchestre de l’Opéra de Rouen Normandie, Sébastien Rouland (Naxos)

Foto Titelbild: Naxos

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Ruth Renée Reif
Das „flüchtige Ereignis“ in crescendo anzukündigen, ist die Aufgabe von Ruth Renée Reif: Als Erleben-Redakteurin spürt sie mit detektivischem Eifer packende, hören- und sehenswerte Veranstaltungen für uns auf. Ruth Renée Reif studierte in Wien Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und ist seit ihrer Promotion 1987 in München als freie Journalistin und Publizistin tätig. Zu ihren Veröffentlichungen zählen eine Biografie über die Sängerin Karan Armstrong, ein historisches Porträt der Stuttgarter Philharmoniker sowie zahlreiche Gespräche mit Musikern, Schriftstellern und Philosophen.