Lilly Nagy, Betriebsärztin an den Wiener Theatern, hat den Mimen in die Kochtöpfe geschaut.

Seit dem Lockdown heißt es: Schluss mit Glamour und Geheimnis. Stattdessen Pantoffeln und Behaglichkeit in Wohnzimmer und Küche. Doch will man sich Theaterlegende Elisabeth Orth mit Schürze am Herd vorstellen? ‚Schwamm drüber‘ dachte sich Lilli Nagy, Betriebsärztin an allen wichtigen Theatern in Wien und bat fünfzig Theaterleute um ihr Lieblingsrezept – Schauspieler, Dramaturgen, Gewandmeister ebenso wie den Portier, die Reinigungskraft und die Mitarbeiterin in der Lohnbuchhaltung. Weil hier alles in Österreich spielt, geht’s auch humorig und deftig zu bei all den Soßerln, Nockerln, Laberln und Gupferln. 

My Stage is my Kitchen
Blick ins Buch: Der Puppenspieler Nikolaus Habjan lässt Herrn Dipl.-Ing. Bernhard Schwingenschläger „Brambory“ kochen.
Der Begriff „Brambory“ ist offenbar eine englische Version für „Bramburi“, wie in Österreich die Kartoffeln genannt werden. Der Begriff geht zurück auf die Zeit um 1700, als in Böhmen die Kartoffeln aus Brandenburg importiert wurden.

Burgtheater-Legende Peter Simonischeks Geheimrezept für seine Linsensuppe: „An spielfreien Tagen, wie jetzt, in der Coronazeit, gebe ich noch einen Schuss Gin dazu.“ Sven-Eric Bechtolf liefert sein Pasta-Rezept in Form eines Gedichtes. Udo Samel, der in den 80ern den gequälten Franz Schubert mimte, präsentiert sein „Quarantäne-Tagebuch“, in dem akribisch genau sein tägliches Menü notiert ist – inklusive Weinlieferung(!). Und Volkschauspieler Christoph F. Krutzler sinniert beim Backen seiner ‚Grammelpogatscherln‘ (Griebenschmalz Brötchen) fast schon fatalistisch: „Der Vorgang hat ein natürliches Ende.“ Köstlich!

Lilli Nagy (Hrsg.): „My stage is my kitchen” (Wolfgang Pfeifenberger Verlag)

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Teresa Pieschacón Raphael
„Bis zum Lorbeer versteig' ich mich nicht. G'fallen sollen meine Sachen!“ (J. N. Nestroy) findet Teresa Pieschacón Raphael. Sie hält es mit J. Pulitzers Devise: „Schreibe kurz – und sie werden es lesen. Schreibe klar – und sie werden es verstehen. Schreibe bildhaft – und sie werden es im Gedächtnis behalten.“ In Bogotá wuchs sie auf, in Tübingen und Wien studierte die Enkelin des Komponisten Günter Raphael (1903–1960) Musikwissenschaft und Philosophie und verfiel dem Journalismus. Sie lebt heute als freie Musik- und Kulturpublizistin in München. Ihre Reportagen, Interviews und Konzertprogrammhefte erscheinen in unterschiedlichsten Medien: vom ARTE Magazin bis zur Vogue, von Brigitte bis zur Wirtschaftswoche, vom Dortmunder Konzerthaus bis zu den Salzburger Festspielen… und seit über zehn Jahren bei crescendo.

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