Nikolaus Harnoncourt

Erup­tive Kraft

von Fabian Stallknecht

28. Dezember 2021

Das letzte Konzert! Nikolaus Harnoncourt dirigierte im Spätherbst 2011 das Orchester des Opernhauses Zürich zum letzten Mal. Nun liegt das legendäre Konzert auf einem Doppelalbum vor.

Volle 36 Jahre hat sie gedauert, die künst­le­ri­sche Part­ner­schaft zwischen und dem Orchester des Opern­hauses , welches inzwi­schen als firmiert; vom berühmten Monte­verdi-Zyklus von 1975 bis zum hier auf CD veröf­fent­lichten letzten Konzert in der Tonhalle im November 2011.

Trailer des Doppel­al­bums von Niko­laus Harnon­courts Abschieds­kon­zert am Pult des Orches­ters des Opern­hauses Zürich

Was sich an diesen Abenden musi­ka­lisch ereignet hat, ist so etwas wie die Essenz dieses großen Musi­k­er­klä­rers und Ausdrucks­mu­si­kers: die maxi­male Trans­pa­renz und Staf­fe­lung des Klang­bildes, die Präzi­sion und agogi­sche Diffe­ren­zie­rung, die unge­heure, vorwärts­trei­bende Dynamik und die plas­ti­sche, gera­dezu erup­tive Kraft des Orches­ter­spiels. Letz­tere prägt vor allem Beet­ho­vens Fünfte Sinfonie. Diese wird zu einer Vorschluss­runde der Revo­lu­tion, einem Kampf der Mächte der Unter­drü­ckung und der Befreiung, endend in einem rasant genom­menen, vor Energie und Vita­lität strot­zenden Final­satz. Ein Triumph, eine Entfes­se­lung. Weitaus lyri­scher, doch mit derselben Binnen­span­nung musi­ziert, ist im ersten Teil Mozarts Sere­nade für Bläser KV 361, die Gran Partita. Was der Diri­gent und die 13 solis­ti­schen Bläser an bannender Konzen­triert­heit und farb­li­chem Reichtum reali­sieren, ist unge­mein bewe­gend. Hier wird nicht einfach nur Musik gespielt, hier werden die Essen­tials gestaltet.